Die Neueröffnung des Kölner Opernhauses steht bevor: Oberbürgermeister Torsten Burmester im Interview

Vorhang auf für die Opernbühnen im Jahr 2026: Bayreuth feiert 150 Jahre Wagner-Festspiele, Hamburg und Düsseldorf diskutieren neue Opernhäuser – und in Köln steht die Neueröffnung nach Verzögerungen nun vor der Tür. Hat sich der Aufwand gelohnt? Fragen an Oberbürgermeister Torsten Burmester.

Neueröffnung des Kölner Opernhauses
Das renovierte Kölner Opernhaus am Offenbachplatz: Diese Innenansicht wird die Gäste bei den Feierlichkeiten zur Wiedereröffnung am 19. und 20. September 2026 erwarten. Foto: Stadt Köln, Costa Belibasakis

Im September soll die neue, sanierte Oper den Spielbetrieb wieder eröffnen. Die Arbeiten haben sich immer wieder verzögert – wie ist der aktuelle Stand?

Torsten Burmester: Die Gebäude am Offenbachplatz sind Ende 2025 baulich fertiggestellt worden. Derzeit laufen die Inbetriebnahme der technischen Anlagen, die behördlichen Abnahmen sowie die Umzüge der verschiedenen Bereiche. Das ist ein komplexer Prozess, denn wir haben es hier mit einem hochmodernen Theatergebäude mit sehr anspruchsvoller Bühnentechnik zu tun. Diese Phase braucht Zeit und Sorgfalt, damit zum Start alles zuverlässig funktioniert.

Kann der Termin für die Eröffnungsfeier im September gehalten werden?

Burmester: Ja, wir planen das Eröffnungswochenende für den 19. und 20.9.2026.

Das Kölner Opernhaus als „zentrales Kulturprojekt“

Sie sind seit vergangenem Herbst im Amt und haben das Opernprojekt geerbt. Wie stehen Sie zu diesem Projekt? Braucht Köln eine neue Oper? Was ist Ihnen wichtig an der Opernsanierung?

Burmester: Wichtig ist mir zunächst festzuhalten, dass hier nicht nur eine Oper saniert wurde. Am Offenbachplatz ist ein gesamtes Theaterensemble entstanden: Neben der Oper ist auch das Schauspielhaus saniert worden und es sind weitere Gebäudeteile wie das Kleine Haus, die eigenständige Kinderoper und eine neue Gastronomie neu geschaffen worden.

Die Bühnen Köln sind damit ein zentrales Kulturprojekt für unsere Stadt. Sie werden neue Strahlkraft für Köln entfalten und ein Ort sein, an dem künstlerische Exzellenz und kulturelle Teilhabe zusammenkommen. Besonders wichtig ist mir, dass diese Häuser kein elitärer Ort sind, sondern offen für alle Kölnerinnen und Kölner – unabhängig davon, ob sie regelmäßig oder zum ersten Mal eine Vorstellung besuchen.

Das Projekt hat mehr Zeit und mehr Geld gebraucht als ursprünglich geplant. Lohnt sich das dennoch aus Ihrer Sicht – gerade in Zeiten knapper Kassen?

Burmester: Ich bin überzeugt, dass es richtig war, an diesem historischen Ensemble im Herzen der Stadt festzuhalten. Ein Abbruch oder ein Baustopp wäre aus heutiger Sicht keine sinnvolle Alternative gewesen. Jetzt geht es darum, nach vorne zu schauen und das Haus so zu nutzen, dass es kulturell, städtebaulich und gesellschaftlich eine große Wirkung entfalten kann.

„Ein Haus für die gesamte Stadtgesellschaft“

Wie kommt das Projekt bei den Bürgerinnen und Bürgern an?

Burmester: Die Kritik und die Diskussionen der vergangenen Jahre nehmen wir sehr ernst. Mit Blick auf die Wiedereröffnung ist es uns deshalb besonders wichtig, die Bürgerinnen und Bürger einzubeziehen und Vertrauen zurückzugewinnen. Die Kampagne rund um die Wiedereröffnung soll genau das leisten: Sie soll Lust auf das neue Haus machen und möglichst viele Menschen einladen, es selbst zu entdecken.

Opernhäuser gelten als aufwendig und teuer. Welchen Sinn macht Oper heute aus Sicht eines Oberbürgermeisters?

Burmester: Kulturelle Orte bieten Gelegenheit zur Begegnung, zur Reflexion und zur Inspiration. Oper und Theater gehören zu den Kunstformen, die Emotionen, Musik, Literatur, Bühnenbild und gesellschaftliche Themen miteinander verbinden. Mir ist dabei besonders wichtig, dass die Bühnen Köln ein Haus für die gesamte Stadtgesellschaft sind. Es geht nicht nur um große Premieren, sondern auch um Vermittlungsprogramme, Kooperationen mit Schulen und neue Formate, die unterschiedliche Menschen ansprechen. Wenn Kultur gelingt, dann stärkt sie das Zusammenleben in einer Stadt.

Die kulturelle Bildung stärken

Wird es ein Schwerpunkt sein, junge Menschen für die Oper zu begeistern?

Burmester: Die Bühnen Köln wollen Menschen aller Generationen erreichen. Schon heute gibt es viele Programme, die sich speziell an Kinder und Jugendliche richten – von Workshops über Schulkooperationen bis hin zu besonderen Aufführungsformaten. Mit der neuen eigenen Spielstätte für die Kinderoper ergeben sich künftig noch einmal ganz neue Möglichkeiten. Das ist ein großer Gewinn für die kulturelle Bildung in Köln.

Was würden Sie anderen Kommunen raten, die eine Oper sanieren oder neu bauen wollen?

Burmester: Jede Stadt hat sehr unterschiedliche Voraussetzungen – baulich, finanziell und kulturell. Deshalb lassen sich Erfahrungen nicht eins zu eins übertragen. Für Köln gilt jetzt vor allem: Wir freuen uns darauf, dass dieses Haus nach vielen Jahren wieder eröffnet und die Bühnen Köln an den Offenbachplatz zurückkehren können.

Interview von Fabienne Acker

Neueröffnung des Kölner Opernhauses
Foto: Maximilian König

Zur Person

Torsten Burmester (SPD) ist Oberbürgermeister in Köln.


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