Weiterbildung ist dringend erforderlich, aber längst nicht immer ein Selbstläufer. Hier kann Mentoring auf Augenhöhe helfen: Ein BMBF-Projekt zeigt, welche positiven Effekte Peer-to-Peer-Mentoring auch und gerade in der öffentlichen Verwaltung haben kann – für Mitarbeiter wie für Arbeitgeber.

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) förderte von 2022 bis 2024 vier Projekte, in denen die Qualifizierung sowie der Einsatz von betrieblichen Weiterbildungsmentorinnen und -mentoren (WBM) erprobt wurden. Das Bundesinstitut für Berufsbildung übernahm die wissenschaftliche Begleitung für die Projekte.
Während dieser Zeit konnten mehr als 460 Weiterbildungsmentoren in rund 170 Betrieben etabliert werden – darunter auch in öffentlichen Verwaltungen (vgl. den Link zum BMBF im Infokasten). Diese Projekte wurden von den Sozialpartnern Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) sowie dem Bundesarbeitgeberverband Chemie (BAVC) und von der IG Metall, von Ver.di und der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) umgesetzt.
Impulse durch Mentoring: Begleitung auf Augenhöhe
Weiterbildungsmentoren sind betriebsinterne oder -nahe Ansprechpersonen, die Beschäftigte individuell, vertrauensvoll und auf Augenhöhe zum Thema Weiterbildung beraten und begleiten. Ihr Fokus liegt besonders auf gering- oder nichtqualifizierten Beschäftigten, die oft schwer Zugang zu Weiterbildungsangeboten finden. Weiterbildungsmentoren fördern durch niedrigschwellige, kollegiale Ansprache das Interesse an Weiterbildung, helfen beim Navigieren durch den Weiterbildungsmarkt und unterstützen bei der Identifikation von Qualifizierungsbedarfen.
Weiterbildungsmentoren erfüllen eine Brückenfunktion zwischen Beschäftigten und sowohl internen (zum Beispiel Personalabteilung) als auch externen (zum Beispiel Bildungsanbieter) Weiterbildungseinrichtungen. Ihr Ansatz entspricht dem Prinzip des Peer-to-Peer-Mentorings, das durch gegenseitige Unterstützung auf gleicher Hierarchieebene gekennzeichnet ist.
Vertrauen ist dabei ein zentrales Element des WBM-Ansatzes: Da Weiterbildung für viele mit Unsicherheit oder Scham behaftet ist, schaffen die Mentorinnen und Mentoren durch Nähe und Kollegialität einen sicheren Rahmen für ehrliche Gespräche. Gerade für die Zielgruppe der gering- und nichtqualifizierten Beschäftigten liegt hier eine Chance (vgl. Calmez/Winkler).
Die Bedeutung der Weiterbildung in Zeiten der Transformation
Bisherige Beratungsansätze konnten nicht die gewünschten Erfolge erzielen, diese Zielgruppe nimmt immer noch seltener an Weiterbildungen als andere Gruppen teil. Die Gründe für deren geringere Weiterbildungsbeteiligung sind vielfältig (vgl. Fliegener/Lacher/Rohs). Sie reichen von individuellen Vorbehalten, zum Beispiel aufgrund negativer Lernerfahrungen oder Lernentwöhnung, bis hin zu strukturellen Hürden. Dabei ist es vor allem für diese Beschäftigten wichtig, sich weiterzubilden, um die eigene Beschäftigungsfähigkeit in Zeiten der Transformation zu erhalten (vgl. Kremers/Plünnecke/Vahlhaus; Noack/Müller).
Trotz des hohen Transformationsdrucks ist Weiterbildung auch hier kein Selbstläufer. Mit gezielter Unterstützung können jedoch auch gering qualifizierte Beschäftigte eine ähnlich hohe Weiterbildungsbeteiligung erreichen wie höher Qualifizierte (vgl. Heß/Leber).
