Kommunale Verwaltungen müssen sich verändern: Nicht nur, um die angespannte Personalsituation zu meistern, sondern auch, weil sich die Anforderungen an sie grundlegend verändern – davon ist Katrin Neuendorf überzeugt. Die Arbeitsexpertin schlüsselt auf, welchen Unterschied New Work machen kann.

Kommunen stehen heute vor einer doppelten Herausforderung: Einerseits steigen die Erwartungen
von Bürgerinnen und Bürgern an Service, Erreichbarkeit und digitale Leistungen. Andererseits erschweren Fachkräftemangel, demografischer Wandel und angespannte Haushaltslagen die Erfüllung dieser Anforderungen. Die Frage lautet daher nicht, ob sich kommunale Verwaltungen verändern müssen, sondern wie das geschehen soll.
Der Begriff „Verwaltung“ beschreibt allerdings schon oft nicht mehr die Realität. Kommunale Organisationen sind längst mehr als reine Verwaltungsapparate. Sie sind Dienstleister, Problemlöser und Gestalter des gesellschaftlichen Zusammenlebens vor Ort.
Vom Verwalten zum Gestalten
Bürgerinnen und Bürger erwarten heute einfache Prozesse, digitale Angebote und eine zeitnahe Bearbeitung ihrer Anliegen. Gleichzeitig wollen Kommunen gute Dienstleistungen erbringen, effizient wirtschaften sowie qualifizierte Mitarbeiter gewinnen und langfristig binden. Dafür braucht es nicht nur moderne Technik. Es braucht Menschen, die Verantwortung übernehmen, Veränderungen mittragen und ihre Arbeit als sinnstiftend erleben. Genau hier setzen die Prinzipien des neuen Arbeitens an.
Eine Reduktion auf Homeoffice oder flexible Arbeitszeiten allein reicht nicht. Tatsächlich geht es um deutlich mehr. Ziel ist es, Arbeit so zu gestalten, dass sie sinnstiftend, selbstbestimmt und gemeinschaftlich erlebt wird – und gleichzeitig leistungsfähig, wirtschaftlich und nachhaltig bleibt.
Wo Kommunen ansetzen sollten
Für Kommunen bedeutet das vor allem, die eigene Arbeitskultur weiterzuentwickeln. Erfolgreiche Verwaltungen der Zukunft werden nicht allein durch digitale Anwendungen entstehen, sondern durch eine moderne Form der Zusammenarbeit.
Motivation und Leistung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sollten so gefördert werden, dass sie in Zeiten von Personal- und Budgeteinschränkungen zielführende Ergebnisse liefern. Die Erfahrungen in Unternehmen und Teilen des öffentlichen Dienstes bieten dabei wertvolle Einblicke.
Die wichtigsten Hebel liegen in diesen Handlungsfeldern:
- Führungsstil: Führungskräfte müssen Orientierung geben, Vertrauen schaffen und Verantwortung ermöglichen.
- Kultur und Miteinander: Offene Kommunikation und bereichsübergreifende Zusammenarbeit gewinnen an Bedeutung.
- Personalpolitik und Qualifizierung: Die kontinuierliche Entwicklung von Kompetenzen wird zum Wettbewerbsfaktor im Fachkräftemarkt.
- Arbeitsorganisation: Prozesse sollten vereinfacht und Verantwortlichkeiten klar geregelt werden.
- Arbeitsplatz- und Leistungskultur: Flexible Arbeitsformen und transparente Erwartungen fördern Motivation und Ergebnisorientierung.
- Innovationsstrategie: Kommunen brauchen Räume für neue Ideen, Lernen und kontinuierliche Verbesserung.
Viele Verwaltungen befinden sich im Spagat zwischen Sparhaushalt, Digitalisierungsdruck und Personalsuche. Deshalb müssen attraktive und funktionierende Arbeitsumfelder neu gedacht werden.
Wie Transformation gelingen kann
Die größten Hindernisse liegen häufig in gewachsenen Strukturen und Denkweisen. Typische Beharrungskräfte sind ein ausgeprägtes Sicherheitsdenken, hohe Risikoaversion, lange Entscheidungswege oder unklare Verantwortlichkeiten.
Hinzu kommt, dass Erwartungen an Eigenverantwortung und Leistung nicht immer klar formuliert werden. Transformation bedeutet deshalb vor allem Kulturarbeit. Sie erfordert Mut zur Veränderung, Offenheit für neue Perspektiven und die Bereitschaft, Verantwortung stärker in die Organisation zu geben.
Transformationsbegleiter in Hamburg
Erfolgreiche Beispiele zeigen, dass neue Arbeitsweisen auch im öffentlichen Sektor funktionieren. So verfolgt die Behörde für Inneres und Sport Hamburg mit der Transformationsbewegung „BIS.morgen“ das Ziel, die Organisation zukunftsfähiger zu gestalten.
Mitarbeiter werden ermutigt, neue Formen der Zusammenarbeit auszuprobieren und in den Arbeitsalltag zu integrieren. Dafür wurden bereits 140 interne Transformationsbegleiterinnen und -begleiter ausgebildet. Die Initiative wird aktuell weiterentwickelt, um auf veränderte Rahmenbedingungen zu reagieren.
Arbeits-Impulse für Heppenheim
Auch das Landratsamt Bergstraße setzt aktiv Impulse für modernes Arbeiten. Im Frühjahr kamen die Führungskräfte zu einer umfangreichen Tagung zusammen, um die Zukunft mobilen und hybriden Arbeitens zu gestalten. Im Mittelpunkt standen Fragen der Zusammenarbeit, der Führung und der erforderlichen Kultur.
Kleinere Kommunen haben auch Vorteile: kürzere Wege, eine größere Nähe zwischen Führung und Mitarbeitern sowie schnellere Abstimmungsprozesse. Im Netzwerk „Starke Orte“ arbeiten kleinere Kommunen gezielt an innovativen Verwaltungsstrukturen und neuen Formen der Zusammenarbeit. Solche Beispiele machen Mut, denn sie zeigen: Nicht die Größe einer Organisation entscheidet über den Erfolg einer Transformation, sondern die Haltung der Verantwortlichen.
Jetzt handeln
Die Weiterentwicklung der Zusammenarbeit ist ein langfristiger Entwicklungsprozess. Entscheidend ist, jetzt die ersten Schritte zu gehen. Das gelingt auch ohne Großprojekt – jede Kommune kann beginnen, ihre Führungskultur weiterzuentwickeln, Mitarbeiter einzubinden und Verbesserungen gemeinsam zu gestalten.
Wer die Menschen mitnimmt, schafft die Grundlage für erfolgreiche Veränderung. Mitarbeiter wissen oft sehr genau, wo Prozesse verbessert werden können und welche Lösungen in der Praxis funktionieren. Kommunen, die heute in moderne Arbeitsweisen investieren, stärken nicht nur ihre Arbeitgeberattraktivität. Sie schaffen die Voraussetzungen, um morgen leistungsfähige Dienstleistungen für ihre Bürgerinnen und Bürger zu erbringen. Genau darum sollte es gehen.
Katrin Neuendorf



