Bitkom-Länderindex 2026: So digital sind Deutschlands Bundesländer

Hamburg verteidigt seine Spitzenposition im Bitkom‑Länderindex 2026, Hessen rückt auf Platz drei vor und das Saarland überzeugt als größter Aufsteiger. Die Ergebnisse zeigen zugleich, wie unterschiedlich digitale Stärken und Schwächen in Deutschlands Bundesländern verteilt sind – von Infrastruktur über Verwaltung bis hin zu Bildung und Wirtschaft.

Bitkom-Länderindex 2026
Der Bitkom‑Länderindex 2026 vergleicht die digitale Leistungsfähigkeit aller 16 Bundesländer anhand von 30 Indikatoren aus Verwaltung, Infrastruktur, Wirtschaft und Gesellschaft. Foto: Adobe Stock/Alek

Hamburg behauptet seine Position als digital führendes Bundesland, Hessen verbessert sich auf Rang drei, und das Saarland verzeichnet als Aufsteiger des Jahres deutliche Fortschritte. Zugleich macht der Bitkom-Länderindex 2026 deutlich, dass die digitale Leistungsfähigkeit in Deutschland stark variiert.

Während nördliche Bundesländer vor allem bei der digitalen Infrastruktur überzeugen, weisen ostdeutsche Länder besondere Stärken im Bereich der digitalen Bildung auf. Grundlage des Länderindex ist eine Bewertung aller 16 Bundesländer anhand von 30 Indikatoren in den vier Kategorien Governance & Verwaltung, digitale Infrastruktur, digitale Wirtschaft und digitale Gesellschaft. Dies berichtet der Digitalverband Bitkom in einer Mitteilung.

Hamburg belegt den ersten Platz

Mit 70,3 von 100 erreichbaren Punkten führt Hamburg das Ranking erneut mit großem Vorsprung an. Es folgen Berlin mit 63,8 Punkten sowie Hessen mit 63,7 Punkten auf den Plätzen zwei und drei. Bayern kommt auf 62,6 Punkte und belegt damit Rang vier, gefolgt von Baden-Württemberg, das mit 61,8 Punkten auf Platz fünf liegt. Besonders deutlich verbessert zeigt sich das Saarland, das sich von Rang zwölf im Länderindex 2024 auf Platz sechs vorgearbeitet hat.

Die Schlusslichter des Rankings bilden Sachsen-Anhalt mit 52,4 Punkten sowie Thüringen und Mecklenburg-Vorpommern, die mit jeweils 51,1 Punkten gemeinsam den 15. Platz einnehmen.

„Der Bitkom-Länderindex zeigt, wie die Digitalisierung in Deutschlands Regionen gelingen kann. Einige Bundesländer profitieren von starken wirtschaftlichen und strukturellen Voraussetzungen, andere holen mit klugen politischen Entscheidungen und gezielten Investitionen auf“, sagt Bitkom-Präsident Dr. Ralf Wintergerst. „Entscheidend ist, dass Digitalisierung strategisch gesteuert, mit Nachdruck umgesetzt und in der Breite verankert wird – in Verwaltung, Wirtschaft, Infrastruktur und Bildung.“

Die digitalen Stärken der Bundesländer unterscheiden sich

Für den Länderindex befragten die Fachleute des Bitkom sämtliche 16 Landesregierungen und werteten zudem umfangreiche amtliche Statistiken sowie Drittstudien aus. Ergänzend führte Bitkom Research eine empirische Erhebung unter mehr als 5.600 Bürgerinnen und Bürgern durch, deren Ergebnisse für alle Bundesländer repräsentativ sind. Die gewonnenen Daten gehen in die Bewertung der vier Kategorien mit insgesamt 30 Indikatoren ein.

„Der Länderindex macht sichtbar, wo die Länder Fortschritte erzielen, wo sie Defizite haben und wie unterschiedlich ihre digitalen Stärken ausgeprägt sind. Diese Vergleichbarkeit ist entscheidend, um Erfolgsfälle zu erkennen, voneinander zu lernen und die Digitalisierung dort zu beschleunigen, wo die Chancen am größten sind“, erklärt Wintergerst.

Hamburg überzeugt bei Wirtschaft und Infrastruktur

Hamburg steht nicht nur in der Gesamtbewertung an der Spitze, sondern erreicht auch in den Kategorien „Digitale Wirtschaft“ und „Digitale Infrastruktur“ jeweils Rang eins. In den Bereichen „Governance & Verwaltung“ sowie „Digitale Gesellschaft“ belegt die Hansestadt die Plätze drei beziehungsweise fünf. Zu den ausgeprägten Stärken zählen insbesondere die Glasfaser- und Gigabitversorgung sowie der hohe Anteil an IT-Unternehmen und IT-Fachkräften.

Berlin hält Rang zwei und erzielt seine besten Ergebnisse in der „Digitalen Wirtschaft“. Maßgeblich sind hier vor allem die hohe Zahl an Startup-Gründungen und die starke Präsenz von IT-Unternehmen in der Hauptstadt. Hessen verbessert sich in der Gesamtwertung von Platz fünf auf Platz drei und nimmt bundesweit sowohl in der Kategorie „Governance & Verwaltung“ den Spitzenplatz als auch Rang zwei bei der „Digitalen Infrastruktur„ ein. Ein wesentlicher Faktor ist dabei die besonders hohe Rechenzentrumsleistung im Raum Frankfurt/Main.

