Alle zusammen für die digitale Stadt: Mit dieser Strategie entwickelt Bochum sich zur Smart City

Bochums Engagement könnte Schule machen: Die Stadt plant die (Verwaltungs-) Digitalisierung langfristig, treibt sie gezielt voran und setzt sie ämterübergreifend um. Welche positiven Effekte das hat, schlüsselt dann auch ein Autorenteam auf: der Chief Digital Officer gemeinsam mit der Personalchefin.

Bochum auf dem Weg zur Smart City
Schritt für Schritt immer digitaler: In Bochum wird die Transformation nicht  als lästige Pflicht gesehen, sondern als Chance – für Bürgerinnen ebenso  wie für Mitarbeiter der Stadt. Foto: Stadt Bochum

Die digitale Transformation der Städte ist eine der größten Herausforderungen, die Kommunen in den nächsten Jahren zu bewältigen haben. In Bochum sind wir davon überzeugt, dass diese Transformation eine große Chance ist, uns als Organisation weiterzuentwickeln und bessere Dienstleistungen sowie verlässliche Daseinsvorsorge für die Menschen anzubieten. 

Überzeugt davon verfolgen wir im Rahmen der Bochum Strategie das Ziel, „Vorreiterin modernen Stadtmanagements“ zu werden. Unsere Ergebnisse sind mittlerweile deutlich sichtbar: für Bürgerinnen und Bürger, Unternehmen am Standort, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Stadtverwaltung und im „Konzern Stadt Bochum“, also unseren städtischen Beteiligungsgesellschaften.

Was heißt das konkret? In Bochum sind mittlerweile über 200 digitale Dienstleistungen im städtischen Serviceportal verfügbar. Alle Publikumsämter sind an die Onlineterminvergabe angeschlossen, und Dokumentenausgabeboxen ermöglichen es, Personalausweise sowie Reisepässe auch außerhalb der Bürozeiten abzuholen. Neu-Bürgerinnen und -Bürger können sich medienbruchfrei mit der digitalen Wohnsitzanmeldung ummelden, das Familienbüro berät auf Wunsch auch digital über Videokonferenzen. Natürlich ist diese Liste nicht abschließend, zeigt aber, dass schon vieles bewegt werden konnte.

Bochum wird zur Smart City: Von IoT-Netzen bis zur Bochum-App

Gleichzeitig treiben die Stadt Bochum und der Stadtkonzern die Entwicklung zur smarten Stadt voran. Digitales Parken in allen städtischen Parkhäusern, ein flächendeckendes LoRaWAN IoT-Netzwerk der Stadtwerke, Aufbau weitreichender Sensorik zur Erfassung von Klima- und Umweltdaten, autonome Wertstoffhöfe des Abfallentsorgers, KI-Unternehmensberatung der Wirtschaftsentwicklung oder die Bochum App als digitaler Alltagshelfer: Auch das sind wieder nur einige Beispiele.

Drei Erfolgsfaktoren sind entscheidend, um die Digitalisierung voranzubringen:

  • innovative Strukturen,
  • ein Mindset aus Mut, Pragmatismus und Spaß an Veränderungen,
  • ein digitaler Durchbruch für das föderale System Deutschlands.

Innovative Strukturen

Um die digitale Transformation gemeinsam zu verfolgen, haben die Stadtverwaltung und die Unternehmen des Stadtkonzerns ein organisationsübergreifendes, interdisziplinäres Smart City-Team gegründet: die „Smart City Innovation Unit“. Sie soll Projekte aus dem Smart City-Konzept und dem Förderprogramm „Modellprojekte Smart Cities“ umsetzen.

Innerhalb der Stadtverwaltung übernimmt das fachbereichsübergreifende Inhouse Consulting die Rolle einer Digitalberatung und steuert die wichtigsten Digitalprojekte. Die verschiedenen Fachbereiche werden bei Digitalisierungsvorhaben so eng unterstützt: von der Ideen- und Strategieentwicklung in einzelnen Teams bis hin zur Begleitung von großen Digitalisierungs- und Veränderungsprojekten. Eine gut aufgestellte IT, die den Einsatz moderner Technologien forciert, gehört ebenso dazu.

Mindset für Veränderungen

Digitalisierung geht nur gemeinsam mit dem Mut, alte Zöpfe abzuschneiden, und mit der notwendigen Veränderungsbereitschaft. Die Bochum Strategie fokussiert deshalb seit Beginn auf die Entwicklung eines neuen Denkens innerhalb der Stadtverwaltung. Weg von Silo- und engem Zuständigkeitsdenken hin zur gemeinsamen Verantwortung für Veränderungen.

Im Fokus stehen dabei insbesondere die Führungskräfte. Mit Fortbildungen, Führungskräftekonferenzen, digitalen Mittagspausen und anderen Formaten machen wir unsere Führungskräfte zu Botschafterinnen und Treibern des digitalen Wandels.

Plädoyer für dringender Reformen

Obwohl wir schon viel erreichen konnten, gibt es ungleich mehr zu tun. Eine ehrliche Bestandsaufnahme würde der Digitalisierung des öffentlichen Dienstes in Deutschland – trotz aller Fortschritte der letzten Jahre – ein schlechtes Zeugnis ausstellen. Daran hat unser föderales System mit seiner Komplexität, Uneinheitlichkeit und Langsamkeit einen erheblichen Anteil.

Als Stadt Bochum unterstützen wir deshalb die „Dresdner Forderungen“ des Städtetags oder die „Initiative für einen handlungsfähigen Staat“, die eine grundsätzliche Reform unseres Systems fordern: gute Basisdienste wie eine flächendeckende digitale Identität, zentral betriebene Dienstleistungen, gemeinsame Infrastruktur, moderne Register und einen digitalfreundlichen Rechtsrahmen. Nur so kann die Digitalisierung gelingen. Die Gründung des Ministeriums für Digitales und Staatsmodernisierung sowie der Koalitionsvertrag lassen hoffen, dass diese Wünsche in Erfüllung gehen könnten.

Wir arbeiten in Bochum weiter gemeinsam an dem, was wir bewegen können, um unseren Bürgerinnen und Bürgern bestmögliche Dienstleistungen anbieten zu können und eine attraktive Arbeitgeberin zu sein. Digitalisierung, davon sind wir überzeugt, ist dabei einer der größten Hebel, die wir zur Verfügung haben.

Denes Kücük, Elke Werthmann-Grossek


Die Autoren

Denes Kücük ist Chief Digital Officer der Stadt Bochum. Elke Werthmann-Grossek leitet das Amt für Personalmanagement, Informationstechnik und Organisation.


Die „Bochum Strategie“

  • Als Kompass der Stadt auf dem Weg ins Jahr 2030 fungiert die „Bochum Strategie“ – Ziel ist, die Lebensqualität der Bürgerinnen und Bürger zu sichern und weiter zu verbessern.
  • Die Bochum App bietet Funktionen, die den Alltag der Bürgerinnen und Bürger erleichtern sollen.
  • Bochum arbeitet strategisch an der Entwicklung der Smart City – Herzstück für die Umsetzung und Fortschreibung des Konzeptes ist die Smart City Innovation Unit.

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