Toolbox für die Praxis
Insbesondere im Projekt mendi.net hat die Gewerkschaft ver.di das Konzept des Weiterbildungsmentorings unter anderem in der kommunalen Verwaltung erprobt (verdi-mendi.net). Dabei zeigte sich, dass Weiterbildungsmentoren einen wichtigen Beitrag leisteten und auf großes Interesse bei allen Beteiligten stießen. Zum Abschluss des Projekts wurde eine Toolbox veröffentlicht, die praxisnahe Handlungshilfen und zentrale Instrumente für die erfolgreiche Umsetzung von Weiterbildungsmentoring enthält.
Neue Förderrichtlinie
Das Ministerium für Bildung und Forschung hat den Bedarf an Unterstützung für Betriebe und Mitarbeitende durch Weiterbildungsmentoring erkannt und am 7. November 2024 eine neue Förderrichtlinie veröffentlicht. Die Projekte sollen im vierten Quartal 2025 starten. Das Interesse an der Bekanntmachung war groß – was sich unter anderem an den hohen Teilnehmerzahlen an zwei Informationsveranstaltungen des Bundesinstitut für Berufsforschung zu der neuen Förderung im Januar und Februar gezeigt hat.
Denn gesellschaftliche Entwicklungen wie die digitale und ökologische Transformation machen auch vor der öffentlichen Verwaltung nicht Halt. So verpflichtet etwa das Onlinezugangsgesetz Kommunen zur Digitalisierung ihrer Verwaltungsleistungen, während die UN-Agenda 2030 dazu anhält, einen aktiven Beitrag zur Nachhaltigkeit zu leisten (vgl. Happ & Kalevi Dieke). Beide Vorgaben erhöhen den Qualifizierungsdruck innerhalb der öffentlichen Verwaltungen deutlich.
Besonders betroffen sind Beschäftigte in einfachen bis mittleren Sachbearbeitungsfunktionen, deren Aufgaben durch Automatisierung und Digitalisierung teilweise ersetzt oder grundlegend verändert werden (vgl. Zanker). Das zeigt, dass Weiterbildungsmentorinnen und -mentoren nicht nur für formal gering- und nichtqualifizierte Beschäftigte hilfreich sein können.
Die Qualifizierung von Weiterbildungsmentoren ist ein wichtiger Schritt, um diesen Entwicklungen gut vorbereitet entgegenzutreten und faire Teilnahmechancen an Weiterbildungen für alle Beschäftigten zu gewährleiten.
Marina Winkler
Die Autorin
Marina Winkler ist Teamleiterin im Arbeitsbereich „Innovative Weiterbildung, Durchlässigkeit, Modellversuche“ beim Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB).
Quellen
- Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) informiert auf seiner Website zu den Weiterbildungsmentoren.
- A. Calmez, M. Winkler: Metakonzept zur Qualifizierung von Weiterbildungsmentorinnen und -mentoren (2025, unveröffentlicht).
- L. Fliegener, S. Lacher, M. Rohs: Geringqualifizierung – Eine relative Perspektive
- M. Happ, A. Kalevi Dieke: Analyse von Digitalisierungsstrategien deutscher Kommunen. WIK Diskussionsbeitrag. No. 523.
- P. Heß, U. Leber; Betriebe unterstützen die Teilnahme von Höherqualifizierten an Weiterbildungen häufiger als bei Geringqualifizierten (2025)
- C. Kremers, A. Plünneke, L. Vahlhaus: Zunehmende Bedeutung von Grundbildung und Weiterbildung für Geringqualifizierte. IW-Trends. 3/2023. Institut der deutschen Wirtschaft.
- M. Noack, J. Müller: Mehr Fachkräfte in jeder Region – Deckung des regionalen Fachkräftebedarfs durch Teilqualifikationen. Bertelsmann Stiftung (2023).
- C. Zanker: Ämter ohne Aktenordner? E-Government & Gute Arbeit in der digitalisierten Verwaltung. WISO-Diskurs 06/2019. Friedrich-Ebert-Stiftung (2019).



