Klimaneutralität bis 2035: Vier Kommunen beschleunigen den Klimaschutz

Die Städte Freiburg und Ludwigsburg, der Landkreis Calw sowie die Gemeinde Denzlingen wollen bereits 2035 treibhausgasneutral sein und damit fünf Jahre früher als im Land vorgesehen. Unterstützt vom Umweltministerium Baden-Württemberg setzen die vier Modellkommunen mehr als 60 Projekte um, von Wärmepumpen-Bündelungsaktionen über Klimaquartiere bis hin zu innovativen Mobilitäts- und Energieprojekten.

Klimaneutralität 2035
Vier Modellkommunen in Baden-Württemberg erproben innovative Maßnahmen für Klimaschutz, Energiewende und nachhaltige Mobilität mit dem Ziel der Treibhausgasneutralität bis 2035. Foto: Adobe Stock/chaylek

Baden-Württemberg strebt bis 2040 Klimaneutralität an. Einige Kommunen wollen dieses Ziel jedoch bereits fünf Jahre früher erreichen: Die Städte Freiburg im Breisgau und Ludwigsburg, der Landkreis Calw sowie die Gemeinde Denzlingen planen, bis 2035 treibhausgasneutral zu werden. Das Umweltministerium Baden-Württemberg unterstützt die vier Modellkommunen dabei mit Fördermitteln von bis zu 11,5 Millionen Euro.

Im Förderprojekt „Auf dem Weg zur Klimaneutralität bis 2035“ biegen die vier Kommunen nun auf die Zielgerade ein. Insgesamt haben sie mehr als 60 Maßnahmen angestoßen oder bereits umgesetzt. Dazu zählen unter anderem eine kommunal organisierte Bündelungsaktion für Wärmepumpen, Sanierungssprints, ein Konzept zur gemeinschaftlichen Nutzung privater Wallboxen, Muster-Sanierungssteckbriefe für Wohngebäude sowie die zeitweise Umwandlung einer Straße in eine Fußgängerzone.

Koordiniert wird das Projekt von der KEA Klimaschutz- und Energieagentur Baden-Württemberg (KEA-BW) in Zusammenarbeit mit dem Projektträger Karlsruhe (PTKA), der für die fördertechnische Abwicklung zuständig ist. Die Laufzeit endet im Februar 2027. Die KEA Klimaschutz- und Energieagentur Baden-Württemberg stellt einige der Maßnahmen, die die Kommunen ergreifen, in einer Mitteilung vor.

Freiburg setzt auf Solarenergie, ein Klimaquartier und Gebäudesanierungen

Freiburg setzt 2026 mit dem „Solarsommer“ einen Schwerpunkt auf die Verbreitung von Solarenergie. Mit Bildungs-, Beratungs- und Mitmachangeboten für verschiedene Zielgruppen soll das Thema stärker im Stadtleben verankert werden.

Zudem entwickelt Freiburg ein Quartier im Stadtteil Zähringen zu einem Klimaquartier weiter. Workshops, Beratungsangebote und weitere Mitmachaktionen sollen Klimaschutz im Alltag sichtbarer machen und bürgerschaftliches Engagement stärken.

Ein weiterer Fokus liegt auf der energetischen Gebäudesanierung. Geplant sind unter anderem Sanierungssprints, Muster-Sanierungssteckbriefe und Informationsangebote für Eigentümerinnen und Eigentümer. Das Berechnungstool „KliBERT“ bilanziert Treibhausgasemissionen in neuen Baugebieten und steht interessierten Kommunen auf Anfrage zur Verfügung.

Neue Wege für Heizungstausch und Gebäudesanierung in Ludwigsburg

In Ludwigsburg läuft derzeit eine kommunal organisierte Wärmepumpen-Bündelungsaktion. Sie soll Eigentümerinnen und Eigentümern den Umstieg von fossilen Heizungen erleichtern, Abläufe vereinfachen sowie mögliche Kostenvorteile erschließen. Bereits mehr als 200 Interessierte haben sich angemeldet.

Zudem erprobt die Stadt mit dem Sanierungssprint ein Modell, bei dem Wohngebäude unter Koordination eines Sanierungscoachs innerhalb von 22 Werktagen energetisch saniert werden. Aus Mitteln des Landeswettbewerbs unterstützt Ludwigsburg ausgewählte Vorhaben mit bis zu 25.000 Euro.

