Flächenrecycling statt Beton: Studie erläutert Wege hin zu einer zirkulären Stadtentwicklung

Täglich verschwinden in Deutschland 52 Hektar unter Asphalt und Beton – obwohl die Bundesregierung bis 2050 einen flächenneutralen Bodenverbrauch anstrebt. Eine Studie des Wuppertal Instituts skizziert Wege hin zu einer zirkulären Stadtentwicklung – von Flächenrecycling bis zur konsequenten Umnutzung des Bestands.

Zirkuläre Stadtentwicklung
Kommunen stehen unter dem Druck, regelmäßig neue Wohn- und Gewerbegebiete auszuweisen. Die Alternative: zirkuläre Stadtentwicklung. Foto: Adobe Stock/Georg

Für Umwelt und Klima hat die Versiegelung von Flächen negative Folgen. Daher verfolgt die Bundesregierung das Ziel, den Flächenverbrauch in Deutschland bis 2050 auf „Netto-Null“ zu senken. Gleichzeitig wächst die Bautätigkeit in den Kommunen jedoch weiter: Jeden Tag verschwinden 52 Hektar unter Asphalt und Beton. Dies berichtet das Wuppertal Institut in einer Mitteilung.

Dass das deutsche Finanzierungssystem für Kommunen den zunehmenden Flächenverbrauch sogar fördert, belegt das Institut in seiner Studie „Doomed to grow? German municipalities in the stranglehold of a growth logic – a policy analysis of barriers to a circular urban transformation“ (dt. „Zum Wachstum verdammt? Deutsche Kommunen im Würgegriff der Wachstumslogik – eine politische Analyse der Hindernisse einer zirkulären urbanen Transformation“).

„Um Einnahmen aus Gewerbe- und Einkommenssteuer zu sichern, stehen Städte unter enormem Druck, kontinuierlich neue Wohn- und Gewerbegebiete auszuweisen“, so Oliver Wagner, Co-Leiter des Forschungsbereichs Energiepolitik am Wuppertal Institut und Studienautor.

Hoher Flächenverbrauch in Wuppertal

So auch Wuppertal: Die Stadt an der Wupper gehört mit einem Grünanteil von über einem Drittel zwar zu den grünsten Großstädten Deutschlands, dennoch belegt die Auswertung der Forschenden hier den höchsten relativen Flächenverbrauch im Verhältnis zur bestehenden Siedlungsfläche.

„Gründe können beispielsweise einzelne große Infrastrukturprojekte oder mehrere Maßnahmen zur Ansiedelung von Gewerbebetrieben im spezifischen Untersuchungsjahr sein. Deshalb haben wir das als statistischen Ausreißer eingeordnet“, berichtet Bettina Bahn-Walkowiak, die auch an der Studie mitwirkte und als Senior Researcherin im Forschungsbereich Stadtwandel am Wuppertal Institut tätig ist. Dieses Ergebnis belege den Widerspruch zwischen ambitionierten Strategien und der tatsächlichen Praxis vor Ort.

Zirkuläre Stadtentwicklung statt Versiegelung

Die Studie beschreibe verschiedene Ansätze für eine zirkuläre Stadtentwicklung als Alternativen zur Versiegelung. Anstatt auf der grünen Wiese Neubaugebiete auszurufen, können Städte und Gemeinden beispielsweise auf Urban Mining und insbesondere die konsequente Umnutzung von Bestandsgebäuden und Leerständen setzen.

Damit solche Maßnahmen wirksam greifen können, müsse nach Einschätzung der Forschenden der finanzielle Handlungsspielraum der Kommunen verbessert werden. Denn solange Kommunen finanziell davon profitieren, weitere Flächen zu versiegeln, bleiben Nachhaltigkeitsstrategien häufig auf der Ebene von Absichtserklärungen.

Red.

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