Es gibt sie noch: Orte, an denen der Glasfaserausbau nicht so vorangeht, wie es wünschenswert wäre. Aber es gibt Lösungen: Aus Sicht des VDE Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik erläutert Thomas Sentko, worauf es ankommen sollte – und verweist auf bereits bewährte Modelle der Zusammenarbeit.

Ohne zukunftsfähiges, breitbandiges Internet sinkt die Attraktivität für Unternehmen und Selbst-
ständige, aber auch für Schulen und Privatpersonen, sich an einem Ort anzusiedeln. Der Ausbau der Glasfaserinfrastruktur ist daher eine Herausforderung, der sich jede Kommune stellen muss.
Doch im Vergleich mit den klassischen Versorgungsinfrastrukturen – Gas, Wasser, Elektro – einerseits und den Glasfasernetzen in den europäischen Nachbarländern andererseits zeigt sich: Deutschland hat Nachholbedarf, der Ausbau erreicht weder das nötige Tempo noch die erforderliche Qualität.
Das liegt in Teilen an angespannten kommunalen Finanzen und der Scheu vor neuen Geschäftsmodellen. Kooperationen können das wirtschaftliche Risiko senken, Doppelausbau vermeiden und die Netzauslastung erhöhen. Hier haben sich bereits verschiedene Modelle etabliert.
Gemeinsam ist ihnen ein wesentlicher Erfolgsfaktor: Grobplanung und Bauüberwachung sollten unter kommunaler Hoheit verbleiben. Dies stärkt den Einfluss auf die Gebietsentwicklung und ermöglicht es, Qualitätsprobleme frühzeitig zu adressieren. Vorbildliche Kommunen zeigen, wie Bauämter diese Verantwortung aktiv übernehmen und an qualifizierte Mitarbeiter delegieren.
Standards sorgen für Sicherheit
Planung, Materialauswahl, Verlegung und Dokumentation müssen dabei zwingend nach geltenden Normen erfolgen – analog zu anderen Gewerken, wo dies gemeinsam mit dem Einsatz qualifizierter Fachfirmen Standard ist.
Materialanforderungen an die Elemente der Glasfaserinfrastruktur aus der VDE 0800-720 sollten beispielsweise konsequent eingefordert werden, um die Zukunftssicherheit der Infrastruktur zu gewährleisten. Die DKE Deutsche Kommission Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik im VDE hat zudem weitere Normen publiziert, mit denen die Arbeitsqualität verbessert wird.
Die branchenweite Definition von Aufgaben und Qualifikationen für Infrastrukturfachkräfte in der Glasfasertechnik war ein weiterer Schritt zur Qualitätssteigerung – entsprechende Kurse werden bundesweit bei Bildungsanbietern angeboten. Auch für die Qualifizierung kommunaler Bauüberwacher gibt es kurze Intensivkurse, die Mitarbeitern in Bauämtern den Einstieg in die Materie ermöglichen.
Welche Kooperationsmodelle es gibt
Aber welche Kooperationsmöglichkeiten mit TK-Anbietern gibt es nun konkret? Vier sind weit verbreitet:
– Public-Private-Partnership (PPP)
Die Kommune (oder ein Regionalverbund) kooperiert mit einem privaten TK-Anbieter. Ein Beispiel ist die Gigabit Region Stuttgart, wo ein großer TK-Anbieter mit über 150 Städten und Gemeinden direkt zusammenarbeitet.
– Betreibermodell/geförderte Vergabe
Die öffentliche Hand baut die Infrastruktur, etwa mit Fördermitteln, und vergibt den Betrieb an einen privaten TK-Anbieter. Bei geförderten Projekten muss gemäß den Förderprogrammen ein diskriminierungsfreier Zugang (Open Access) für Wettbewerber gewährt werden.
– Stadtwerke-/Infrastrukturmodell
Ein lokales Versorgungsunternehmen (zum Beispiel Stadtwerke) errichtet die Netzinfrastruktur, während ein TK-Anbieter das Netz betreibt und Dienste wie TV, Internet und Telefonie bereitstellt. Das funktioniert ähnlich wie beim Betreibermodell, allerdings erfolgen Netzbau und Netzbetrieb durch die Stadtwerke.
– Joint Venture
Zwei Partner, meist ein TK-Anbieter und ein regionales Unternehmen mit Erfahrung im Bau und Betrieb von Infrastrukturen, gründen ein gemeinsames Ausbauunternehmen, das eigenständig agiert. Die „Open-Access“-Anforderung erlaubt mehreren TK-Unternehmen dabei Zugang zu einem anbieterneutralen Netz, sodass Endkunden ihren Anbieter frei wählen können.
Angesichts des intensiven Wettbewerbs und volatiler Investitionsbedingungen besteht bei allen Modellen eine reale Gefahr des Scheiterns. Divergierende Interessen zwischen kommunalen Akteuren (denen es vor allem um Daseinsvorsorge geht) und privaten Investoren (die vor allem auf kurzfristige Rendite setzen), unterschiedliche Geschwindigkeitsvorstellungen oder mangelnde technologische Harmonisierung können dazu führen, dass Ziele verfehlt werden.
Worauf es unbedingt ankommt
In einer von Konsolidierungsdruck geprägten Marktsituation können Partnerschaften bei fehlender strategischer Übereinstimmung schnell zur Belastung werden. Die Wahl des Modells sollte daher stets auf einer tiefgehenden Analyse der eigenen kommunalen Stärken und der bestehenden Risiken basieren.
Bei allem – das kann kaum überbetont werden – bilden die strikte Einhaltung technischer Standards, die Wahrung der kommunalen Hoheit über die Ausbauziele und die aktive Überwachung des Ausbaus das essenzielle Fundament: ein Fundament, das auch in einem schwierigen Marktumfeld einen nachhaltigen und kooperationsfähigen Strukturaufbau ermöglicht.
Thomas Sentko
Der Autor
Thomas Sentko ist Normungsmanager im Bereich Breitband-, Glasfaser- & Steckverbinder-Technologie bei der Deutschen Kommission Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik (DKE) im VDE.



