Kinder und Jugendliche brauchen Spiel- und Bewegungsflächen – wie aber sieht das konkret vor Ort aus? Worauf sollten Planer Wert legen, welche Akzente sollten sie setzen? Antworten aus dem Kinder- und Jugendbüro Potsdam.

Wie steht es um Freiräume und Spielplätze bei Ihnen in Potsdam?
Manuela Neels: Es gibt zahlreiche Freiflächen für Kinder und Jugendliche: von Spielplätzen über Skateparks bis hin zu Sportflächen und Aufenthaltsorten im öffentlichen Raum. Viele Spielplätze sind attraktiv, vielfältig und modern gestaltet. Andere sind aber in die Jahre gekommen und müssen dringend saniert werden.
Wie lautet Ihre Zwischenbilanz: Entspricht das Vorhandene insgesamt dem, was Kinder und Jugendliche brauchen?
Neels: Das lässt sich nicht pauschal sagen – die Spielplätze sind in Anzahl und Qualität sehr unterschiedlich über die Stadtteile verteilt. In einigen Gebieten sind Freiräume insbesondere für Jugendliche knapp. Zu einem großen Teil liegt das daran, dass durch den starken Wohnungsbau in der wachsenden Stadt Potsdam öffentliche Flächen immer knapper werden. Damit geraten Freiflächen für junge Menschen zunehmend unter Druck. Auch naturnahe Spielräume, etwa kleine Wäldchen oder unbebaute „wilde“ Flächen, gehen verloren, die für freies, selbstbestimmtes Spielen von großer Bedeutung sind.
Herausforderungen bei der Planung von Spiel- und Sportplätzen begegnen
Welche Herausforderungen bei der Planung von Frei- und Spielflächen sehen Sie darüber hinaus?
Neels: Zu dem sukzessiven Verlust von Freiflächen kommen knappe finanzielle Ressourcen im kommunalen Haushalt, insbesondere bei freiwilligen Leistungen wie Spiel- und Freizeitflächen, sowie begrenzte personelle Kapazitäten in der Stadtverwaltung für die Begleitung und Umsetzung von Projekten. Um dem zu begegnen, braucht es klare politische Prioritäten für kinder- und jugendgerechte Freiräume, verlässliche Budgets und ausreichend Personal für Planung, Beteiligung und Realisierung.
Was können Sie und Ihre Kolleginnen vom Kinder- und Jugendbüro bewirken?
Neels: Wir sind die Fachstelle für Kinder- und Jugendbeteiligung in der Stadt Potsdam. Wir unterstützen unter anderem dabei, dass Kinder und Jugendliche bei der Gestaltung von Spiel- und Sportplätzen ausreichend mitbestimmen können und gehört werden. Die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen an Planungen, die sie betreffen, ist im Paragraph 19 der Brandenburgischen Kommunalverfassung gesetzlich verankert und damit eine Pflichtaufgabe der Kommune.
Das ist wichtig, denn junge Menschen sind Expertinnen und Experten für ihre Lebenswelt. Die Mitbestimmung der zukünftigen Nutzerinnen und Nutzer bei der Planung von Spiel- und Sportplätzen bedeutet unter anderem einen großen Mehrwert für eine bedarfsgerechte Gestaltung.
Kinder an der Gestaltung von Spielplätzen beteiligen
Wie gelingt das in der Praxis?
Neels: Grundsätzlich gelingt die Beteiligung der Nutzerinnen und Nutzer an der Planung von Spielplätzen in Potsdam oft gut. Eine für Kinder schnell erlebbare Realisierung hängt aber natürlich immer von finanziellen Mitteln und personellen Ressourcen der zuständigen Verwaltung der Stadt ab.
Können Sie Beispiele nennen – was können Sie bewirken?
Neels: Bei uns in Potsdam gibt es zahlreiche gelungene Projekte, zum Beispiel die Beteiligung von Kindern am Neubau des Spielplatzes „Westkurve“. Oder die Umgestaltung des großen Abenteuerspielplatzes in der Waldstadt: Dafür fand ein Beteiligungsworkshop statt, der viele Ergebnissen brachte, und jetzt sollen Planung und Bau auf Basis der Kinderwünsche erfolgen.
Worauf legen Sie vor allem Wert?
Neels: Besonders zufrieden sind wir vom Kinder- und Jugendbüro mit Prozessen, bei denen die Ideen und Wünsche von Kindern und Jugendlichen möglichst umfassend umgesetzt werden und der Ablauf transparent sowie jugendgerecht gestaltet ist. Wichtig ist außerdem, dass der Bau eines neuen Spielplatzes zügig vorangeht, damit die beteiligten Kinder die Umsetzung noch in einem für sie passenden Alter erleben können.
Gibt es Angebote in Potsdam, die besonders sind – die über das sonst eher Übliche hinausgehen?
Neels: In letzter Zeit sind neben klassischen Spielplätzen auch attraktive Sport- und Freizeitflächen für Kinder und Jugendliche entstanden, etwa der Skatepark „E‑Park“ in der Nähe des Hauptbahnhofs und ein Pumptrack – eine Mountainbike-Strecke – in Potsdam‑West. Diese Freiflächen wurden mit Beteiligung der zukünftigen Nutzerinnen und Nutzer entwickelt und werden sehr gut angenommen. Der Skatepark ist modern, vielfältig sowie inklusiv gestaltet und verfügt über Beleuchtung. Allerdings hat die Bauphase bei diesem Projekt sehr lange gedauert.
Spielplätze „kindgerecht, vielseitig und inklusiv“ gestalten
Was ist aus Ihrer Sicht beim Thema Spielplätze vor allem wichtig?
Neels: Der Dreh- und Angelpunkt für uns als Kinder- und Jugendbüro ist, dass Kinder ausreichend an der Gestaltung von Spielplätzen mitwirken können und dass diese Orte kindgerecht, vielseitig und inklusiv gestaltet sind. Kinder sollen in der Stadt viel Platz und Zeit zum ungestörten Spielen haben – im Alltag, in ihrer Nähe und ohne hohe Zugangshürden. Naturnahe Elemente, Bewegungsvielfalt und Rückzugsräume spielen dabei eine große Rolle. Und selbstverständlich gehört Kinderlärm zu einem lebendigen Spielplatz dazu!
Was erhoffen Sie sich aus Sicht des Kinder- und Jugendbüros von den Akteuren und Entscheidern in Potsdam?
Neels: Wir wünschen uns, dass Spiel- und Aufenthaltsräume für junge Menschen als wesentlicher Bestandteil der städtischen Lebensqualität verstanden und entsprechend frühzeitig in Planungs- und Entscheidungsprozesse einbezogen werden.
Welche Erfahrungen zum Thema Spielplätze sind Ihnen besonders wichtig – Erfahrungen, die Sie mit Akteuren und Entscheidern in anderen Kommunen teilen mögen?
Neels: Gute Beteiligungsprozesse brauchen Zeit, Ressourcen, personelle Begleitung und große Entscheidungsspielräume für junge Menschen. Eine entsprechende kind- und jugendgerechte Haltung in der zuständigen Verwaltung ist dabei entscheidend. Wo diese Grundhaltung vorhanden ist und Beteiligung ernst genommen wird, entstehen Spiel- und Freizeitorte, die von Kindern und Jugendlichen gut angenommen werden.
Interview: Sabine Schmidt

Zur Person
Manuela Neels ist Mitarbeiterin im Kinder- und Jugendbüro Potsdam (Stadtjugendring Potsdam e.V.).



