Digitale Transformation in der beruflichen Weiterbildung: Online geht vieles leichter

Wie steht es um die digitale Transformation im Weiterbildungsbereich? Wo ist noch Luft nach oben, wie kann Künstliche Intelligenz sinnvoll eingesetzt werden – und welche Rolle können Kommunen auf diesem Weg spielen? Antworten aus dem Bildungsverband von Sören Kosanke.

Digitale Transformation in der beruflichen Weiterbildung
Viele Berufstätige schätzen die zeitliche und örtliche Flexibilität digitalen Lernens. Foto: Adobe Stock/LIGHTFIELD STUDIOS

Die Digitalisierung hat die berufliche Weiterbildung in den letzten Jahren spürbar verändert. Digitale Lernformate gewinnen an Bedeutung, da sie zeitlich und örtlich flexibles Lernen ermöglichen und stärker auf individuelle Bedürfnisse eingehen. Besonders in arbeitsmarktnahen Qualifizierungen zeigt sich ihre Stärke: Sie erreichen eine breitere Zielgruppe und erleichtern die Vereinbarkeit mit familiären und beruflichen Verpflichtungen.

Dennoch bleibt der Handlungsbedarf groß: Viele kleinere Träger und Unternehmen verfügen nicht über die nötige technische Infrastruktur oder das qualifizierte Personal. Auch die Integration digitaler Angebote in bestehende Förder-und Qualitätssysteme – etwa die AZAV-Zulassung – ist eine Herausforderung. Hier braucht es mehr Unterstützung, Beratung und strategische Begleitung.

Künstliche Intelligenz kann die Weiterbildung nachhaltig verbessern. Sie ermöglicht es, Lerninhalte und -pfade individuell anzupassen, Lernfortschritte in Echtzeit auszuwerten und zielgerichtetes Feedback zu geben. Besonders in praxisnahen Lernsituationen – etwa durch Simulationen – kann KI Teilnehmende effektiv vorbereiten. Auch als Lernbegleitung – als „KI-Tutor“ – bietet sie großes Potenzial für Motivation und Struktur.

Digitale Transformation in der beruflichen Weiterbildung: Miteinander von Digital und Analog

Wichtig ist jedoch, dass KI nicht als Ersatz, sondern als Ergänzung bewährter Formate verstanden wird. Persönlicher Austausch, soziale Lernprozesse und didaktisch fundierte Präsenzphasen bleiben zentrale Elemente erfolgreicher Weiterbildung. Die Zukunft liegt in hybriden Formaten, die KI sinnvoll einbinden, ohne den menschlichen Faktor zu ersetzen.

Insgesamt hat die digitale Transformation in der beruflichen Weiterbildung erhebliche Fortschritte gemacht. Die Akzeptanz digitaler Weiterbildung ist deutlich gestiegen – sowohl bei Anbietern als auch Teilnehmenden. Bildungsträger haben zahlreiche neue Angebote entwickelt, hybride Lernsettings etabliert und digitale Kompetenzen stärker in den Fokus gerückt.

Technologisch eröffnen adaptive Lernsysteme, automatisiertes Feedback und immersive Formate wie VR neue didaktische Möglichkeiten. Gleichzeitig bestehen auch hier strukturelle Defizite: In ländlichen Regionen fehlt es oft an Infrastruktur, und viele derjenigen, die weiterbilden, benötigen gezielte Qualifizierung.

Nachschärfen bei den Regularien

Auch regulatorisch gibt es Nachholbedarf, etwa bei der Anerkennung digitaler Formate im Rahmen arbeitsmarktpolitischer Maßnahmen. Darüber hinaus fehlen vielerorts zielgruppengerechte, barrierearme Angebote – in einfacher Sprache, modular aufgebaut und digital leicht zugänglich. Zudem tun sich öffentliche Verwaltungen oftmals schwer mit Praktika im Rahmen von Umschulungen.

Digitalisierung bringt nur dann echten Fortschritt, wenn Technik, Pädagogik und Rahmenbedingungen gemeinsam weiterentwickelt werden. Hierfür braucht es den im Koalitionsvertrag festgehaltenen Digitalpakt Weiterbildung, den wir als Verband aktiv mitgestalten möchten.

Kommunale Akteure haben großes Potenzial, die digitale Transformation aktiv zu gestalten. Sie können als Koordinatoren regionaler Weiterbildungsverbünde agieren, Bildungspartner vernetzen, Bedarfe erfassen und gezielte Förderimpulse setzen.

Kommunale Bildungssteuerung

Bewährt haben sich regionale Koordinierungsstellen. Kommunale Investitionen in digitale Infrastruktur – etwa öffentliche Lernorte wie Bibliotheken oder Bildungszentren – senken Zugangshürden. Auch die Qualifizierung des Weiterbildungspersonals sowie der Einsatz digitaler Beratungstools, etwa KI-gestützter Kompetenzchecks, können wirksam durch kommunale Akteure unterstützt werden. Kommunale Bildungssteuerung, die auf Kooperation, Qualität und Digitalisierung ausgerichtet ist, wird damit zum Erfolgsfaktor für zukunftsfähige Weiterbildung.

Mehrere Projekte zeigen beispielhaft, wie digitale Transformation in der Weiterbildung gelingen kann. Zum Beispiel die APOLLO-App, die im Rahmen der Nationalen Weiterbildungsstrategie mitentwickelt wurde: Sie nutzt KI zur Kompetenzanalyse und bietet individuelle Weiterbildungsempfehlungen – ideal für kommunale Beratungsstellen. Auch Modellfabriken Industrie 4.0, etwa in Mannheim oder Potsdam, ermöglichen praxisnahes Lernen mit digitalen Assistenzsystemen.

Leicht zugängliche Angebote

Als niedrigschwelliges Angebot haben sich zudem kommunale Lernzentren bewährt, die Technikzugang, Lerncoaching und offene digitale Formate kombinieren. Plattformen wie MeinNOW bündeln bundesweite Angebote und erleichtern Suche sowie Navigation für Bürgerinnen und Bürger.

Die Beispiele zeigen, wie Digitalisierung, Kooperation und kommunale Verantwortung zusammenspielen können, um die Weiterbildung zukunftsfest zu machen.

Sören Kosanke


Der Autor

Sören Kosanke ist Geschäftsführer beim Bundesverband der Träger beruflicher Bildung (Bildungsverband) e.V.


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