Ein Bewerbungsgespräch der besonderen Art gab es vor kurzem in der Stadt Sinsheim bei Heilbronn. Auf die Stelle zum Spielplatzprüfer meldete sich der siebenjährige Micha. Wie das Probearbeiten verlief, erläutert Melanie Wricke.

Die Stadt Sinsheim sucht einen Spielplatzprüfer – diese Stellenausschreibung begeisterte den
siebenjährigen Micha Ambiel auf Anhieb. Die Personalabteilung der Stadt staunte nicht schlecht, als Michas Bewerbung einging – formvollendet mit Anschreiben und Lebenslauf. Für die Verwaltungsspitze stand umgehend fest, dass ein solches Engagement in so jungen Jahren gewürdigt werden muss.
Micha wurde in Begleitung seiner Eltern Jennifer und Christoph sowie Schwester Mara zum Vorstellungsgespräch eingeladen und durfte im Anschluss in Begleitung von zwei Kollegen aus dem Team der städtischen Spielplatzprüfer auf der nahegelegenen alla hopp!-Anlage gleich seine Expertise unter Beweis stellen.
„Mit Micha hatten wir doppelt Glück“, betont Oberbürgermeister Marco Siesing. „Uns war besonders wichtig, dass Micha sich bei uns rundum wohlfühlt.“ Dies ist hervorragend gelungen: Erstaunlich souverän und ganz ohne Nervenflattern stellte sich der Zweitklässler dem Vorstellungsgespräch.
Eine ganz „normale“ Bewerbung
Und obwohl die Fragen eigens auf ihn zugeschnitten waren, ging formal alles so zu, wie in jedem Bewerberverfahren bei der Stadtverwaltung Sinsheim. Empfangen wurde Micha von Bürgermeister Bernd Kippenhan, Personalabteilungsleiter Ronald Lips, Abteilungsleiter Marcel Arndt, dem die Spielplatzprüfer unterstellt sind, Sandra Albert als Vertreterin des Personalrats und Melanie Wricke, Pressesprecherin und Assistentin des Oberbürgermeisters.
„Neben der Einladung stellte sich uns sehr schnell die Frage nach medialer Begleitung“, führt Siesing aus. Denn: „Eine so schöne Geschichte erzählt man doch gerne.“ Hier hatte die Stadt ein zweites Mal Glück: Familie Ambiel stand der Idee von Anfang an sehr offen gegenüber.
Abwechslung ist wichtig
„Wir ahnten bereits, dass das mediale Interesse groß sein könnte“, erklärt Wricke. In Ruhe bereitete man Micha behutsam darauf vor, dass Mikrofone und Kameras auf ihn gerichtet sein würden.
„Auch hier hat uns Micha echt verblüfft“, führt Wricke aus. „Er hat sich auch der Presse selbstbewusst, ruhig und ganz natürlich präsentiert – als wären gar keine Kameras anwesend.“
Morgens um sieben geht es los
Eine Vorstellung davon, was ein Spielplatzprüfer macht, hatte Micha bereits: „Ich kriege gesagt, welchen Spielplatz ich prüfen muss. Dann gehe ich da hin, teste alles, fotografiere davor und danach und schreibe alles auf.“ Dass dies der Realität sehr nahe kommt, bestätigt Arndt: „Arbeitsbeginn ist immer um sieben Uhr. Nach der Arbeitseinsatzplanung gehen die Prüfer mit Tablet, Prüfgerät und Protokoll auf die Spielplätze, die an diesem Tag anstehen.“
„Abwechslungsreiche Spielgeräte muss er haben“, beantwortet Micha die Frage nach einem für ihn optimalen Spielplatz. Dies bietet die alla hopp!-Anlage in Sinsheim in jedem Fall. Gemeinsam mit den städtischen Spielplatzprüfern Tim Schuchmann und Jochen Kaiser durfte Micha dort prüfen, ob Schrauben fest genug sitzen oder ob Balken Beschädigungen aufweisen, an denen sich Kinder verletzen könnten.
So bekam er gleich eine Vorstellung davon, was der Beruf mit sich bringt. Mit einem kleinen Metallstab prüfte er, ob Kettenösen eng genug sind, um keine Finger einklemmen zu können. Für die Rutsche nutzte er spezielles Prüfgerät zum Ausschluss von Fangstellen, in denen sich beispielsweise Schals verfangen könnten.
Die Prüfung fiel an diesem Tag zur vollsten Zufriedenheit aus. Bei Mängeln ist der „Spielplatztrupp“ auch für Reparaturen zuständig. Kleinere Arbeiten werden selbst vor Ort vorgenommen, größere in der Bauhofwerkstatt erledigt. Die Mitarbeiter bereiten Spielplätze auch auf die Anlieferung neuer Geräte vor.
Was die Kindersicht leisten kann
Den Vorteil, Spielplätze aus Kindersicht zu prüfen, sieht Micha darin, dass er gut abschätzen kann, ob Spielgeräte auch für kleinere Kinder geeignet sind oder beispielsweise eine zusätzliche Stufe Sinn ergeben würde.
Am meisten Spaß hatte Micha beim Ausprobieren der Spielgeräte. Groß war dann aber auch die Freude, als er den Feierabend einläutete und mit seiner Schwester nur zum Vergnügen auf die Geräte stürmte – ganz so, wie es einem Kind seines Alters zusteht.
„Super spannender“ Tag in der Behörde
Spielplatzprüfer ist in jedem Fall ein Beruf, den sich Micha für die Zukunft vorstellen kann. Den Tag bei der Stadtverwaltung fand er „super spannend“. Erstmal aber geht er wieder in die Schule. Für seine Eltern fällt das Fazit ebenfalls positiv aus – auch wenn sie die mediale Aufmerksamkeit etwas überraschte: „Wir fanden den Tag sehr gelungen und wirklich aufmerksam gestaltet, Micha hat es Spaß gemacht. Mit dem medialen Echo haben wir nicht gerechnet. Wir werden heute noch darauf angesprochen; dies war und ist okay.“
Jetzt darf es aber auch gerne wieder ruhiger werden: „Wir wollten es bewusst nicht noch öffentlicher machen“, ergänzen sie im Hinblick auf weitere Drehanfragen. „Wir freuen uns, wenn Michas Weg nach der Schulzeit zu uns führt“, so Personalabteilungsleiter Ronald Lips. „Den perfekten Grundstein für ein späteres Praktikum hat er gelegt. Und sicher haben wir in ein paar Jahren auch den passenden Ausbildungsplatz für ihn.“
Melanie Wricke
Die Autorin
Melanie Wricke ist Pressesprecherin der Stadt Sinsheim und Assistentin des Oberbürgermeisters.



