Der Glasfaserausbau ist die Grundlage, darauf aufbauend erhofft sich die Internetwirtschaft ein leistungsfähiges Ökosystem digitaler Infrastrukturen. Erforderlich dafür sind Rechenzentren – und der kontinuierliche Austausch zwischen Bund, Kommunen und Wirtschaft, so der Appell aus Verbandssicht.

Ein starkes und resilientes Ökosystem digitaler Infrastrukturen aus Rechenzentren, Cloud- und Colocation-Anbietern, Internetaustauschknoten und einem gut ausgebauten Gigabitnetz: Das ist das Fundament und zugleich der Motor für die digitale Transformation von Staat, Wirtschaft und Gesellschaft. Die Bundesregierung treibt mit Investitionen und einer Vielzahl neuer Programme und Gesetzesinitiativen den Ausbau der digitalen Infrastruktur in Deutschland voran. Ziel ist es, Deutschland bis 2030 zum digitalen Vorreiter in Europa zu entwickeln.
Auch die Internetwirtschaft selbst engagiert sich. Schon heute investieren Betreiber digitaler Infrastrukturen pro Jahr rund 13 Milliarden Euro in Rechenzentrumsgebäude, Stromversorgung, Kühltechnik sowie die IT-Hardware – Tendenz steigend.
Was Kommunen tun können
Doch Investitionen sind nicht alles. Die Branche hat auch mit zahlreichen Herausforderungen zu kämpfen. Um der wachsenden Nachfrage gerecht zu werden, sind fortlaufende Milliardeninvestitionen in neue Rechenzentren, effiziente Technologien und das Stromnetz nötig. Hier ist die Politik – von der Bundesregierung und den Ländern bis hin zu den einzelnen Kommunen – am Zug. Sie muss auch dafür sorgen, dass Genehmigungsprozesse für den Neubau und die Modernisierung von Rechenzentren drastisch beschleunigt sowie Energiekosten auf ein wettbewerbsfähiges Niveau gebracht werden.
Ansonsten droht dem Rechenzentrumsstandort Deutschland ein düsteres Szenario, wie auch die aktuelle Studie „Die Internetwirtschaft in Deutschland 2025-2030: Zukunftsperspektiven für digitale Infrastrukturen“ zeigt (erstellt von eco Verband – der Internetwirtschaft e.V. und Arthur D. Little): Bleibt es beim heutigen Ausbautempo, könnte bereits ab 2028 eine strukturelle Lücke von mindestens einem Gigawatt Rechenzentrumsleistung in Deutschland entstehen.
Perspektive für die Infrastrukturen
Vor allem der Großraum Frankfurt/Rhein-Main – bekannt als Rechenzentren- und IT-Hotspot Nummer eins in Deutschland sowie Europa und in einer Studie des Internetaustauschknotens DE-CIX jüngst zur digitalen Hauptstadt der Welt gekürt – könnte durch das rasante Wachstum der Branche schon bald an Kapazitätsgrenzen stoßen.
Es droht ein Engpass an Flächen und Stromanschlüssen für Rechenzentren in der Region. Dies dürfte die Wettbewerbsfähigkeit gegenüber anderen europäischen Regionen wie Skandinavien weiter schmälern und die Ansiedlung datenintensiver Geschäftsmodelle in Frankfurt und ganz Deutschland ausbremsen.
Schon heute bilden insbesondere die hohen Energiekosten einen großen Wettbewerbsnachteil gegenüber Schweden oder Norwegen, die Rechenzentren unter anderem dank Wasserkraft zu weniger als der Hälfte des deutschen Strompreises versorgen. Hierzulande macht Strom dagegen bis zu 50 Prozent der Betriebsausgaben von Rechenzentren aus.
Ohne günstigen, grundlastfähigen Strom, schnellere Genehmigungen und Investitionen in digitale Infrastruktur droht die Branche an Standortnachteilen zu ersticken. Wenn große Projekte in einer der wichtigsten Digitalregionen Deutschlands, wie jüngst ein 2,5 Milliarden-Euro-Projekt in Groß-Gerau, von den Kommunen abgelehnt werden, bleibt das im internationalen Wettbewerb nicht ohne Wirkung.
Chancen für Branche und Politik
Die gute Nachricht: Dass die IT-Anschlussleistung deutscher Rechenzentren bis 2030 im Vergleich zu heute um etwa 50 Prozent steigen wird, kann auch als Chance für Internetwirtschaft und Politik verstanden werden. Gelingt es Branche, Investoren und Politik, die genannten Hebel konsequent zu bedienen, können Rechenzentren und Telekommunikationsnetze ihre Rolle als Herz- und Kreislaufsystem der digitalen Ökonomie voll ausspielen – und das prognostizierte Wachstum der Internetwirtschaft bis 2030 nachhaltig absichern.
Ausgangspunkt für Wertschöpfung
Ihr Beitrag für eine Kommune oder eine Region zeigt sich nicht nur in der Zahl der Beschäftigten vor Ort, sondern vor allem in der Wertschöpfung, die sie in anderen Branchen ermöglichen. Aktuelle Studien belegen, dass Rechenzentren nicht nur durch sogenannte Spillover Effekte von rund 300 Milliarden Euro die Bruttowertschöpfung in Deutschland steigern, sondern auch erhebliche Wachstumsimpulse für Deutschland, Frankfurt und das Umland auslösen.
Eine enge strategische Synchronisierung von Maßnahmen auf kommunaler sowie Landes- und Bundesebene im Austausch mit der Wirtschaft ist aus Sicht des Verbands essenziell, um dem Rechenzentren-Standort Deutschland den nötigen Boost zu verleihen.
Best-Practices für eine gelungene Zusammenarbeit zwischen Kommunen und der Wirtschaft zugunsten smarter und nachhaltiger Lösungen, von denen am Ende auch die Bürgerinnen und Bürger profitieren, sind zahlreich. Zum Beispiel das in 2025 eröffnete innovative Wohnquartier „Franky“ im Frankfurter Stadtbezirk Gallus: Der Wärmebedarf der dort entstandenen rund 1300 Wohnungen wird zu über 60 Prozent über die Abwärme des 500 Meter entfernten Rechenzentrums gedeckt.
Strategien für Rechenzentren
Die unter dem Dach des eco Verbands gegründete Allianz zur Stärkung digitaler Infrastrukturen fordert daher einen engen Dialog zwischen zuständigen Landes- und Bundesministerien im Zuge der laufenden Entwicklung von Rechenzentren-Strategien. Insbesondere für den Standort Hessen, als Sitz des europaweit größten Internetaustauschknotens DE-CIX, wird eine solche Verzahnung Signalwirkung für den Rest des Landes entfalten können.
Grundlage für digitales Wachstum
Mein Appell: Deutschland muss rechtzeitig in eine leistungsfähige und nachhaltige Rechenzentrumsinfrastruktur investieren und Rechenzentren zwingend in die Strompreiskompensation miteinbeziehen. Nur so schaffen wir bis 2030 und darüber hinaus die Grundlage für digitales Wachstum, Innovation und Wettbewerbsfähigkeit innerhalb einer datengetriebenen Wirtschaft. Dafür setzen wir uns als Betreiber digitaler Infrastrukturen auch im Rahmen der unter dem Dach des eco Verbands gegründeten Initiative Allianz zur Stärkung digitaler Infrastrukturen ein.
Volker Ludwig
Der Autor
Volker Ludwig ist SVP und Managing Director Central Europe bei Digital Realty sowie Lenkungskreismitglied der Allianz zur Stärkung digitaler Infrastrukturen im eco Verband.



