„Strategische Daueraufgabe“: Dieses Zentrum unterstützt Städte und Gemeinden bei der Anpassung an den Klimawandel

Der Klimawandel erhöht den Druck auf urbane Räume, Anpassungsmaßnahmen sind eine enorme Herausforderung – bei der Städte und Gemeinden aber nicht auf sich allein gestellt sind: Unterstützung finden Kommunen und soziale Einrichtungen beim Zentrum KlimaAnpassung.

Zentrum KlimaAnpassung
Der Weg zur Schwammstadt ist aufwendig: Ein wesentliches Thema, aber längst nicht das einzige, mit dem sich Kommunen an das Zentrum KlimaAnpassung wenden, ist die Frage nach Fördermitteln. Foto: Adobe Stock/anna.stasiia

Mit den zunehmend spürbaren Auswirkungen des Klimawandels stehen Kommunen und soziale Einrichtungen vor der Herausforderung, Klimaanpassung wirksam anzugehen. Wie können sich also eine Stadt, ein Landkreis, eine Einrichtung, ein Träger und die Gesellschaft als Ganzes an die veränderten klimatischen Bedingungen anpassen, um auch künftig Schutz und Lebensqualität zu gewährleisten?

Denn längst zeigt sich, dass der Klimawandel keine abstrakte Größe zur Gestaltung der Zukunft ist, vielmehr besteht jetzt und heute akuter Handlungsbedarf: In ganz Deutschland nehmen extreme Wetterereignisse wie Hitzewellen, Dürren und Hochwasser zu. Es gilt, vulnerable Gruppen zu schützen und langfristig Weichen zu stellen, um Gestaltungsräume zu nutzen und in Resilienz zu investieren.

Zentrum KlimaAnpassung bietet praxisnahe Orientierungshilfen

Das Zentrum KlimaAnpassung (ZKA) hat sich als bundesweite Anlaufstelle für Kommunen und soziale Einrichtungen etabliert. Gefördert wird es vom Bundesministerium für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit. Umgesetzt wird es vom Deutschen Institut für Urbanistik gemeinsam mit adelphi.

Das ZKA richtet sich an Verantwortliche aus Verwaltung, Praxis und Planung. Dabei ist die Nachfrage nach Fördermitteln weiterhin hoch – die Hotline des ZKA wird regelmäßig zu diesem Thema genutzt –, doch der Unterstützungsbedarf geht weit darüber hinaus.

Um den Einstieg zu erleichtern, bietet das ZKA praxisnahe Orientierungshilfen wie „Die ersten 100 Tage im Klimaanpassungsmanagement“. Die Broschüre richtet sich an Klimaanpassungsmanagerinnen und -manager: Sie gibt Tipps zur Ausgestaltung der eigenen Rolle in der Verwaltung und bietet Checklisten sowie Hinweise für die Mammut-Aufgabe. Eine weitere Publikation zeigt, wie Klimaanpassung im Alltag verankert werden kann: „Leitfaden für Fachpersonal und Träger von sozialen Einrichtungen“.

Denjenigen, die inhaltlich noch tiefer einsteigen wollen, bietet das ZKA die wöchentlichen anderthalbstündigen, kostenfreien „ZKA Spotlights“ zu wechselnden Themen. Dazu kommt die Reihe „ZKA Spezial“: Sie greift Themen wie Hitzeschutz, Schwammstadt oder Bürgerbeteiligung vertiefend auf. Anschließend werden die Folgen online zur Verfügung gestellt.

Ressortübergreifend handeln

Kommunen und soziale Träger stehen vor der komplexen Aufgabe, ihre Gebäude, Infrastrukturen und Dienstleistungen klimafest zu gestalten. Dabei sind ressortübergreifende Kooperationen und eine langfristige Planung notwendig, um nachhaltige Anpassungen zu erzielen.  Der Handlungsbedarf ist vielschichtig, im Fokus stehen Themen wie Schwammstadtprinzipien, Entsiegelung, Stadtgrün, Hitzeschutz und Starkregenvorsorge. Neben der Umsetzung konkreter Maßnahmen gilt es, die Bevölkerung aktiv einzubeziehen – etwa bei der Begrünung öffentlicher Räume.

Ein abgestimmtes Vorgehen über verschiedene Sektoren hinweg ist entscheidend. Getragen von dem Leitgedanken „Klimaanpassung integriert voranbringen“, zeigt das ZKA, wie kommunale Strategien und Konzepte sich sinnvoll verbinden lassen, um Klimaanpassung als Querschnittsaufgabe in die kommunale Entwicklung einzubetten und Synergien zu nutzen.

