Digitale Verwaltung im Alltag: Wiesbaden testet Deutschland-App

Wiesbaden beteiligt sich als eine von sechs Städten an der Pilotphase der Deutschland-App des Bundes. Ziel ist es, Verwaltungsleistungen über eine zentrale Anwendung einfacher zugänglich zu machen. In der Testphase sollen reale Anwendungsfälle erprobt und Erfahrungen für die Weiterentwicklung gesammelt werden.

Deutschland-App
Wiesbaden gehört zu den sechs Pilotkommunen, die die neue Deutschland-App des Bundes unter Praxisbedingungen testen. Foto: Adobe Stock/majonit

Wiesbaden fungiert als eine von sechs Pilotkommunen für die geplante Deutschland-App des Bundesministeriums für Digitales und Staatsmodernisierung (BMDS). Zu den weiteren Projektteilnehmern zählen Dortmund, Dresden, Erfurt, Hamburg und Nürnberg. Das Vorhaben verfolgt das Ziel, digitale Verwaltungsangebote künftig übersichtlicher, verständlicher und anwenderfreundlicher zu gestalten.

Mit der Deutschland-App soll erprobt werden, inwieweit Bürgerinnen und Bürger Verwaltungsleistungen künftig unmittelbar über eine App abrufen und Anträge digital einreichen können. Erstmals kommt dabei auch Künstliche Intelligenz zum Einsatz. Im Fokus stehen mehrere Anwendungsfälle, darunter die Weiterbewilligung von Kindergeld sowie das Wohngeld. Die im Testbetrieb gewonnenen Erkenntnisse sollen unmittelbar in die Weiterentwicklung des Prototyps einfließen. Dies berichtet die Stadt Wiesbaden in einer Mitteilung.

Wiesbaden bringt Erfahrungen aus eigenen Digitalisierungsprojekten in Pilotphase ein

„Dass Wiesbaden als Pilotkommune für die Deutschland-App ausgewählt wurde, ist ein starkes Signal. Wir konnten in der Vergangenheit zeigen, dass digitale Verwaltung dann funktioniert, wenn sie aus Sicht der Menschen gedacht wird“, so Maral Koohestanian, Dezernentin für Smart City, Europa und Ordnung.

„Es geht nicht darum, bestehende Formulare einfach auf ein Smartphone zu übertragen. Verwaltung soll so gestaltet werden, dass sie verständlich, erreichbar und im Alltag wirklich hilfreich ist. Genau deshalb ist diese Pilotphase für Wiesbaden so wichtig: Wir bringen unsere praktische Erfahrung ein und helfen mit, digitale Services des Staates von Anfang an nutzenorientiert zu entwickeln.“

Wiesbaden steuert umfassende Erfahrungen aus eigenen Digitalisierungsprojekten in die Pilotphase bei. So war die Landeshauptstadt die erste Behörde in Deutschland, die eine Online-Anmeldung zur Eheschließung eingeführt hat. Auch die digitale Wohnsitzanmeldung per Videoident wurde hier früh realisiert und mit dem Digital-Award 2024 ausgezeichnet.

Mit dem Zukunftswerk verfügt Wiesbaden zudem über einen Ort, an dem digitale Angebote gemeinsam mit Bürgerinnen und Bürgern erprobt, erläutert und weiterentwickelt werden. Der Passierschein A38 verdeutlicht darüber hinaus, wie sich digitale Verwaltungsleistungen niedrigschwellig, praxisnah und mit einem Augenzwinkern vermitteln lassen.

Erster Prototyp der Deutschland-App nahezu fertig

Dr. Karsten Wildberger, Bundesminister für Digitales und Staatsmodernisierung, erklärt: „Unser Ziel ist eine Verwaltung, die für die Menschen so einfach funktioniert wie ein moderner Online-Dienst: intuitiv, schnell und jederzeit erreichbar. Mit einer KI-gestützten, modularen Plattform und der zugehörigen Deutschland-App schaffen wir dafür die Grundlage – offen, anschlussfähig und integriert in den Deutschland-Stack.“

Der erste Prototyp der Deutschland-App befindet sich kurz vor der Fertigstellung. In einem nächsten Schritt ist eine praxisnahe Erprobung gemeinsam mit den Pilotkommunen vorgesehen. Dabei handelt es sich ausdrücklich noch nicht um ein marktreifes Produkt. Zunächst wird die Anwendung lediglich einer begrenzten Nutzergruppe zugänglich gemacht.

Aktuell ist die Deutschland-App nicht in den App-Stores erhältlich. Die Teilnahme an der Testphase ist zeitlich befristet, auf die Pilotkommunen beschränkt und nur für eine begrenzte Anzahl von Nutzerinnen und Nutzern möglich. Ein konkreter Starttermin soll später in Abstimmung zwischen dem BMDS und den beteiligten Kommunen bekannt gegeben werden.

Kommunen als Schlüssel für praxistaugliche Digitalisierung

„Für uns ist digitale Verwaltung kein Selbstzweck. Ein guter Service spart Zeit, nimmt Hürden und schafft Vertrauen“, betont Koohestanian. „Bürgerinnen und Bürger sollen nicht wissen müssen, welches Amt, welche Ebene oder welche Zuständigkeit hinter einem Anliegen steht. Sie sollen einfach und sicher zu ihrem Ziel kommen. Die besten digitalen Lösungen entstehen nicht am Reißbrett, sondern im echten Leben. Deshalb ist es richtig, Kommunen früh einzubinden. Genau diese Perspektive bringen wir als Wiesbaden ein.“

Mit der Beteiligung am Pilotprojekt unterstreicht Wiesbaden erneut, dass die Modernisierung der Verwaltung hier nicht nur diskutiert, sondern konkret erprobt wird. Das Dezernat für Smart City, Europa und Ordnung begleitet den Prozess eng und bringt die Erfahrungen aus der kommunalen Praxis in die weitere Entwicklung ein.

Red.

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