Inklusive Spielplätze bieten mehr als „nur“ Spaß

Cottbus hat einen neuen inklusiven Spielplatz: Es ist der größte in Brandenburg. An den Planungen waren Kinder beteiligt – aber nicht nur bei ihnen, auch bei Oberbürgermeister Tobias Schick kommt das Angebot bestens an.

Inklusive Spielplätze
Die Kletterpyramide auf dem ersten inklusiven Spielplatz Südbrandenburgs: im Branitzer Park in Cottbus. Foto: SFPM/Christiane Schleifenbaum

Initiatoren des inklusiven Spielplatzes sind zum einen die Initiative „Stück vom Glück“ von der Aktion Mensch und die Unternehmen Rewe sowie Procter & Gamble (P & G). Zum anderen ist die Stiftung Fürst-Pückler-Museum Park und Schloss Branitz (SFPM) beteiligt.

Seit 2018 baut „Stück vom Glück“ in ganz Deutschland inklusive Spielplätze oder gestaltet bestehende um, sodass sie von allen – auch von Kindern mit geistigen oder körperlichen Beeinträchtigungen – genutzt werden können. So sind bisher schon mehr als 50 inklusive Orte entstanden. Das Projekt im historischen und denkmalgeschützten Branitzer Park ist das größte, das die Initiative bisher in Brandenburg umgesetzt hat.

Janny Armbruster, Landesbehindertenbeauftragte Brandenburgs, ordnet ein: „Barrierefreiheit ist eine grundlegende Voraussetzung für eine gleichberechtigte Teilhabe. Die aber bleibt Kindern und Jugendlichen in Deutschland beim Spielen häufig noch verwehrt: Aus einer Studie der Aktion Mensch wissen wir, dass nur knapp zehn Prozent aller Spielplätze in Brandenburg inklusive Merkmale aufweisen. Hier haben wir noch viel zu tun. Der Branitzer Spielplatz ist also ein wichtiges Zeichen!“

Inklusive Spielplätze: Alle Kinder können dabei sein

Vielfältige Spielgeräte unterstützen die Entwicklung der Kinder im Hinblick auf koordinative, kognitive, motorische sowie soziale Fähigkeiten. Dabei werden die gemeinsamen Erlebnisse und die Teilhabe der Kleinen angekurbelt und gestärkt. Auf dem inklusiven Spielplatz in Cottbus spielt dabei die Kletterpyramide eine wichtige Rolle. Mitspracherecht bei der Gestaltung hatten diejenigen, die am Ende das Spielelement selbst erklimmen: Kinder aus den Cottbuser Fröbel-Kindergärten.

Gestalterisch knüpft die Pyramide an die beiden berühmten Gegenstücke an: die Branitzer Land- und Wasserpyramiden. Dabei dient sie nicht nur als thematisches Element, sondern hat auch einen hohen Spielwert, wie Uwe Lersch, der Planer des Spielplatzes erläutert: „Die Pyramide hat unter anderem verschiedene Zugänge. So können Kinder, die im Rollstuhl sitzen, reinfahren, gehbehinderte Kinder reinkrabbeln und behände Kinder wiederum hinaufklettern.“ Ihr Innenleben sei zudem mit viel Seiltechnik, verschiedenen Plattformen und Ebenen ausgestattet. Abgerundet wird das Spielerlebnis mit einem Rutschenausgang.

Inklusive Spielplätze für mehr gesellschaftliche Inklusion

Das neue Angebot kommt bei Oberbürgermeister Tobias Schick (SPD) bestens an: „Dieser Spielplatz ist eine Bereicherung und wichtige Ergänzung nicht nur für den Pücklerschen Park in Branitz und das Umfeld. Er ist ein wunderbares Angebot in einer vielfältigen Spielplatz-Landschaft in unserer Stadt, das dafür sorgt, dass sich alle Kinder hier spielerisch betätigen, gemeinsam auf Entdeckungsreise gehen und sich wohlfühlen können.“ Das sei mit vielen Partnerinnen und Partnern sowie großer Unterstützung für die Stiftung Fürst-Pückler-Museum Park und Schloss Branitz gelungen. „Nicht zuletzt verfügt Pücklers Park jetzt über eine dritte Pyramide und somit über einen weiteren unverwechselbaren Ort“, erläutert der Oberbürgermeister, der auch stellvertretender Vorsitzender des Stiftungsrates ist.

Bei der Eröffnung des inklusiven Spielplatzes war Para-Leichtathletik-Weltmeister Mathias Mester dabei. Er wisse aus eigener Erfahrung, wie wichtig Inklusion von Kindesbeinen an ist, betonte er. „Letztendlich war es der Sport, der wesentlich dazu beigetragen hat, dass ich heute selbstbewusst durchs Leben gehe.“ Deshalb legt er großen Wert darauf, dass Kinder aktiv sind, dass sie zusammenkommen und spielen, gemeinsam etwas erleben und damit Erinnerungen schaffen, die sie vielleicht ein Leben lang begleiten. „Ein Spielplatz ist ein Ort, wo all das passiert. Dass es die immer öfter gibt, ist ein wichtiger Baustein auf dem Weg in eine wirklich inklusive Gesellschaft.“

Fabienne Acker

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