Stadtlabore, Makerspaces, Digitalwerkstätten: Studie zeigt, wie Kommunen den digitalen Wandel verankern

Ankerorte des digitalen Wandels – wie zum Beispiel Stadtlabore, Makerspaces oder Digitalwerkstätten – sind zentrale Infrastrukturen der Smart City. Ihre Funktion besteht darin, Digitalisierung zu vermitteln, aktiv zu gestalten und dauerhaft zu verankern. Welche Faktoren dabei besonders zu berücksichtigen sind, zeigt eine Studie des Deutschen Instituts für Urbanistik (Difu).

Digitaler Wandel in Kommunen
In Stadtlaboren, Makerspaces und Digitalwerkstätten wird der digitale Wandel vor Ort erlebbar – hier testen Bürgerinnen und Bürger neue Technologien, bringen eigene Ideen ein und gestalten die Smart City aktiv mit. Foto: Adobe Stock/Gorodenkoff

Wie können Kommunen den digitalen Wandel strategisch steuern und die Vorteile für Bürgerinnen und Bürger konkret erfahrbar machen? Eine Studie des Deutschen Institut für Urbanistik (Difu) verdeutlicht, dass sogenannte „Ankerorte des digitalen Wandels“ dabei eine Schlüsselrolle einnehmen.

Praxisnahe Formate wie Stadtlabore, Makerspaces oder Digitalwerkstätten verknüpfen Information, Beteiligung und digitale Bildung und eröffnen Bürgerinnen und Bürgern die Möglichkeit, sich aktiv in die digitale Stadtentwicklung einzubringen. Dies berichtet das Deutsche Institut für Urbanistik in einer Mitteilung.

Ankerorte ermöglichen den digitalen Wandel in Kommunen

„In solchen Ankerorten verwandeln sich abstrakte Digitalisierungsstrategien in praktische Alltagsanwendungen der Menschen“, erklärt Studienautor Jan Abt vom Difu. „Sie schaffen Vertrauen, ermöglichen Beteiligung und stärken die Digitalkompetenzen der Bürger:innen.“

Die Studie basiert auf Erfahrungen aus mehr als 50 Ankerorten, die zum Bundesförderprogramm „Modellprojekte Smart Cities“ gehören. Ermittelt wurde, welche Typen von Ankerorten sich in der Praxis bewährt haben, welche Zielsetzungen mit ihnen verbunden sind und welche Erfolgsfaktoren für Aufbau, Betrieb und Verstetigung maßgeblich sind.

Somit richtet sich die Studie insbesondere an kommunale Fachverwaltungen, Smart-City-Teams sowie Stadtentwicklungs- und Digitalisierungsverantwortliche, die nach übertragbaren Ansätzen und praxisnaher Orientierung suchen.

5 Grundtypen von Ankerorten

In seiner Studie unterscheidet das Difu-Forschungsteam fünf Grundtypen von Ankerorten:

  1. Informations- und Beteiligungsorte,
  2. Räume für digitale Bildung,
  3. Technikwerkstätten und Makerspaces,
  4. ko-kreative Labore für Transformation und
  5. Plattformen zwischen Wirtschaft, Wissenschaft und Stadtgesellschaft.

Auf dieser Basis können Kommunen überprüfen, welches Modell zu ihren eigenen Zielsetzungen passt – oder wie sich mehrere Funktionen sinnvoll miteinander verknüpfen lassen.

Praxisbeispiele veranschaulichen Vielfalt der Möglichkeiten

Die Studie verdeutlicht anhand konkreter Praxisbeispiele die große Bandbreite möglicher Ansätze: In Soest holt ein Stadtlabor Smart-City-Projekte in die Fußgängerzone und öffnet sie für Beteiligung. In Süderbrarup stärkt ein Digitalzentrum digitale Kompetenzen im ländlichen Raum, ergänzt um einen mobilen Bildungsbus.

In Mayen-Koblenz vermittelt ein Makerspace MINT-Kompetenzen durch praktisches Tun. Diese und viele weitere in der Studie dargestellte Beispiele machen deutlich: Lage, Profil und Kooperationen sind ausschlaggebend für Reichweite und Wirkung.

Die Studie bündelt umfangreiche Praxiserfahrungen zur Konzeption, zum laufenden Betrieb und zur Verstetigung von Ankerorten. Behandelt werden unter anderem Aspekte der Standortwahl, der Organisationsform, der Zusammenarbeit mit Zivilgesellschaft und Wirtschaft sowie der langfristigen Finanzierung nach Auslaufen der Förderung.

Die Studie als Entscheidungs- und Planungshilfe

Die Ergebnisse machen klar: Erfolgreiche Ankerorte sind keine isolierten Projekte. Vielmehr handelt es sich bei ihnen um neue kommunale Infrastrukturen der digitalen Daseinsvorsorge.

„Der digitale Wandel gelingt dort besonders gut, wo Kommunen in Orte investieren, die Lernen, Austausch und Mitgestaltung dauerhaft ermöglichen“, betont Jan Abt. „Ankerorte sind keine Zusatzaufgabe – sie sind ein strategisches Instrument moderner Stadt- und Regionalentwicklung.“

Egal, ob Großstadt, Mittelzentrum oder ländlicher Raum – die verschiedenen Beispiele zeigen, dass Ankerorte in sehr unterschiedlichen kommunalen Kontexten funktionieren. Gerade für Kommunen, die ihre Smart-City-Strategien weiterentwickeln oder verstetigen möchten, bietet die Studie eine fundierte Entscheidungs- und Planungshilfe. Diese unterstützt dabei, die Digitalisierung für und mit den Bürgerinnen und Bürgern zu gestalten.

Red.


Zur Studie

Die Fördermaßnahme „Modellprojekte Smart Cities“ (MPSC) wird seit 2019 vom Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen (BMWSB) und der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) mit insgesamt 73 Modellprojekten umgesetzt. Die Studie „Stadtlabore, Markerspaces und Digitalwerkstätten: Mit Ankerorten des digitalen Wandels smarte Städte und Regionen gestalten“ ist Teil der wissenschaftlichen Begleitung in der „Koordinierungs- und Transferstelle Smart City“ (KTS). Im Rahmen der wissenschaftlichen Begleitung werden Studien und Expertisen erstellt, um neue Erkenntnisse und bedarfsgerechte Lösungen für die kommunale Praxis zu gewinnen und aufzuzeigen. Das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) übernimmt die Koordination der Forschung innerhalb der Fördermaßnahme.


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