Schauspieler Hannes Jaenicke engagiert sich für den Klimaschutz – und appelliert an Städte und Gemeinden

Schauspieler Hannes Jaenicke macht sich für Umwelt- und Tierschutz stark, dreht Film-Dokus zu diesen Themenbereichen und hat eine Stiftung gegründet. Im Interview erzählt er, warum er so engagiert ist – und was er sich von Akteuren und Entscheidern in den Kommunen vor Ort erhofft. 

Hannes Jaenicke
Sein ganzes Leben engagiert Schauspieler Hannes Jaenicke sich schon für Natur- und Artenschutz. 2021 gründete er seine eigene Stiftung: die Pelorus Jack Foundation. Foto: Markus Strobel / Tango Film GmbH

Was war der Auslöser für Ihr Engagement? Gab es einen bestimmten Schlüsselmoment?

Hannes Jaenicke: Ich bin Jahrgang 1960 und war elf, als Greenpeace gegründet wurde. Als kleiner Junge habe ich bestaunt, wie irgendwelche verrückten Kanadier gegen japanische Walcrawler in kleinen Schlauchbooten angefahren sind. Mit 16 habe ich mich schon selbst engagiert. Als ich Mitte 20 war, sind die Umweltkatastrophen im indischen Bhopal, in Tschernobyl sowie in der Schweiz bei Sandoz passiert. Von diesen Ereignissen bin ich geprägt worden. Ich finde es sehr irritierend, dass wir seit 50 Jahren ziemlich genau wissen, was in Sachen Umweltschutz und Nachhaltigkeit zu tun wäre, aber genau das Gegenteil tun.

Im Moment scheinen Umwelt- und Tierschutz weltweit auf der politischen Agenda nicht unbedingt an erster Stelle zu stehen – wie schätzen Sie die aktuelle Situation ein?

Jaenicke: Ich sehe ein gemischtes Bild. Es gibt Regionen, in denen es in die richtige Richtung geht, Skandinavien zum Beispiel. Aber es gibt auch viele, etwa hier bei uns in Deutschland, die sagen: „Ich will, dass sich gar nichts verändert! Ich möchte meine Kreuzfahrt machen, mit meinem Wohnmobil unterwegs sein, fliegen, wohin und so oft ich will, und ich will mein Fleisch so billig kaufen, wie es irgendwie geht.“ Aus meiner Sicht gibt es – leider – viele, die reform- und fortschrittsresistent ist. Die auch nicht einsehen wollen, dass wir das Nest, in dem wir leben, nachhaltig schützen müssen.

Hannes Jaenicke über die Erfolge seiner Stiftung

Sie gehören zu denen, die sich für den Wandel einsetzen – was ist Ihnen dabei vor allem wichtig?

Jaenicke: Das Verhältnis zur Natur. Wir sind entfremdet von der Natur und gehen mit ihr um, als hätten wir einen zweiten Planeten im Kofferraum irgendwo in unseren dicken SUVs. Das muss sich ändern, dafür müssten ab der ersten Klasse Nachhaltigkeit und Umweltschutz als Pflichtfach in der Schule eingeführt werden. Und im Grundgesetz müsste Nachhaltigkeit felsenfest verankert werden.

Was hilft Ihnen, optimistisch zu bleiben?

Jaenicke: Ich habe vor viereinhalb Jahren eine Stiftung gegründet: Mit ihr mache ich beispielsweise gezielt und skalierbar Umweltschutz in Borneo für den Regenwald. Da weiß ich genau, wie viel Hektar wir mittlerweile gekauft und dicht gemacht haben gegen die Kohle-, Palmöl- und Holzindustrie. Außerdem haben wir ein sehr skalierbares Projekt in Costa Rica.

Die deutsche Biologin Christine Figgener zählt mit, wie viele Schildkrötennester und Eier sie vor der Plünderung gerettet hat. Sie wurde mit dem Video berühmt, in dem sie einer Meeresschildkröte einen Plastikstrohhalm aus der Nase operiert. Diese Erfolge machen mir Hoffnung. Auf die Politik, die Industrie und den deutschen Wähler kann ich dagegen nicht mehr warten. Ich versuche, mein eigenes Ding zu machen – damit tröste ich mich ein bisschen.

