Wenn Flüsse wieder atmen dürfen, profitieren ganze Regionen: Ein neues Förderprogramm des Bundes setzt auf naturnahe Auen als wirksamen Hochwasserschutz – und stärkt Lebensqualität sowie Klimaschutz vor Ort.

Extreme Wetterereignisse nehmen zu – Starkregen und Hochwasser stellen Kommunen immer häufiger vor große Herausforderungen. Mit einem neuen Förderprogramm setzt das Bundesumweltministerium (BMUKN) gezielt auf natürlichen Hochwasserschutz: Die Renaturierung von Auen an kleineren Fließgewässern soll Wasser wieder dort Raum geben, wo es hingehört – in der Landschaft.
Für das Programm stellt der Bund zunächst 59 Millionen Euro bereit. Es ist Teil des Aktionsprogramms Natürlicher Klimaschutz (ANK) und richtet sich an Kommunen, Verbände und Initiativen, die an Bächen und kleineren Flüssen aktiv werden wollen – also genau dort, wo Hochwasser plötzlich und mit großer Wucht auftreten kann.
Mehr Raum für Flüsse
„Naturnahe Auen wirken wie ein Schwamm“, betont Bundesumweltminister Carsten Schneider. Bei Starkregen nehmen sie große Wassermengen auf, bremsen die Flut und entlasten damit flussabwärts gelegene Orte. Gleichzeitig können sie in Trockenzeiten Wasser speichern – ein zunehmend wichtiger Faktor angesichts längerer Dürreperioden.
Über Jahrzehnte wurden Flüsse begradigt, Ufer befestigt und Auen durch Deiche oder Drainagen von den Gewässern abgetrennt. Die Folgen sind vielerorts spürbar: schneller Wasserabfluss, höhere Scheitelstände bei Hochwasser und steigende Schäden in Siedlungsgebieten.
Hier setzt das neue Förderprogramm an. Gefördert werden unter anderem: Rückbau oder die Verlegung von Deichen, die Wiederanbindung von Altarmen, das Aufheben von Entwässerungsstrukturen sowie der Ankauf von Flächen, um Flüssen wieder Ausweichräume zu geben.
Vorteile des natürlichen Hochwasserschutzes
Solche Maßnahmen sorgen dafür, dass Hochwasserspitzen gedämpft werden, sich Wasser kontrolliert in der Aue ausbreiten kann und die Belastung für Infrastruktur und Bebauung sinkt. Für Kommunen kann das eine nachhaltige und langfristig kostengünstige Ergänzung zu technischem Hochwasserschutz sein.
Neben dem Schutz vor Überflutungen haben intakte Auen weitere Vorteile: Sie filtern Schadstoffe, verbessern die Grundwasserneubildung und leisten einen Beitrag zum Klimaschutz, indem feuchte Böden und Auwälder Kohlenstoff binden. Gleichzeitig entstehen artenreiche Lebensräume – und attraktive Erholungsräume für die Bevölkerung.
Ein wichtiger Punkt aus kommunaler Sicht: Die geförderten Projekte sollen ausdrücklich auch für Menschen erlebbar sein. Wege, Aufenthaltsflächen oder naturverträgliche Zugänge können dazu beitragen, Akzeptanz für Hochwasserschutzmaßnahmen zu schaffen und das Bewusstsein für funktionierende Flusslandschaften zu stärken.
Förderung für Kommunen und Verbände
Antragsberechtigt sind unter anderem Kommunen, Wasser- und Bodenverbände, Vereine, Stiftungen sowie Landesbehörden. Projektskizzen können seit dem 1. Mai bei der Zukunft – Umwelt – Gesellschaft (ZUG) gGmbH eingereicht werden, die das Programm im Auftrag des BMUKN betreut.
Das neue Förderangebot ergänzt bestehende Programme wie das Bundesprogramm „Blaues Band Deutschland“, das bislang auf größere Flüsse fokussiert war. Nun rücken gezielt kleinere Gewässer in den Blick – dort, wo naturnaher Hochwasserschutz ebenfalls sehr viel bewirken kann.
Red.