Auch die Solarenergie wird ausgebaut: Im April nahm die Stadt rund um die Hauptfeuerwache ihren bislang größten Photovoltaik-Komplex in Betrieb. Die drei Anlagen verfügen über eine installierte Leistung von 295 Kilowatt und erzeugen mit 659 Modulen jährlich rund 300.000 Kilowattstunden Strom. Ergänzt werden soll die Anlage durch einen Batteriespeicher mit vier Batterietürmen.

Solarenergie, Wallboxen und smarte Infrastruktur im Landkreis Calw

Der Landkreis Calw fördert über einen eigens eingerichteten Innovationsfonds inzwischen 34 Klimaschutzprojekte in seinen 25 Städten und Gemeinden. Dafür stehen 1,7 Millionen Euro zur Verfügung; insgesamt erhält der Kreis bis zu fünf Millionen Euro vom Umweltministerium.

Zu den aktuellen Vorhaben zählt ein Maßnahmenpaket im Freibad Bad Liebenzell mit einer Photovoltaikanlage, einer Solarthermieanlage für das Schwimmerbecken und einem energieeffizienten Wärmetauscher für das Kleinkinderbecken. Zudem errichtet das Landratsamt auf seinem Parkplatz eine vertikale Photovoltaikanlage mit 150 Kilowatt Leistung, die Teile eines Konzepts zur Ausweitung der Eigenstromversorgung ist und durch Batteriespeicher ergänzt werden soll.

Darüber hinaus untersucht der Landkreis die öffentliche Mitnutzung privater Wallboxen als Baustein der Ladeinfrastruktur. Ebenfalls geplant ist die Ausstattung aller 194 Glascontainer mit Füllstandssensoren, um Leerfahrten zu reduzieren und Emissionen zu senken.

Denzlingen setzt auf Verkehrsberuhigung, Mobilität und Nahwärme

Die Gemeinde Denzlingen mit rund 14.000 Einwohnerinnen und Einwohnern erhält bis zu 500.000 Euro Fördermittel und setzt auf Verkehrsberuhigung. Vom 18. September bis 14. Dezember 2026 testet sie eine temporäre Fußgängerzone in der Rosenstraße. Geplant sind unter anderem Sitzgelegenheiten, Pflanzkübel, Veranstaltungen und Mitmachaktionen. Verkehrszählungen und eine Bürgerbefragung sollen Erkenntnisse für die Weiterentwicklung der Ortsmitte liefern.

Auch im Mobilitätsbereich werden neue Ansätze erprobt. Die Carsharing-Station am Park+Ride wurde elektrifiziert und bietet seit Juli 2025 zwei vollelektrische Fahrzeuge. Im Projekt „AndersMobil“ verzichteten zudem fünf Haushalte zeitweise auf ihr eigenes Auto und testeten alternative Mobilitätsangebote.

Fortschritte gibt es auch beim Nahwärmenetz: Im Januar 2026 gründeten die Gemeinde und die lokale BürgerEnergiegenossenschaft eine gemeinsame Wärmegesellschaft, an der sich Bürgerinnen und Bürger beteiligen können. Das geplante Kernnetz soll unter anderem den Schulcampus, das Kultur- und Bürgerhaus sowie Neubaugebiete versorgen. Zudem prüfen Studien die Einbindung weiterer Gebiete und den Einsatz erneuerbarer Energien im Areal „Weihermatten“.

Red.

Mehr zum Thema

Hitzeschutz in Kommunen

Hitzeschutz in Ludwigshafen: Stadt plant Millioneninvestitionen für Klimaanpassung

Hitzeperioden stellen Städte zunehmend vor neue Herausforderungen. Ludwigshafen will deshalb den Hitzeschutz systematisch ausbauen und plant ein Maßnahmenpaket mit Investitionen …
Klimaanpassung in Kiel

Klimaanpassung in Kiel: Hitzeschutz als kommunale Daueraufgabe

Folgen des Klimawandels sind in diesem Sommer besonders heftig zu spüren – aber nicht erst jetzt legt Kiel einen starken …
Klimafreundliche Wärmenetze

Klimafreundliche Wärmenetze für kleine Kommunen: Modellprojekt im Landkreis Neumarkt setzt auf Klimaschutz

Der Landkreis Neumarkt in der Oberpfalz versorgt auch kleinere Kommunen ohne eigene Stadtwerke mit klimafreundlicher Wärme. Eine entscheidende Rolle spielen …