Mit der Hafencity Dresden ist am Neustädter Hafen ein neues Quartier entstanden: Auf einer ehemaligen Brachfläche schaffen Wohnungen, Promenade und öffentliche Räume einen lebendigen Stadtbaustein mit hoher Aufenthaltsqualität. Amtsleiter Matthias Lerm ordnet ein, was das für die Stadt bedeutet.

Die Hafencity Dresden zeigt beispielhaft, wie durch Innenentwicklung und die Aktivierung einer innerstädtischen Brachfläche ein neues Quartier am Wasser mit hoher städtebaulicher und freiräumlicher Qualität entstehen kann.
Mit der Einweihung der Hafencity im Mai ist in Dresden ein bedeutendes Stadtentwicklungsprojekt abgeschlossen worden. Auf rund sieben Hektar entstand am Neustädter Hafen ein Quartier mit etwa 300 Wohnungen. Grundlage der Entwicklung waren der Bebauungsplan Nr. 357 B „Leipziger Straße/Neustädter Hafen“ sowie ein städtebaulicher Vertrag mit der USD Immobilien GmbH.
Besonders an dem Vorhaben war die Lage: In unmittelbarer Nähe zur Dresdner Innenstadt konnte eine Fläche, die lange Zeit heterogen genutzt worden war, zu einem neuen Stadtbaustein entwickelt werden. Ziel war es, die Qualitäten des Neustädter Hafens stärker in die Stadt einzubinden und die Leipziger Vorstadt zum Wasser zu öffnen.
Die Planungsziele bauen auf dem Planungsleitbild Innenstadt sowie dem Masterplan Leipziger Vorstadt/Neustädter Hafen auf. Zentrales Ziel war die Entwicklung eines neuen Quartiers am Wasser – mit besonderer Betonung des identitätsstiftenden Neustädter Hafens und der Sichtbeziehung zur Dresdner Altstadtsilhouette.
Prägend ist die Hafenpromenade
Grundlage des Bebauungsplans war ein zweistufiges Werkstattverfahren der USD Immobilien GmbH im Jahr 2016. Der daraus hervorgegangene städtebauliche Entwurf bildete die Basis für die weitere Planung. Ergänzend wurden für einzelne Gebäude und Gebäudegruppen hochbauliche Wettbewerbsverfahren ebenso durch die USD Immobilien GmbH durchgeführt.
Städtebaulich prägend sind heute vor allem die Hafenpromenade und die räumliche Fassung entlang der Leipziger Straße. Die Promenade schafft neue Blickbeziehungen zum Hafen, zur Elbe und zur Dresdner Altstadt. Zudem konnte ein denkmalgeschütztes Gebäude – heute ein Wohn- und Bürogebäude, in die Entwicklung integriert werden.
Hochwertige öffentliche Freiräume
Für die Landeshauptstadt Dresden war es besonders wichtig, dass neben Wohnraum auch hochwertige öffentliche Freiräume entstehen. Die öffentliche Erschließung einschließlich der Hafenpromenade wurde durch die Vorhabenträgerin realisiert und steht heute der gesamten Stadtgesellschaft zur Verfügung.
Die Leipziger Vorstadt öffnet sich an dieser Stelle erstmals unmittelbar zum Wasser. Mit Aufenthaltsbereichen, Wegeverbindungen und gastronomischen Angeboten ergänzt sie die Elbwiesen um einen urbanen Ort mit eigenständigem Charakter.
Für die Bewertung des Projekts ist zudem der zeitliche Kontext relevant. 2019 führte Dresden das Kooperative Baulandmodell ein, das für neue Vorhaben höhere Anteile geförderten Wohnraums vorsieht. Seit 2022 gelten differenzierte Vorgaben von bis zu 30 Prozent geförderter Wohnungen.
Geförderter Wohnraum im neuen Quartier
Im städtebaulichen Vertrag mit der USD Immobilien GmbH wurde 2019 ein Anteil von 15 Prozent geförderter Wohnungen vereinbart. Aufgrund bestehender Baurechte konnten diese Vorgaben jedoch nicht auf das gesamte Plangebiet angewendet werden. Insgesamt wurden 32 Wohnungen unter Inanspruchnahme von Fördermitteln des Freistaates Sachsen realisiert.
Unabhängig davon besitzt die Hafencity eine hohe stadtentwicklungspolitische Bedeutung. Mit der Aktivierung einer innerstädtischen Entwicklungsfläche wurde zusätzlicher Wohnraum geschaffen und ein bislang nur eingeschränkt zugänglicher Bereich des Neustädter Hafens dauerhaft für die Öffentlichkeit geöffnet.
Umweltfaktoren in der Planung
Zu den größten Herausforderungen bei der Quartiersplanung gehörten die Anforderungen des Hochwasserschutzes sowie der Umgang mit Lärmeinwirkungen angrenzender gewerblicher Nutzungen. Beide Themen mussten frühzeitig in die Planung integriert werden.
Die Resonanz auf das Projekt ist insgesamt positiv. Besonders die Hafenpromenade wird als neuer öffentlicher Ort am Wasser gut angenommen. Gleichzeitig zeigen die Diskussionen rund um das Quartier, dass bei der Nutzungsmischung, der Bezahlbarkeit von Wohnraum und dem Erhalt des industriell geprägten Charakters ehemaliger Hafenstandorte weiterhin Gesprächsbedarf besteht.
Empfehlungen für andere Kommunen
Aus Sicht der Landeshauptstadt Dresden haben sich wettbewerbliche Verfahren als wichtiges Instrument zur Entwicklung tragfähiger städtebaulicher Lösungen und qualitativer Architekturen erwiesen. Ebenso entscheidend sind qualitätsvolle öffentliche Freiräume und eine frühzeitige ämterübergreifende Zusammenarbeit.
Diese Faktoren tragen wesentlich dazu bei, komplexe Stadtentwicklungsprojekte erfolgreich umzusetzen und langfristig akzeptierte Quartiere zu schaffen.
Matthias Lerm
Der Autor
Dr. Matthias Lerm ist Leiter des Amts für Stadtplanung und Mobilität in der sächsischen Landeshauptstadt Dresden.



