Freie Gehwege, mehr Lebensqualität: Modellprojekt für barrierefreie und sichere Fußwege gestartet

Balingen, Heilbronn, Pforzheim und Stuttgart beteiligen sich als Modellkommunen am Projekt „Gehwege freiräumen – Raum fürs Gehen schaffen“. Über ein Jahr hinweg erproben sie neue Lösungen für den Fußverkehr.

Modellprojekt für barrierefreie Gehwege
Im Landesprojekt „Gehwege freiräumen – Raum fürs Gehen schaffen“ erproben Balingen, Heilbronn, Pforzheim und Stuttgart praxisnahe Lösungen für mehr Sicherheit und Barrierefreiheit auf Gehwegen. Foto: Adobe Stock/unai

Neue Lösungen für den Fußverkehr erproben – dies ist das Ziel des Landesprojekts „Gehwege freiräumen – Raum fürs Gehen schaffen“, an dem Balingen, Heilbronn, Pforzheim und Stuttgart als Modellkommunen teilnehmen. Als Projektzeitraum ist ein Jahr vorgesehen, wie das Land Baden-Württemberg in einer Mitteilung berichtet.

„Wer zu Fuß, mit einem Kinderwagen oder im Rollstuhl unterwegs ist, braucht Platz – und zwar genügend Platz. Niemand sollte Slalom laufen oder auf die Fahrbahn ausweichen müssen aufgrund von Schildern, Mülltonnen oder parkenden Autos“, erklärt der baden-württembergische Verkehrsminister Winfried Hermann.

„Gemeinsam mit den vier Modellkommunen räumen wir Hindernisse aus dem Weg und machen die Gehwege wieder frei. So schaffen wir mehr Sicherheit, mehr Barrierefreiheit und mehr Lebensqualität im öffentlichen Raum.“

Modellprojekt für barrierefreie Gehwege in Baden-Württemberg

Das Projekt ist Teil der baden-württembergischen Fußverkehrsstrategie. Im Rahmen dieser verfolgt das Land das Ziel, dass bis 2030 jeder zweite Weg zu Fuß oder mit dem Fahrrad zurückgelegt wird. Auch längere Strecken von über 15 Minuten sollen für viele Menschen ganz selbstverständlich zu Fuß machbar sein.

Voraussetzung dafür sind gut nutzbare und barrierefreie Gehwege. Insbesondere für Menschen mit Kinderwagen, Rollstuhl oder Gehhilfe entscheiden oft wenige Zentimeter darüber, ob ein Weg passierbar ist oder zur Sackgasse wird. Um genau solche Sackgassen für alle Beteiligten zu verhindern, gehen Balingen, Heilbronn, Pforzheim und Stuttgart nun als Modellkommunen voran und erproben neue Lösungen in der Praxis.

Hindernisse auf Fußwegen beseitigen

Zunächst erfassen die vier Städte den Zustand der Gehwege auf ausgewählten Strecken. Hierfür werden die Wege digital dokumentiert, beispielsweise mit 360-Grad-Kameras. Auf Basis dieser Daten finden Workshops vor Ort statt, in denen Verwaltung, kommunale Betriebe, Gewerbe und Anwohnende gemeinsam Lösungen entwickeln.

Im Mittelpunkt stehen typische Hindernisse auf Gehwegen, etwa Mülltonnen, überflüssige Verkehrsschilder, ganz oder teilweise auf dem Gehweg parkende Autos, Verteilerkästen, Parkscheinautomaten oder Werbeaufsteller.

„Wir verteilen den Platz in unseren Städten und Gemeinden neu und schaffen mehr Raum für Fußgängerinnen und Fußgänger. Eine Stadt, in der man gut zu Fuß gehen kann, ist eine Stadt mit hoher Lebensqualität“, so Hermann.

Die Gehwege-Planung von Anfang an verbessern

Bei zukünftigen Projekten sollen Gehwege ebenfalls systematisch berücksichtigt werden. Kommunen, Planungsbüros und Infrastrukturbetreiber arbeiten hierfür enger zusammen. Technische Anlagen wie Parkscheinautomaten, Ladesäulen und Verteilerkästen sollen künftig nach Möglichkeit in Multifunktionsflächen zwischen Gehweg und Fahrbahn untergebracht werden. Auf diese Weise sollen Engstellen von vornherein vermieden werden.

Seit dem Bewerbungsstart im Dezember 2025 war das Land auf der Suche nach Kommunen, die neue Wege gehen wollen. Entscheidend für die Auswahl von Balingen, Heilbronn, Pforzheim und Stuttgart waren die Strecken, die die vier Kommunen vorgeschlagen hatten. Zentrale Achsen in Ortsmitten gehören ebenso dazu wie Schulwege und Bereiche mit häufigen Konflikten auf Gehwegen.

Die Erfahrungen aus dem Projekt werden ausgewertet. Bis zum Frühjahr 2027 fließen die erarbeiteten Standards und Lösungen in einen Praxisleitfaden ein, der Kommunen in Baden-Württemberg und darüber hinaus dabei unterstützen soll, das Zufußgehen attraktiver zu machen.

Die Nahverkehrsgesellschaft Baden-Württemberg (NVBW) setzt das Projekt im Auftrag des Ministeriums für Verkehr um. Auf fachlicher Ebene begleiten die Planungsbüros Bernard Gruppe und VIA das Vorhaben.

Red.

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