Leuchtende Vielfalt bei urbanen Lichtkonzepten

Ein urbaner Raum bildet keine homogene Einheit, deshalb braucht es innerhalb der Stadt unterschiedliche Lichtkonzepte: Das ist der Kerngedanke der „Smart.Light“-Route in Hannover. Die niedersächsische Landeshauptstadt setzt ihr Vorhaben als „Smart-City-Modellkommune“ des Bundesbauministeriums um.

Leuchtende Vielfalt bei urbanen Lichtkonzepten
Die niedersächsische Landeshauptstadt Hannover (545.000 Einwohner) will Licht, das optimal an den jeweiligen urbanen Raum angepasst ist. Foto: Adobe Stock/Leinemeister.

Die Landeshauptstadt Hannover ist Teil der dritten Staffel „SmartCity-Modellkommune“ des Bundesministeriums für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauen. Mit ihrer Initiative Hannover Restart: #HANnovativ hat sie die umfassende Vision einer Smart City Hannover, mit der sie vielfältige, praktische Lösungspfade im Raum neuer technologischer Entwicklungen erproben und verstetigen will.

Ziel der geförderten Maßnahme „Smart.Light“ ist die Erprobung innovativer Technologien der Stadtbeleuchtung und deren Auswirkungen auf unterschiedliche Stadträume mit verschiedenen Beleuchtungsszenarien. Hierzu zählen insbesondere Technologien, die eine Verbesserung der Klimabilanz und des subjektiven Sicherheitsempfindens zur Folge haben und ein umfassendes Monitoring der Umgebung mit Umwelt-, Insekten- und Energiedaten ermöglichen. Die Förderquote von „Smart.Light“ liegt bei 65 Prozent bei einem Kostenvolumen von rund 670.000 Euro.

Die „Smart.Light“-Route befindet sich im naturnahen Umfeld des Maschsees. Sie ist unterteilt in vier unterschiedliche Abschnitte mit verschiedenen Anforderungen und führt direkt in die Innenstadt Hannovers.

Dies ermöglicht es, sowohl natur- als auch kernstadtnahe Vergleichsdaten zu erheben und in die Projektauswertung aufzunehmen. Zudem werden in das Raumkonzept besondere Räume einbezogen – darunter ein Stadionparkplatz und eine Unterführung –, um eine möglichst breite Abdeckung der verschiedenen Beleuchtungsszenarien einer Stadt zu erhalten. Diese Vielfalt der vier Abschnitte bildet in erster Linie auch den Modellcharakter des Beleuchtungsprojekts ab.

Beleuchtung am Maschsee

Der Bereich am Maschsee bietet als beliebter Aufenthaltsort sowie durch seine Gewässernähe einen interessanten Experimentierraum in Bezug auf neue Beleuchtungstechnik. In diesem bereits umgesetzten Projektabschnitt wurden konventionelle Leuchten gegen energieeffiziente smarte LED-Leuchten ersetzt.

Das Leuchtensystem ist mit einer Anwesenheitssteuerung ausgestattet und kann flexibel auf Objekte reagieren, die sich im Erfassungsbereich bewegen. Dabei wird die Helligkeit durch „mitlaufendes Licht“ automatisch heraufgedimmt, wenn Passanten erkannt werden.

Während der übrigen Zeit verbleiben die Leuchten im Basismodus. In diesem Modus ist die Helligkeit stark heruntergedimmt, um Energie einzusparen und Lichtemissionen zu reduzieren. Außerdem bieten weitere einstellbare Dimm- und Farbszenarien die Möglichkeit, auf tages- und jahreszeitliche Bedürfnisse von Insekten zu reagieren.

Übergang zur Innenstadt

Im Übergangsbereich zur Innenstadt ist aufgrund der baulichen Gegebenheiten eine Kombination aus dem Szenario am Maschsee sowie der volumenbasierten Lichtsteuerung geplant.

Die volumenbasierte Lichtsteuerung ist für die Verkehrsstraße vorgesehen. Verkehrsteilnehmerinnen und Verkehrsteilnehmer auf der Straße werden durch einen Radarsensor qualitativ und quantitativ erfasst. In Abhängigkeit der ermittelten Werte wird die Beleuchtung entsprechend gesteuert.

LED-Leuchten am Stadionparkplatz

Als weiteres Szenario soll der Stadionparkplatz auf smarte LED-Beleuchtung umgerüstet werden. Die Leuchten werden mit einer Anwesenheitssensorik ausgestattet, die für den Parkplatzbetrieb geeignet ist. Außerdem wird eine Notfallfunktion für die Leuchten eingerichtet. So können Einsatzkräfte die Beleuchtung per Smartphone in den Alarmmodus versetzen. Die Leuchten dimmen dann nach kurzer Zeit auf die maximal mögliche Leistung. Dies ermöglicht den Einsatzkräften einen besseren Überblick vor Ort.

Verbindungstunnel zur Innenstadt

Als Abschluss der „Smart.Light“-Route soll der Verbindungstunnel zur Innenstadt am Friederikenplatz gestalterisch aufgewertet werden. Hier sollen nach aktueller Planung LED-Lichtleisten zum Einsatz kommen, die smarte Effekte ermöglichen und die Gleichmäßigkeit der Ausleuchtung erhöhen.

Wie wirkt das Licht auf Insekten?

Im Zuge des Projekts werden über Sensoren und Wetterstationen zudem Leuchten- und Umweltdaten gesammelt und in einem Dashboard aufbereitet zur Ansicht bereitgestellt. Auch erfolgt eine kameragestützte Biodiversitätsuntersuchung von Insekten mit nachgelagerter KI-Auswertung. Diese Untersuchung soll Aufschluss darüber geben, welche Auswirkungen unterschiedliche Lichtfarben und die LED-Technik auf die Anlockwirkung von Insekten haben. Mit Ergebnissen zur Biodiversitätsuntersuchung ist ab 2026 zu rechnen.

Die passende Konfiguration der smarten Leuchtensysteme und der Übergang in den zuverlässigen Regelbetrieb stellten bislang die größte Herausforderung dar. Durch den engen Austausch mit dem örtlichen Beleuchtungsdienstleister und dem Leuchtenhersteller konnten jedoch auch diese erfolgreich bewältigt werden. Die Leuchten des ersten Projektabschnitts einschließlich Insektenkameras und Sensorik wurden erfolgreich in Betrieb genommen, und die Daten werden fortlaufend ins Dashboard übertragen.

Wichtig für die Umsetzung dieser Prozesse waren eine enge interdisziplinäre Beteiligung und Zusammenarbeit verschiedener städtischer Sachgebiete sowie externer Beteiligter.


Die Autoren

Gerrit Fehn arbeitet im Baudezernat Stabsstelle Smart City I Strategien und Projekte der Landeshauptstadt Hannover. Fabian Steinmeier ist Projektmanager im Bereich der Stadtbeleuchtung.


Gerrit Fehn, Fabian Steinmeier

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