Digitale Infrastruktur: Warum Kommunen sich für Rechenzentren stark machen sollten

Eine Zwischenbilanz aus Verbandssicht: Von Fortschritten bei der Entwicklung von Rechenzentren und vernetzten Infrastrukturen spricht Matthias Plötzke, aber auch von strukturellen Defiziten. Der Appell an die Kommunen: sich hier unbedingt zu engagieren – denn „die entscheidenden Weichen werden vor Ort gestellt“.

Digitale Infrastruktur
Rechenzentren als Standortvorteil? Künstliche Intelligenz, Digitalisierung der Verwaltung und datenbasierte Geschäftsmodelle sorgen dafür, dass der Bedarf an Rechenkapazitäten steigt. Foto: Adobe Stock/Tomasz Wozniak

Digitale Verwaltung, Künstliche Intelligenz, vernetzte Infrastrukturen: Die Leistungsfähigkeit von Staat und Wirtschaft hängt zunehmend von zügigen Investitionen in robuste digitale Infrastruktur ab. Ob diese in der Umsetzung in Deutschland zum Standortvorteil oder zum Engpass werden, entscheidet sich nicht allein auf Bundesebene – sondern maßgeblich vor Ort in den Kommunen.

Dabei fällt die Zwischenbilanz gemischt aus. Positiv ist: Mit der nationalen Rechenzentrumsstrategie hat die Bundesregierung jüngst ein wichtiges Signal gesetzt und die strategische Bedeutung digitaler Infrastruktur anerkannt. Auch auf Landesebene, etwa mit der hessischen Zukunftsagenda Rechenzentren, entstehen strukturierte Ansätze für eine koordinierte Weiterentwicklung.

Gleichzeitig bleibt der Ausbau hinter den Anforderungen zurück. Der Bedarf an Rechenkapazitäten wächst dynamisch – getrieben durch KI, Digitalisierung der Verwaltung und datenbasierte Geschäftsmodelle. Studien zeigen, dass Deutschland bis 2030 vor einer erheblichen Kapazitätslücke steht und im internationalen Vergleich an Boden verliert. Die zentrale Herausforderung liegt dabei weniger in fehlenden Investitionen als in strukturellen Rahmenbedingungen.

Wo angepasst werden sollte

Drei Engpassfaktoren sind entscheidend. Erstens bremsen langwierige und uneinheitliche Genehmigungsverfahren Projekte aus. Zweitens entwickelt sich die Energie- und Netzinfrastruktur zunehmend zum limitierenden Faktor. Drittens fehlt es häufig an Akzeptanz auf kommunaler Ebene, obwohl Rechenzentren erhebliche lokale Wertschöpfung generieren können.

Provinz versus urbane Zentren?

Die häufig gestellte Frage, ob vor allem ländliche Regionen aufholen müssen, greift daher zu kurz. Zwar bestehen dort weiterhin Defizite, etwa beim Netzausbau. Doch auch in urbanen Zentren zeigen sich strukturelle Engpässe – bei Flächen, Strom und Verfahren. Das eigentliche Problem ist kein geografisches, sondern ein planerisches: Digitale Infrastruktur wird in Deutschland noch zu oft fragmentiert betrachtet.

Plädoyer für integriertes Planen

Was es braucht, ist eine integrierte Infrastrukturplanung. Flächenverfügbarkeit, Stromanschluss, Glasfaseranbindung und idealerweise auch die Wärmenutzung müssen von Beginn an gemeinsam geplant und mit synchronen Zeitachsen umgesetzt werden. Rechenzentren sind dabei nicht nur Energieverbraucher, sondern planbare, kontinuierliche Stromabnehmer mit hohem Bedarf an Versorgungssicherheit. Zugleich können sie als verlässliche Quelle für Abwärme in die kommunale Wärmeplanung integriert werden.

Beispiele aus der Praxis

Dass dies funktioniert, zeigen zahlreiche Beispiele. In Hattersheim hat eine aktive Willkommenskultur der Kommune Planungssicherheit geschaffen und Investitionen ermöglicht. In Frankfurt wird Abwärme zunehmend in die Wärmeversorgung integriert. Projekte in Hanau oder im Frankfurter Westen zeigen, wie durch die Restauration von Brownfield-Flächen selbst komplexe, teils kontaminierte Flächen mit erheblichem Investitionsaufwand wieder nutzbar gemacht werden können.

Über einzelne Projekte hinaus geht Hessen mit seiner Zukunftsagenda Rechenzentren einen Schritt weiter: eine strategisch gesteuerte, integrierte Weiterentwicklung der digitalen Infrastruktur – mit klarer Koordination von Flächen, Energie, Netzen und Genehmigungsverfahren. Ziel ist es, Wachstum, Resilienz und Nachhaltigkeit zusammenzuführen und gleichzeitig Kommunen durch standardisierte Verfahren, Musterlösungen und koordinierte Prozesse zu entlasten.

Infrastruktur wird lokal entschieden

Entscheidend wird nun sein, diese Ansätze in die Breite zu tragen und in der kommunalen Praxis zu verankern. Denn die Rolle der Kommunen ist zentral: Sie sind nicht nur Genehmigungsbehörde, sondern Gestalter von Infrastruktur.

Damit geht auch eine Verantwortung einher: Die Entscheidungshoheit vor Ort sollte genutzt werden, um Akzeptanz aktiv zu gestalten. Wo Kommunen frühzeitig informieren, den lokalen Mehrwert – etwa durch Abwärmenutzung, Investitionen oder Arbeitsplätze – sichtbar machen und Entwicklungen strategisch begleiten, entstehen tragfähige Lösungen.

Daraus ergeben sich konkrete Handlungsfelder: Kommunen sollten frühzeitig geeignete Flächen identifizieren und entwickeln, die bereits über zentrale Infrastrukturanschlüsse verfügen. Genehmigungsprozesse lassen sich durch klare Zuständigkeiten, standardisierte Abläufe und parallele Verfahren beschleunigen. Ebenso wichtig ist es, Energie-, Digital- und Wärmeplanung stärker zu verzahnen und frühzeitig mit Netzbetreibern und Projektentwicklern abzustimmen.

Appell an die Kommunen

Deutschland hat alle Voraussetzungen, ein führender Standort für digitale Infrastruktur zu sein. Ob dieses Potenzial genutzt wird, hängt jedoch entscheidend davon ab, wie schnell und koordiniert Planung, Genehmigung und Umsetzung vor Ort gelingen. Digitale Infrastruktur entsteht nicht abstrakt – sie wird in den Kommunen konkret entschieden.

Matthias Plötzke


Der Autor

Matthias Plötzke ist Managing Director der German Datacenter Association, dem Bundesverband der Rechenzentrumsbranche.


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