Berufsbegleitend studieren in der Verwaltung: Warum es sich gleich doppelt auszahlt

Ein berufsbegleitendes Studium ist eine Herausforderung – für die Mitarbeiter wie für die Verwaltung. Warum es sich dennoch unbedingt lohnt, und zwar für beide Seiten, schlüsselt Bildungsexpertin Jessica Ordemann auf.

Berufsbegleitendes Studium
Die Digitalisierung mit neuen Lernforma-ten erleichtert das berufsbegleitende Studieren enorm, so die Zwischenbilanz der Expertin. Viel Zeit lässt sich allein schon sparen, wenn die eigene Wohnung zur Uni wird. Foto: Adobe Stock/Marcos

Die Anforderungen an die öffentliche Verwaltung verändern sich rasant. Megatrends wie Digitalisierung, Nachhaltigkeit, Migration, demografischer Wandel und Fachkräftemangel treffen auf eine Verwaltungsstruktur, die traditionell stark regelgebunden und stabilitätsorientiert arbeitet.

Um diesen Spannungsfeldern zu begegnen, reichen technische Lösungen nicht aus. Gefragt sind Beschäftigte, die Wandel reflektiert verstehen, einordnen und aktiv mitgestalten können.

Aktuelles Wissen für den Beruf

Ein berufsbegleitendes Studium bietet für Beschäftigte einen besonderen Mehrwert. Es ermöglicht eine akademisch fundierte Weiterbildung, ohne den Beruf unterbrechen zu müssen, und verbindet den Erwerb von aktuellem theoretischem Wissen unmittelbar mit der eigenen Berufspraxis.

Diese Wechselwirkung macht das berufsbegleitende Studium zu einem besonders wirkungsvollen Lernformat – gerade in einer Zeit, in der Adaptionsfähig-keit zur Schlüsselressource wird.

Digitalisierung ebnet Wege

In den letzten Jahren haben sich Struktur und Wahrnehmung des berufsbegleitenden Studiums deutlich verändert. Digitale Lernplattformen und virtuelle Lernformate ermöglichen heute ein zeit- und ortsunabhängiges Studium.

Hochschulen haben ihre Angebote ausgebaut und an die Bedürfnisse von Berufstätigen angepasst: Neue (private) Fernhochschulen mit asynchronen Lernformaten, virtuelle Vorlesungen und modulare Aufbauprogramme sind nur einige der Veränderungen, die den Zugang zum Studium erleichtern.

Diese Entwicklung geht mit veränderten Lernanforderungen einher. Wer berufsbegleitend studiert, übernimmt Verantwortung für den Lernprozess, plant ihn eigenständiger und setzt sich intensiver mit digitalen Tools auseinander.

Das führt nicht nur zu einem Kompetenzgewinn auf fachlicher Ebene, sondern stärkt auch Schlüsselqualifikationen wie Selbstorganisation, digitale Souveränität und kritisches Denken. Nicht zuletzt verbessert ein erfolgreicher Studienabschluss die beruflichen Perspektiven.

Klarheit über die eigenen Ziele

Ein berufsbegleitendes Studium ist eine anspruchsvolle, aber lohnende Investition. Trotz aller Fortschritte bleibt die Mehrfachbelastung durch Beruf, Studium und Privatleben eine zentrale Herausforderung. Viele Studenten empfinden diesen Spagat als belastend. Die hohe Eigenverantwortung in digitalen Lernsettings erfordert ausgeprägte Selbstdisziplin. Auch das Gefühl von sozialer Isolation, insbesondere in reinen Online-Studiengängen, kann die Motivation beeinträchtigen.

Umso wichtiger ist eine bewusste Auseinandersetzung mit den eigenen Zielen. Geht es um fachliche Spezialisierung oder einen angestrebten Rollenwechsel? Darüber hinaus ist eine realistische Einschätzung der eigenen zeitlichen Ressourcen und eine gute Studienorganisation wichtig.

Was im Studium helfen kann

Hilfreich ist zudem, das Studium nicht als isoliertes Projekt zu begreifen. Der Austausch mit Kolleginnen und Kollegen, Lerngruppen oder digitalen Communities kann nicht nur fachlich bereichern, sondern bietet auch Raum für gegenseitige Unterstützung und Motivation.

Schließlich hilft der frühzeitige Dialog mit der Führungskraft, etwa zu flexiblen Arbeitszeiten oder zur Einbindung von studienbezogenen Inhalten in den Arbeitskontext, um das Studium im Arbeitsalltag zu verankern und Synergien zu nutzen.

Berufsbegleitende Studiengänge sind nicht nur individuelle Bildungsentscheidungen, sondern auch ein strategisches Instrument zur Zukunftssicherung der öffentlichen Verwaltung. Sie tragen gezielt zum Aufbau von Kompetenzen bei, die für Innovationsfähigkeit, Problemlösung und organisationalen Wandel erforderlich sind.

Was die Verwaltung beachten sollte

Personalverantwortliche sind daher gefordert, akademische Weiterbildung systematisch in die Personalentwicklung zu integrieren – etwa durch Beratung, Informationsangebote oder Kooperationen mit Hochschulen. Gleichzeitig sollte die Arbeitgeberseite Freistellungen oder Fördermittel gewähren sowie klare Anrechnungsmodelle und Karrierepfade für erworbene Qualifikationen aufzeigen.

Ein berufsbegleitendes Studium ist kein individueller Luxus, sondern eine notwendige Investition in die Zukunftsfähigkeit der Verwaltung. Studierende Mitarbeiter bringen neue Impulse, reflektierte Handlungsperspektiven und hohe Eigeninitiative in ihre Arbeit ein. Sie sollten durch flexible Arbeitszeitmodelle, zeitliche Freiräume in Prüfungsphasen und die gezielte Nutzung studienbezogener Kompetenzen im Arbeitsalltag unterstützt werden.

Ein Gewinn für alle Seiten

So kann eine Lernkultur entstehen, in der kontinuierliche Qualifizierung als selbstverständlicher Teil beruflicher Identität verstanden wird. Dies stärkt individuelle Kompetenz und organisationale Resilienz und ist damit ein Schlüssel, die aktuellen und künftigen Herausforderungen souverän zu meistern.

Ein Bekenntnis zum berufsbegleitenden Studium verbindet persönliche Entwicklung mit strategischem Mehrwert – für die Beschäftigten und die Institution als Ganzes.

Jessica Ordemann


Die Autorin

Dr. Jessica Ordemann leitet das Projekt „Die Studierendenbefragung in Deutschland“ am Deutschen Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW).


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