Kommunales Flächenpooling: Wie Bad Bergzabern regionale Wertschöpfung aus Windenergie sichert

Mit Flächenpooling, einer eigenen Anstalt des öffentlichen Rechts (AöR) und breiter Bürgerbeteiligung verfolgt die rheinland-pfälzische Verbandsgemeinde Bad Bergzabern das Ziel, die wirtschaftlichen Chancen der Energiewende nachhaltig für die Region nutzbar zu machen.

Kommunales Flächenpooling
Windenergie soll in Bad Bergzabern künftig nicht nur zur Energiewende beitragen, sondern auch zusätzliche Einnahmen und Entwicklungsmöglichkeiten für die beteiligten Kommunen schaffen. Foto: Adobe Stock/Little Adventures

Die Energiewende bietet Kommunen neben klimapolitischen auch wirtschaftliche Chancen. Um die Wertschöpfung aus dem Ausbau der Windenergie möglichst in der Region zu halten. Um die Wertschöpfung aus der Windenergie möglichst in der Region zu halten, verfolgt die Verbandsgemeinde Bad Bergzabern gemeinsam mit der Energie- und Klimaschutzagentur Rheinland-Pfalz einen strategischen Ansatz. Ein wesentliches Instrument ist hierbei das kommunale Flächenpooling.

Beim kommunalen Flächenpooling schließen sich mehrere Grundstückseigentümer zusammen und lassen ihre Interessen gemeinsam vertreten. Dies stärkt die Einfluss- und Beteiligungsmöglichkeiten der Kommune bei der Entwicklung von Windenergieprojekten. Zudem wurden die Kommunale Energie Bad Bergzaberner Land AöR (KEBBL) gegründet und lokale Akteure eingebunden. Dies berichtet die Energie- und Klimaschutzagentur Rheinland-Pfalz in einer Mitteilung.

„Wir wollen die Energiewende aktiv gestalten und dafür sorgen, dass ein fairer Anteil der Wertschöpfung bei uns in der Region bleibt“, betont Verbandsbürgermeisterin Kathrin Flory.

Flächenpooling stärkt kommunale Verhandlungsposition

Für viele Kommunen stellt es eine Herausforderung dar, dass geeignete Windenergieflächen überwiegend privaten Eigentümern gehören und Projektentwickler sich frühzeitig Nutzungsrechte sichern. Dies begrenzt häufig die kommunalen Einflussmöglichkeiten.

Auch in Bad Bergzabern waren potenzielle Flächen teilweise bereits gebunden. Die Verbandsgemeinde suchte deshalb nach Möglichkeiten, ihre Handlungsspielräume zu erweitern und die wirtschaftlichen Effekte stärker in der Region zu halten.

Gemeinsam mit der Energie- und Klimaschutzagentur Rheinland-Pfalz erarbeitete die Verbandsgemeinde ein Konzept für das kommunale Flächenpooling. In Eigentümerversammlungen erhielt die Kommune mehr als 80 Verhandlungsmandate. Somit verfügt Bad Bergzabern heute über eine deutlich stärkere Verhandlungsposition gegenüber Projektentwicklern.

„Durch das Flächenpooling sprechen wir nicht mehr mit vielen einzelnen Stimmen, sondern mit einer gebündelten Interessenlage. Das stärkt unsere Position erheblich“, erklärt Flory.

AöR stärkt kommunale Wertschöpfungspotenziale

Zur langfristigen Bündelung kommunaler Interessen gründete die Verbandsgemeinde 2025 die Kommunale Energie Bad Bergzaberner Land AöR (KEBBL) unter der Leitung des geschäftsführenden Vorstands Martin Engelhard. Beteiligt sind 13 der 21 Ortsgemeinden. Künftig soll die AöR die Entwicklung von Windenergie- und Photovoltaikprojekten koordinieren und die kommunalen Steuerungsmöglichkeiten stärken.

 „Die frühzeitige Gründung einer AöR schafft die organisatorischen und rechtlichen Voraussetzungen, damit Kommunen eigene Interessen einbringen und sich als handlungsfähige Partner bei Erneuerbare-Energien-Projekten positionieren können“, sagt Jürgen Gundacker von der Energie- und Klimaschutzagentur Rheinland-Pfalz. „So lassen sich kommunale Wertschöpfungspotenziale gezielt sichern.“

Bürgerbeteiligung stärkt die Akzeptanz

Neben den Grundstückseigentümerinnen und Grundstückseigentümern wurde die Bürger-Energiegenossenschaft Südpfalz (BEN) frühzeitig in den Prozess eingebunden. Die Energie- und Klimaschutzagentur Rheinland-Pfalz begleitete diesen durch Beteiligungsformate sowie die Einbindung weiterer lokaler Akteure. „Wenn Menschen sehen, dass sie sich beteiligen können und wirtschaftliche Vorteile in der Region bleiben, steigt die Bereitschaft, solche Projekte mitzutragen“, berichtet Gundacker.

Auf den gepoolten Flächen besteht Potenzial für den Bau von fünf bis sieben Windenergieanlagen mit einer Gesamtleistung von rund 31 bis 43,4 Megawatt. Rechnerisch könnten damit jährlich zwischen 17.500 und 24.500 Haushalte mit Strom versorgt werden.

Eine Beteiligung der AöR von bis zu 10 Prozent am Projekt ist möglich. Die daraus resultierenden Einnahmen aus der Energieerzeugung eröffnen zusätzliche finanzielle Handlungsspielräume für kommunale Aufgaben, etwa für Investitionen in Schulen und Kindertagesstätten, die Modernisierung der Infrastruktur oder die Weiterentwicklung kommunaler Angebote.

Erfolgsfaktoren für eine kommunal gesteuerte Energiewende

Die Erfahrungen aus Bad Bergzabern verdeutlichen, dass Kommunen beim Ausbau der Windenergie eigene Gestaltungsmöglichkeiten nutzen können. Frühzeitiges Handeln, gebündelte Interessen und Beteiligungsangebote schaffen die Voraussetzungen, um die Energiewende mitzugestalten und wirtschaftliche Chancen stärker in der Region zu verankern.

Flächenpooling und kommunale Organisationsstrukturen bieten Kommunen die Möglichkeit, regionale Wertschöpfung zu sichern, ihre Handlungsspielräume zu erweitern und die Akzeptanz für die Energiewende zu stärken.

Red.

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