In Skandinavien parken die meisten Autofahrer digital. Im schwedischen Lund verzichtet man sogar vollständig auf Automaten. Deutsche Städte wie Göttingen gehen nun ähnliche Wege. Da auch hierzulande viele Kommunen Handy-Parken anbieten, zeigt Elin Keim, wie digitale Lösungen den Haushalt entlasten.

Seit Jahren nimmt in der schwedischen Stadt Lund die Nutzung der Parkautomaten kontinuierlich ab: Zuletzt entfielen nur noch zwei bis drei Prozent der Zahlungen auf klassische Parkautomaten. Parallel dazu stiegen die Betriebs- und Wartungskosten für die in die Jahre gekommenen Geräte auf etwa eine Million schwedischer Kronen (rund 91.000 Euro) pro Jahr. Auch die Versorgung mit Ersatzteilen gestaltete sich immer schwieriger und kostenaufwendiger.
Seit Mai 2025 wurden die Parkautomaten in Parkhäusern wie auch auf sonstigen öffentlichen Parkflächen, die von einer Tochterfirma der Stadt bewirtschaftet werden, Schritt für Schritt abgebaut. Der Umstieg auf das rein mobile Parken wurde pünktlich zum 1. Juli 2025 umgesetzt.
Bargeldloses Zahlen kommt an
Deutschland ist dagegen noch weit von der Akzeptanz und Nutzung eines digitalen Bezahlens wie in Schweden entfernt. Das zeigen Zahlen einer von Parkster in Auftrag gegebenen YouGov-Umfrage. Für diese Befragung wurden vom 27. bis 29. Januar 2025 insgesamt 2032 Personen (Autofahrer: 1676) befragt. Die Ergebnisse sind repräsentativ für die Wohnbevölkerung in Deutschland ab 18 Jahren.
55 Prozent der befragten Autofahrer äußerten, dass sie ihr Parkticket am liebsten bar bezahlen. Gleichzeitig gaben aber 34 Prozent der Befragten an, bereits eine Park-App für das digitale Bezahlen ihres Parkscheins mit dem Smartphone verwendet zu haben.
Die Offenheit für bargeldlose Bezahlverfahren in Deutschland nimmt aber Fahrt auf. Das manifestiert sich nicht zuletzt an der wie aus dem Boden schießenden Anzahl an SB-Kassen bei den führenden Retailern in Deutschland. Was mit Ikea als einem der großen Vorreiter begann, findet sich jetzt auch in Supermärkten in ländlichen Regionen und stößt in der Breite der Bevölkerung auf immer höhere Akzeptanz.
Laut einer von der Deutschen Presse-Agentur in Auftrag gegebenen YouGov-Umfrage spricht sich mittlerweile eine Mehrheit von 57 Prozent dafür aus, dass Geschäfte künftig verpflichtet werden, mindestens eine bargeldlose Bezahloption anzubieten. Lediglich sechs Prozent der Befragten gaben an, ihre Einkäufe nie bargeldlos zu bezahlen. „Oft“ entscheiden sich 44 Prozent der Befragten für Smartphone oder Karte an der Kasse.
Digitales Parkmanagement in Göttingen
Eine mit Lund vergleichbare Stadt in Deutschland, die frühzeitig auf Digitalisierung setzte, ist das niedersächsische Göttingen, ebenfalls Universitätsstadt, mit rund 135.000 Einwohnern. Göttingen führte im Sommer 2021 das Parken mit einer App ein. Ziel war es, den Bürgern eine Alternative zum Bezahlen mit Münzen anzubieten. Bereits 2019 testete die Stadt dazu Parkautomaten, über die ausschließlich bargeldlos mit Karte bezahlt werden konnte. Deren Einführung hätte hohe Investitionskosten zur Folge gehabt – mit Beginn der Coronazeit im März 2020 gewann das Thema kontaktloses Bezahlen dann aber massiv an Bedeutung.