Zudem ist es unabdingbar, den Blick auf eine integrierte Betrachtung gesundheitsrelevanter Aspekte der Klimaanpassung an der Schnittstelle Gesundheitsförderung und Daseinsvorsorge zu lenken. Hierzu hat das ZKA eine umfassende Sammlung von Handlungsoptionen zum Schutz vor gesundheitlichen Folgen des Klimawandels zusammengestellt.

Zunehmende Hitzewellen und neue Krankheitserreger machen deutlich, wie wichtig es ist, alle Akteure, Daten und Handlungsfelder frühzeitig mitzudenken und einzubeziehen, um proaktiv die Lebensqualität der Bürgerinnen und Bürger zu stärken. Dabei ist Gesundheitsförderung nicht alleinige Aufgabe der Landkreise – vielmehr muss auf allen Ebenen koordiniert gehandelt werden.

Starke Wirkung durch Kooperation

Seit Inkrafttreten des Klimaanpassungsgesetzes (KAnG) im Jahr 2024 sind Bund, Länder und Kommunen verpflichtet, Klimarisiken systematisch in Planung und Verwaltung zu berücksichtigen und zu integrieren. Insbesondere die Landkreise übernehmen eine Schlüsselrolle bei der Koordination von Konzepten, bei Motivatoren in den Kommunen und bei der Umsetzung der Klimaanpassung vor Ort. Hier können Kooperation und abgestimmte Strategien Synergien zwischen kreisangehörigen Gemeinden und weiteren relevanten Akteuren im Kreisgebiet und der Region schaffen, um Herausforderungen wie Hitze, Starkregen oder Flächenkonkurrenz anzugehen.

Im Dialog zwischen Politik und Verwaltung ist oft Innovation, Mut und kommunikatives Geschick gefragt, denn Klimaanpassung ist kein „Selbstläufer“ und stößt nicht immer auf offene Ohren. Klimarelevante Fachbereiche und Entscheidungsträger agieren in einem Spannungsfeld aus finanziellen, personellen und politischen Einschränkungen, was eine Herausforderung für die effektive und effiziente Umsetzung von Anpassungsaktivitäten darstellt.

Klimaanpassung immer mitdenken

Einerseits können Arbeitsformate – von formellen Ratssitzungen über einen runden Tisch Klimaanpassung bis zu eher informellen Gesprächsrunden und Exkursionen – gezielt eingesetzt werden. Konkrete Beispiele dafür gibt es in der Publikation „Kommunalpolitik und Kommunalverwaltung – Dialoge zur Klimaanpassung gestalten“. Andererseits bieten sich Gelegenheitsfenster für Klimaanpassung im kommunalen Alltagsgeschäft, wie etwa Aufmerksamkeitsfenster nach Extremwetterereignissen. Oder bestehende Planungen werden mit aktuellen Maßnahmen verknüpft, etwa mit einer Landesgartenschau oder einem Tag der Biodiversität. Bei all dem gilt es, die werteorientierte Kommunikation je nach Zielgruppe, Prozessschritt und Sachkontext aktiv zu gestalten.

Appell zu integriertem Handeln

Klimaanpassung ist eine strategische Daueraufgabe, die durch integriertes Handeln, kooperative Wege der Zusammenarbeit, positive Zukunftsbilder und innovative Denkweisen bewältigt werden kann. Mit der jährlich stattfindenden Woche der Klimaanpassung „Gemeinsam für Klimaanpassung“ und der Vernetzungskonferenz „Zusammen wirksam Handeln“ schafft das ZKA Plattformen, um Engagement sichtbar zu machen, Akteure zusammenzubringen, den Austausch guter Praxis zu fördern und zur Nachahmung anzuregen.

Simone Podschun


Die Autorin

Dr. Simone Podschun ist Senior Advisor bei adelphi und zuständig für Vernetzung & Veranstaltungen beim Zentrum KlimaAnpassung (ZKA)


Unterstützungsangebote

Um dem Klimawandel und seinen Auswirkungen begegnen zu können, hat das Bundesministerium für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMUKN) das Deutsche Institut für Urbanistik (Difu) sowie adelphi mit dem Aufbau des Zentrums KlimaAnpassung (ZKA) beauftragt. Das ZKA soll Kommunen – Verwaltung, Politik und Aufgabenträger – sowie weitere kommunale Akteure und Träger sozialer Einrichtungen bundesweit dabei unterstützen, die Anpassung an die Folgen des Klimawandels auf den Weg zu bringen:

  • beim Aufbau von Wissen, bei der Auswahl und Nutzung von Fördermitteln,
  • bei der Aus- und Fortbildung von Personal,
  • bei Austausch und Vernetzung zur Umsetzung von Projekten.

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