Das Saarland ist bundesweit der größte Aufsteiger

Die auffälligste Entwicklung im diesjährigen Länderindex zeigt das Saarland. Es hat sich in der Gesamtbewertung deutlich verbessert, indem es von Rang zwölf auf Platz sechs aufstieg. In der Kategorie „Digitale Gesellschaft“ erreicht das Saarland sogar die Spitzenposition. Grundlage hierfür sind insbesondere hohe Werte im Bereich der digitalen Bildung: In allen Schulformen sind mindestens sechs verbindliche Wochenstunden Informatik vorgesehen, zudem unterrichten fünf Prozent der Lehrkräfte das Fach Informatik – im Bundesdurchschnitt liegt dieser Anteil bislang bei drei Prozent. Auch bei der digitalen Infrastruktur nimmt das kleinste Flächenland eine führende Rolle ein und erzielt den höchsten Wert bei der Gigabitversorgung an Schulen.

„Das Saarland zeigt beispielhaft, dass digitale Fortschritte nicht allein von Größe und Geldbeutel abhängen. Wer gezielt in digitale Bildung investiert und politische Prioritäten setzt, kann die Digitalisierung schnell nach vorne bringen“, berichtet Wintergerst.

Digitale Stärken sind regional unterschiedlich verteilt

Der Länderindex 2026 macht zudem deutlich, dass die Ausprägung von Stärken und Schwächen in den vier zentralen Digitalisierungsfeldern stark variiert. In der Kategorie „Digitale Infrastruktur“ führen vor allem nördliche Bundesländer wie Hamburg, Bremen, Schleswig-Holstein und Niedersachsen das Feld an. Sie erzielen überdurchschnittliche Ergebnisse beim Ausbau von Glasfaser- und Gigabitnetzen. Der Süden hingegen weist besondere Stärken in der „Digitalen Wirtschaft“ auf und wird in diesem Bereich lediglich von Hamburg und Berlin übertroffen.

In den ostdeutschen Bundesländern zeigen sich wiederum erfolgreiche Ansätze zur Stärkung digitaler Teilhabe und digitaler Bildung. In der Kategorie „Digitale Gesellschaft“ erreicht Mecklenburg-Vorpommern Rang zwei, Sachsen Rang drei und Thüringen Rang vier – trotz deutlich schwächerer Platzierungen im Gesamtranking.

Ausschlaggebend ist insbesondere der Bereich der digitalen Bildung: In Mecklenburg-Vorpommern sind in allen Schulformen sechs verbindliche Informatikstunden vorgesehen, in Sachsen unterrichten neun Prozent der Lehrkräfte das Fach Informatik.  „Der Osten legt mit seinen Aktivitäten zur digitalen Bildung die Grundlagen für eine künftig stärkere digitale Wirtschaft in der Region“, so Wintergerst.

Was digitale Vorreiter auszeichnet

Digital besonders leistungsfähige Bundesländer weisen häufig strukturelle Vorteile auf, darunter eine insgesamt überdurchschnittliche Wirtschaftsleistung, eine hohe Bevölkerungsdichte sowie eine ausgeprägte Unternehmens- und Hochschullandschaft mit umfangreichen Investitionen in Forschung und Entwicklung. Ergänzend spielen politisch‑institutionelle Rahmenbedingungen eine Rolle, etwa ein eigenständiges Digitalministerium, ein Digitalkabinett, ein Digitalcheck für neue Gesetze oder eine Digitalstrategie mit öffentlicher Fortschrittsberichterstattung.

Um die digitale Entwicklung weiter voranzubringen, empfiehlt Bitkom unter anderem die Einführung von Informatik als Pflichtfach ab der Sekundarstufe I, den Ausbau von Weiterbildungsangeboten für Lehrkräfte sowie Maßnahmen zur Förderung digitaler Kompetenzen, etwa in Bibliotheken oder Volkshochschulen. Für die öffentliche Verwaltung sieht Bitkom zudem die Notwendigkeit eines Beschleunigungsbudgets für digitale Vorhaben sowie eines schnelleren Fortschritts bei der Umsetzung des Onlinezugangsgesetzes.

„Damit die Verwaltung in Deutschland digital besser funktioniert, müssen Bund und Länder auch technisch enger zusammenarbeiten. Vor allem sollten die Länder mehr voneinander lernen. Wenn jedes Land sein eigenes System baut, wird es kompliziert, teuer und langsam“, erklärt Wintergerst.

Dass sich die Länder zum Deutschland-Stack bekannt haben, könne der digitalen Verwaltung Schub verleihen. „Der Deutschland-Stack hat das Zeug dazu, die Verwaltung digital auf ein gemeinsames, modernes Fundament zu stellen“, so Wintergerst.

„Digitalisierung lässt sich gestalten“

Gleichzeitig verfügen die Länder bereits heute über bestehende Handlungsspielräume, um digitale Fortschritte zu erzielen. So haben Bund und Länder im Rahmen der föderalen Modernisierungsagenda unter anderem vereinbart, die Berichtspflichten für Unternehmen zu reduzieren. Wintergerst betont: „Damit können die Länder direkt loslegen und die Wirtschaft vor Ort unmittelbar entlasten.“

Vergleichbares gilt für den Mobilfunkausbau: Die Voraussetzungen für eine schnellere Errichtung neuer Masten hat der Bund bereits geschaffen. „Die Ergebnisse des Länderindex zeigen: Digitalisierung lässt sich gestalten. Wo Prioritäten gesetzt, Zuständigkeiten gebündelt und Maßnahmen konsequent umgesetzt werden, kommt digitale Bewegung ins Land. Genau darin liegt jetzt die Chance für alle Bundesländer“, betont Wintergerst.

Red.

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