Göttingen entschied sich anders als Lund nicht für eine Plattformlösung, bei der Autofahrer aus verschiedenen Apps für das digitale Parken wählen können, sondern für eine App. Bereits ein Jahr nach der Einführung bezahlte bereits jeder Fünfte seine Parkgebühr auf diesem Weg. Heute sind es 46 Prozent.
Je mehr Autofahrer ihren Parkschein per App lösen, desto weniger Zeit- und Personalaufwand sowie Kosten für das Bargeldhandling entstehen der Stadt. Eine hohe Akzeptanz für das Smartphone-Parken eröffnet gleichzeitig Spielräume, die Anzahl der Parkautomaten zu reduzieren. Damit mindern sich für die Stadt etwa die Kosten für deren regelmäßige Wartung und Reinigung sowie die damit verbundene Arbeitszeit und Fahrtwege. Ebenso ist es für die Anfahrt der Parkautomaten bei Gebührenänderungen und deren Beschilderung.
Weniger Parkautomaten bedeuten auch weniger Störungsfälle, die einen Vor-Ort-Einsatz erfordern – verursacht beispielsweise durch Münzstau oder einen Papierstau des Parkautomatendruckers bei feuchtem Wetter. Hinzu kommt: Jede Störung bedeutet für die Stadt nicht nur zusätzlichen Zeit- und Arbeitsaufwand, sondern auch einen Einnahmenausfall bei den Parkgebühren.
Wie Göttingen sich aufstellt
Die schnelle und hohe Akzeptanz des digitalen Bezahlens per App seitens der Bürger floss auch in die Überlegungen zur Parkraumbewirtschaftung der Göttinger Oststadt ein. Im Rahmen ihres Umwelt- und Verkehrskonzepts erweiterte Göttingen im Sommer 2025 die Oststadt mit ihren etwa 2000 öffentlichen Stellplätzen für Autofahrer und Bewohner in eine kostenpflichtige Parkraumzone. Die Stadt erwartet sich aus der Parkraumbewirtschaftung des Stadtteils künftig jährliche Einnahmen in Höhe von etwa 350.000 Euro sowie rund 120.000 Euro aus dem gleichzeitig eingeführten Bewohnerparken.
Erste Planungen hatten 100 neue Parkautomaten vorgesehen und allein dafür rund eine Million Euro Investitionskosten veranschlagt. Heute genügen zur Abdeckung der Fläche zwölf Geräte aus dem Bestand der Stadt. Die kompletten Aufwendungen für die Erweiterung der Parkraumbewirtschaftung inklusive der Beschilderung liegen jetzt bei nur rund 150.000 Euro.
Ein wichtiger Aspekt für die Kosteneinsparung: Anstelle der Ausweisung von Zonen für das reine Bewohnerparken und Mischzonen wird eine große Parkraumbewirtschaftungszone inklusive zweier Bewohnerbereiche eingerichtet. Der Umfang der erforderlichen Beschilderung reduziert sich dadurch deutlich, da nur an den Einfahrten in die Parkzone sowie separat für die beiden Bewohnerbereiche eine Beschilderung erforderlich ist.
68 Prozent bezahlen per App
Vor dem Hintergrund der hohen Akzeptanzquote des Smartphone-Parkens in Göttingen soll das mobile Bezahlen weiter gefördert werden. In der Oststadt soll sich das Bezahlen des Parktickets mit der App als das präferierte Verfahren etablieren. Der Plan scheint aufzugehen: Schon in den ersten beiden Monaten nach Start des gebührenpflichtigen Parkens entfielen dort rund 68 Prozent der Parkeinnahmen auf das digitale Bezahlen per App.
Für diejenigen, die Vorteile des Bezahlens per App wie etwa das flexible Verlängern oder Verkürzen der Parkzeit nicht nutzen wollen, hält die Stadt Göttingen in der Oststadt auch Parkautomaten bereit – wenngleich in reduzierter Anzahl.
Elin Keim