„Das Einzige, was etwas bringt, sind Verbote“

Sie resignieren aber nicht, appellieren auch nach wie vor, möchten das allerdings tun, ohne den moralischen Zeigefinger zu erheben – kann das noch gehen? 

Jaenicke: Ob wir den moralischen Zeigefinger brauchen, sei dahingestellt. Auf jeden Fall brauchen wir Gesetze und Verbote – weil wir kein Wissens-, sondern ein Handlungsdefizit haben.  Seit 50 Jahren werden wir informiert: Wir wissen Bescheid. Wir wissen, dass wir das schnellste Artensterben aller Zeiten erleben. Wir wissen, dass die Meeresspiegel steigen. Auf Freiwilligkeit zu setzen oder nur ein wenig mit dem moralischen Zeigefinger zu winken, bringt nachweisbar nichts. Das Einzige, was etwas bringt, sind Verbote.

Welche Bereiche haben Sie im Blick?

Jaenicke: Die Liste ist endlos, aber ich würde gern zwei Beispiele nennen. Die Agrarindustrie sorgt für einen enormen CO2-Ausstoß – sie müsste komplett reformiert werden. Unsere Böden sind völlig kaputt. Wir gehen mit Grundwasser um, als ob es endlos fließt. Die Massentierhaltung ist ein gigantisches Problem, nicht nur für die Tiere, sondern auch für das Klima. Das zweite Thema ist die Verkehrspolitik: Warum ist das Deutschlandticket ein Dauerthema? Ich wohne in einem Dorf – wenn ich nach München will, das sind 45 Kilometer, brauche ich anderthalb Stunden. Mit dem Auto geht das in 35 Minuten, deshalb fährt jeder mit dem Auto. Wenn der Nahverkehr anders aufgestellt wäre, wäre es sehr viel leichter, umzusteigen.

Rat an die Kommunen

Was müsste geschehen, damit Umwelt- und Tierschutz eine größere Rolle spielen?

Jaenicke: Wir in Deutschland leben in einer vergleichsweise bevorzugten Klimazone, während andere Regionen bereits sehr stark vom Klimawandel betroffen sind. Solange der Leidensdruck nicht steigt, werden viele sicherlich nicht sehen oder sehen wollen, dass der Klimawandel tatsächlich eine Klimakrise oder eher eine Klimakatastrophe ist. Für mich bleibt es deshalb dabei: Wir brauchen Verbote und andere Gesetze.

Zum Beispiel?

Jaenicke: Etwa bei klimaschädlichen Subventionen. Schätzungen zufolge geben wir etwa 60 Milliarden jedes Jahr aus, um das Klima zu zerstören, nicht zuletzt mit Agrardiesel-Subventionen oder dem Dienstwagenprivileg. Es ist unfassbar, wie viel Geld wir in die Zerstörung unserer Umwelt pumpen. Wenn man diese Subventionen auf den Prüfstand stellen würde, hätten wir plötzlich volle Kassen und würden die Natur entlasten.

Klima- und Umweltschutz findet zu einem großen Teil vor Ort in den Städten und Gemeinden statt. Was raten Sie kommunalen Akteuren und Entscheidern, die sich in diesen Themenbereichen engagieren?

Jaenicke: Sie sollten sich ein sehr dickes Fell zulegen. Sie brauchen Ausdauer und Nerven wie Drahtseile. Bei mir Zuhause am Ammersee gibt es ein sehr starkes Engagement für Umweltschutz, und ich bewundere sehr, dass die Akteure nicht aufgeben. Mehr noch: Die einzige Art, sich politisch wirklich effektiv und erfolgreich einzusetzen, ist auf kommunaler Ebene. Dort werden Entscheidungen getroffen, die Menschen vor Ort direkt betreffen, das finde ich sehr bewundernswert. Mein Appell ist: bitte nicht aufgeben!

Interview von Fabienne Acker


Zur Person

Hannes Jaenicke ist ein bekannter Schauspieler. Sein ganzes Leben engagiert er sich schon für Natur- und Artenschutz weltweit. 2021 gründete er seine eigene Stiftung Pelorus Jack Foundation.


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