Aus einem Sportplatz wird ein Mehrgenerationenplatz mit Bewegungsparcours, Fitnessgeräten, Grillplätzen und vielem mehr. Wie ist es dem kleinen St. Julian in der Westpfalz gelungen, diesen Treffpunkt für alle zu entwickeln und nachhaltig zu gestalten? Bürgermeister Philipp Gruber berichtet.

Die Idee für unseren Mehrgenerationenplatz entstand tatsächlich bei einem Bier. Unser Sportverein hatte ursprünglich zwei Sportplätze. Weil der Spielbetrieb rückläufig war, wurde der zweite Platz aber nicht mehr benötigt. Gleichzeitig waren die Spielplätze in unserer Gemeinde mit ihren vier Ortsteilen in die Jahre gekommen und mussten erneuert werden. Da kam einiges zusammen.
Der Standort an der Draisinenstrecke Altenglan-Lauterecken, am Glan-Blies-Radweg und am Veldenzwanderweg bot zudem touristisches Potenzial. Direkt daneben befindet sich ein Gastronomiebetrieb.
Wir kannten die „alla hopp!“-Bewegungsparcours im Rhein-Neckar-Gebiet, die auch aus unserer Region gerne für Tagesausflüge besucht werden. Und irgendwann war der Gedanke da: Auf rund 10.000 Quadratmetern müsste sich auch bei uns etwas Vergleichbares machen lassen – natürlich angepasst an unsere Gemeinde und unsere Möglichkeiten.
So entstand 2015 die Idee für einen barrierefreien Mehrgenerationenplatz. Nicht einfach ein neuer Spielplatz, sondern ein Treffpunkt für alle: Kinder, Jugendliche, Familien und Senioren, Einheimische und Gäste, Menschen mit und ohne Handicap.
Angebote für alle Altersgruppen
Heute gibt es auf dem Gelände unter anderem einen Bewegungsparcours, Fitnessgeräte, Boule, Basketball, Tischtennis und Tischkicker, einen barrierefreien Pumptrack, verschiedene Trampoline inklusive Rollstuhl-Trampolin, ein Familien- und Rollikarussell sowie Spiel-, Aufenthalts- und Grillmöglichkeiten.
Auch für ältere Menschen gibt es mit Boule, Fitnessgeräten und Bewegungsparcours niederschwellige Möglichkeiten, sich zu bewegen. Uns war wichtig, dass Barrierefreiheit nicht nur bedeutet, dass man auf den Platz kommt. Die Angebote selbst sollten möglichst von allen genutzt werden können.
Auch bei der Gestaltung und Unterhaltung haben wir versucht, nachhaltig zu denken. Teile der großen Fläche werden bewusst nur extensiv gepflegt. Ein Mähroboter übernimmt die intensiv genutzten Rasenflächen des Mehrgenerationen- und Sportplatzes und lässt diese Bereiche aus. Das reduziert den Pflegeaufwand und schafft gleichzeitig Flächen, die sich naturnäher entwickeln können.
Alle Hürden konnten gemeistert werden
Von der ersten Idee bis zur Fertigstellung hat es acht Jahre gedauert. Gerade zum Ende hin wurde es sportlich. Die Förderzusage kam erst relativ spät vor Ende der Förderperiode. Für Abstimmungen, Genehmigungen und die eigentliche Bauausführung blieb deshalb wenig Zeit. Dazu kamen ein Kampfmittelverdacht, eine nicht kartierte Kommunikationsleitung und Wetterbedingungen, die uns auf der Baustelle nicht immer geholfen haben.
Solche Probleme lassen sich bei einem Projekt dieser Größe wahrscheinlich nie ganz vermeiden. Wichtig war für uns, pragmatisch zu bleiben und kurze Wege zu haben. Gemeinde, Verwaltung, Planungsbüro, Fördergeber und Baufirma mussten eng zusammenarbeiten. Das hat am Ende sehr gut funktioniert.
Fördermittel bringen Bewegung
Ohne Förderung hätten wir ein Projekt dieser Größenordnung als kleine Ortsgemeinde nicht umsetzen können. Der eigentliche Mehrgenerationenplatz wurde über das Programm „Tourismus für Alle“ gefördert. Für uns war aber früh klar: Wenn der Platz fertig ist, soll die Entwicklung nicht auf hören.
Seitdem konnten wir verschiedene weitere Förderprogramme nutzen. Über LEADER kam ein Warenautomat hinzu und über „100 Trinkwasserbrunnen für Rheinland-Pfalz“ ein Trinkwasserbrunnen. Ein Frisbeegolf-Parcours wurde über „Land in Bewegung“ ermöglicht. Ein Sonnensegel über dem Sandkasten wurde als LEADER-Bürgerprojekt umgesetzt. Weitere Schattenplätze, eine Slackline und eine Nestschaukel konnten ebenfalls über LEADER gefördert werden.
Hinzu kommt eine Sportbox über das Förderprogramm „Aufbewahrungsboxen für Trainingsequipment“. Über die Dorferneuerung wurde außerdem ein Toilettenanbau mit barrierefreiem öffentlichen WC an der benachbarten Gastronomie realisiert.
Die Anlage wird bestens angenommen
Seit Ende Juni 2023 kann der Platz genutzt werden. Die Resonanz hat unsere Erwartungen deutlich übertroffen. Wenn das Wetter passt, ist der Platz voll. Hier treffen Familien aus der Gemeinde auf Radfahrer, Draisinen-Gäste und Besucher aus der ganzen Region. Kinder spielen, Jugendliche treiben Sport, Senioren treffen sich und Großeltern verbringen gemeinsam mit ihren Enkeln Zeit. Davon profitieren die Gemeinde, die touristischen Angebote und natürlich auch die Gastronomie direkt am Platz.
Für mich ist deshalb wichtig, den Mehrgenerationenplatz nicht als abgeschlossenes Einzelprojekt zu sehen. Er war eine Impulsinvestition für den gesamten Standort. Wir schauen, was gut funktioniert, hören auf die Rückmeldungen der Nutzer und entwickeln den Platz weiter. So sind beispielsweise zusätzliche Schattenplätze und Angebote für die Kleinsten entstanden.
Der Förderverein kümmert sich
Ein weiterer Punkt ist die Unterhaltung. Unsere Gemeinde hat nicht die finanziellen Möglichkeiten, dauerhaft alles alleine zu tragen. Deshalb wurde bereits während der Bauphase ein Förderverein gegründet. Er kümmert sich mit um Pflege und Weiterentwicklung, bringt Ehrenamtliche zusammen und schafft eigene Einnahmequellen.
Dazu gehören der Warenautomat, Veranstaltungen und Spenden. Selbst ein alter Kaugummiautomat wurde umgebaut und gibt heute die Bälle für den Tischkicker aus. Das sind vielleicht nur kleine Dinge, aber genau diese Hilfe zur Selbsthilfe ist für uns wichtig.
Impulse für andere aus St. Julian
Was würde ich anderen Kommunen mitgeben? Nicht nur auf das einzelne Bauprojekt schauen. Man sollte überlegen, welches Potenzial ein Standort insgesamt hat, verschiedene Fördermöglichkeiten miteinander verbinden und die spätere Unterhaltung von Anfang an mitdenken. Und man sollte nicht den Anspruch haben, dass mit der Einweihung alles fertig sein muss. Unser Platz entwickelt sich weiter – und genau das ist für uns inzwischen ein wichtiger Teil des Projekts.
Philipp Gruber




