Hagen setzt im Bereich Nachhaltigkeit auf Digitalisierung: Daten sind ein wesentlicher Aspekt in diesem Entwicklungsprozess. Auf dem Weg zur „Klimakommune.digital“ spielt die elektronische Partizipation eine zentrale Rolle – die Einbindung der Bürgerinnen und Bürger. Wie das funktioniert, schlüsselt für die Deutsche Energie-Agentur Felina Wittmaack auf.

Elektronische Partizipation – E-Participation – bezeichnet die digitale Einbindung von Bürgerinnen und Bürgern in politische Entscheidungsprozesse, Planungsverfahren und öffentliche Diskussionen. Im Kontext von Smart Cities bedeutet das, digitale Technologien gezielt einzusetzen, um Teilhabe an der Stadtentwicklung zu ermöglichen – etwa über Onlineplattformen, Beteiligungs-Apps oder digitale Bürgerhaushalte.
Digitale Beteiligung als Schlüsselinstrument
Viele Smart-City-Initiativen starten technikgetrieben, aber zunehmend wird klar, dass die langfristige Wirksamkeit maßgeblich von partizipativen und gemeinwohlorientierten Prozessen abhängt. E-Participation ist keine Einbahnstraße – es braucht sowohl das Angebot der Stadt als auch die Bereitschaft der Bürger, sich einzubringen, eigene Wünsche und Meinungen zu äußern. So wird digitale Beteiligung zum Schlüsselinstrument für eine sozial gerechte, transparente und demokratische Stadtentwicklung.
Welche Akzente Hagen als Klimakommune setzt
Hier setzt das Modellprojekt Klimakommune.digital in Hagen an. Es hat eine technische Basis aus Soft- und Hardware geschaffen, die Datenintelligenz, Bürgerbeteiligung und Klimaschutz verbindet. Doch das Projekt versteht sich nicht als abgeschlossene Lösung, sondern zeigt Mut zur Reflexion: Nach Abschluss der Aufbauphase geht es darum, auf Grundlage der Daten Maßnahmen umzusetzen, deren Wirkung zu bewerten und Bürger aktiv mitzunehmen.
Im Mittelpunkt steht der Aufbau einer Urban Data Platform, die Energie-, Umwelt- und Verkehrsdaten bündelt, analysiert und sichtbar macht. Sensoren, Steuerungssysteme und Verwaltungsdaten liefern Informationen etwa zu CO2-Emissionen, Energieverbräuchen, Luftqualität oder Verkehrsflüssen. Die Entscheidung für eine Open-Source-Architektur schafft digitale Souveränität und ermöglicht es auch anderen Kommunen, Komponenten zu übernehmen.
Transparenz durch das Dashboard
Besonders sichtbar wird Klimakommune.digital im öffentlichen Dashboard: Bürgerinnen und Bürger können hier in Echtzeit Kennzahlen zu Energieverbrauch, Emissionen oder Luftqualität einsehen. Das stärkt Transparenz, fördert das Verständnis für politische Entscheidungen und motiviert, eigene Beiträge zum Klimaschutz zu leisten.
Oberbürgermeister Erik Schulz, der bis Oktober 2025 im Amt war, unterstrich den Anspruch des Projekts: „Mit dem Dashboard machen wir sichtbar, wie sich unsere Stadt verändert – und schaffen eine Grundlage, auf der Verwaltung und Stadtgesellschaft gemeinsam Klimaschutz gestalten können.“
Ein Beispiel für E-Participation ist die jährliche Bürgerbefragung in Hagen. 2025 nahmen 291 Personen teil. Die Ergebnisse zeigen, wie wichtig es ist, Stimmungen ernst zu nehmen: Nur noch 75 Prozent (219 Personen) sehen Klimaschutz als sehr wichtig oder wichtig an – deutlich weniger als 2024 (92 Prozent). Zwölf Prozent halten ihn inzwischen sogar für unwichtig (2024: zwei Prozent). Gleichzeitig wuchs die Bedeutung der Kostensenkung: 79 Prozent (229 Personen) sehen dies als sehr wichtig oder wichtig – ein Plus von sieben Prozentpunkten zum Vorjahr.
Diese Veränderungen machen deutlich: Klimapolitik braucht Kommunikation und Mehrwerte im Alltag. Projekte wie Klimakommune.digital müssen nicht nur Daten bereitstellen, sondern auch die Lebensqualität erhöhen, zur Kostensenkung beitragen und Beteiligung so gestalten, dass Bürger einen Anreiz bekommen, sich für Klimaschutzmaßnahmen einzusetzen.
„Klimakommune.digital“ als Blaupause für andere Städte
Klimakommune.digital ist nicht als Insellösung gedacht. Ein digitaler Baukasten dokumentiert die wichtigsten technischen Standards, rechtlichen Rahmenbedingungen und Praxisbeispiele. Kommunen können damit eigene Digitalisierungsstrategien entwickeln oder an die Hagener Lösung andocken. Enthalten sind sektorale Leitfäden und ein Sammeldokument zu Themen wie Ausschreibungen, technische und juristische Anforderungen, Hinweise zu Datenschutz und Schnittstellen sowie Ansätze zu Kommunikationsmaßnahmen und Bürgerbeteiligung.
So wird Klimakommune.digital zu einer übertragbaren Blaupause: Kommunen erhalten konkrete Werkzeuge, um eine Basis für datenbasierte Klimapolitik zu schaffen.
Das Projekt Klimakommune.digital fügt sich in eine wachsende Bewegung rund um vernetzte Datenräume ein – von Initiativen wie Gaia-X bis zu Projekten wie dem Use-Case Energie im Rahmen des Vorhabens Dateninstitut oder energy data-X. Hagen bringt sich hier ein und zeigt, wie Urban Data Platforms demokratisch gestaltet werden können.
Aufruf zum nächsten Schritt
Mit dem Piloten Klimakommune.digital wird deutlich: Digitalisierung, Klimaschutz und die Beteiligung von Bürgerinnen und Bürgern sind keine getrennten Felder, sondern drei Achsen, die in der Stadtentwicklung zusammengedacht werden müssen.
Die Grundlagen in der Klimakommune sind gelegt – nun gilt es, die nächsten Schritte gemeinsam mit der Stadtgesellschaft zu gehen.
Felina Wittmaack Chantarakiri
Die Autorin
Felina Wittmaack Chantarakiri ist als Seniorexpertin Digitale Technologien bei der Deutschen Energie-Agentur GmbH (dena) tätig.



