Mehr Raum für Ebbe und Flut: Wie ein Naturschutzgroßprojekt das natürliche Wassermanagement an der Unterelbe stärken soll

Ebbe und Flut sollen die Unterelbe wieder stärker prägen. Im Rahmen des Naturschutzgroßprojekts Krautsand werden Nebengewässer angebunden, Gewässer revitalisiert und natürliche Wasserlandschaften entwickelt. Das Aktionsprogramm Natürlicher Klimaschutz fördert das Vorhaben.

Naturschutzgroßprojekt Krautsand
Das Elbeästuar ist Deutschlands größter von den Gezeiten geprägter Mündungsbereich. Das Naturschutzgroßprojekt Krautsand soll die natürliche Dynamik von Ebbe und Flut wieder stärken. Foto: Adobe Stock/traveldia

An der Unterelbe soll in den kommenden Jahren das natürliche Wassermanagement gestärkt werden. Geplant sind die Wiederanbindung von Nebengewässern sowie die Renaturierung natürlicher Wasserlandschaften, um den Hitze- und Hochwasserschutz zu verbessern. Für die zweite Phase des Naturschutzgroßprojekts „Krautsand“ hatte Bundesumweltminister Carsten Schneider in Wischhafen bereits Ende August 2026 einen Förderscheck überreicht.

Gemeinsam mit dem niedersächsischen Umweltminister Christian Meyer besichtigte Schneider den von Ebbe und Flut geprägten Mündungsbereich der Elbe. Die Bundesregierung unterstützt das Vorhaben im Rahmen des Aktionsprogramms Natürlicher Klimaschutz (ANK) mit rund 12 Millionen Euro. Dies berichtet das Bundesamt für Naturschutz in einer Mitteilung.

Mehr Raum für Wasser und Natur

„Der Unterlauf der Elbe ist die größte von den Gezeiten geprägte Flussmündung in Deutschland und eine der größten in Europa. In den letzten Jahrzehnten ist diese Flussmündung vom Menschen stark verändert worden“, berichtet Bundesumweltminister Carsten Schneider.

„Durch Deiche sind viele Überflutungsflächen verlorengegangen. Nebenarme der Elbe wurden abgetrennt und die Fahrrinne für die Schifffahrt vertieft. Wenn wir der Natur jetzt wieder mehr Raum geben, hat das viele positive Effekte. Seltene Tier- und Pflanzenarten gewinnen mehr Lebensraum, wiedervernässte und naturnahe Feuchtgebiete binden Kohlenstoff und speichern Wasser.“

Schneider fährt fort: „Damit erhöhen wir die Widerstandsfähigkeit unser Naturräume gegenüber Dürre, Hitze und Hochwasser. Das ist genau der richtige Ansatz, den wir angesichts des diesjährigen Hitzesommers auch in anderen Regionen brauchen: das Wasser wieder in der Landschaft halten und damit die Vorsorge vor extremen Folgen des Klimawandels verbessern.“ 

Lebensräume im Elbeästuar erhalten und erweitern

Das rund 2.825 Hektar umfassende Fördergebiet befindet sich im Elbeästuar am Westufer der Unterelbe zwischen Wischhafen und dem Asseler Sand. Geprägt von Ebbe und Flut markiert das Ästuar den Übergang zwischen dem Flussökosystem der Elbe und dem Küstenökosystem des Wattenmeers. In diesen von Gezeiten beeinflussten Mündungsbereichen treffen Fluss- und Meerwasser aufeinander und schaffen vielfältige Lebensräume.

Das Projekt verfolgt das Ziel, die für das Elbeästuar charakteristischen Lebensräume zu sichern, aufzuwerten und zu erweitern. Im Mittelpunkt steht die Wiederherstellung einer naturnahen Tidedynamik, damit Ebbe und Flut das Fördergebiet wieder stärker beeinflussen können.

Vorgesehen sind unter anderem die Wiederanbindung von Prielen und Nebengewässern, die Revitalisierung von Gewässern, die Entwicklung artenreicher Grünland-Wasserlandschaften sowie Pilotprojekte für ein naturnahes Wassermanagement. Zudem leistet das Vorhaben einen Beitrag zur Umsetzung der EU-Wiederherstellungsverordnung.

Die Bundesregierung stellt für die Umsetzungsphase des Naturschutzgroßprojekts Krautsand rund 12 Millionen Euro aus dem ANK zur Verfügung. Weitere Finanzmittel stellt das Land Niedersachsen mit rund 2 Millionen Euro bereit. Die Projektnehmer WWF und NABU-Stiftung Nationales Naturerbe steuern ebenfalls Beträge in Höhe von rund 2 Millionen Euro bei. Das Bundesamt für Naturschutz (BfN) betreut das Projekt fachlich und administrativ.

Red.


Hintergrund

Das Elbeästuar ist Deutschlands größtes Ästuar und Lebensraum zahlreicher Tier- und Pflanzenarten, die an die dortigen besonderen Bedingungen angepasst sind. Dazu zählen der weltweit ausschließlich an der Unterelbe vorkommende Schierlings-Wasserfenchel sowie die für das Elbeästuar typische und seltene Elbe-Schmiele. Gleichzeitig gehören Ästuare zu den Lebensräumen, die auf besonders starke Veränderungen durch menschliche Eingriffe zurückblicken.

Das Bundesumweltministerium (BMUKN) unterstützt mit dem Aktionsprogramm Natürlicher Klimaschutz Projekte, die sowohl dem Klimaschutz dienen als auch vielfältige Ökosysteme schaffen und stärken.


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