Serielle Sanierungen können die Treibhausgasemissionen von Wohngebäuden über deren gesamten Lebenszyklus deutlich senken. Das zeigt eine aktuelle Lebenszyklusanalyse der Deutschen Energie-Agentur (dena). Im untersuchten Modellprojekt reduzierten sich die Emissionen je nach Sanierungsvariante um 74 bis 81 Prozent.

Serielle Sanieren kann die Treibhausgasemissionen von Wohngebäuden über deren gesamten Lebenszyklus stark reduzieren. Zugleich bietet es Potenzial für die Kohlenstoffspeicherung.
Das belegt eine dena-Studie des Kompetenzzentrums Serielles Sanieren zur Lebenszyklusanalyse (LCA): Im untersuchten Modellprojekt reduzieren sich die Treibhausgasemissionen je nach Sanierungsvariante um 74 bis 81 Prozent. Zudem steigern biobasierte Materialien in der Konstruktion die Fähigkeit zur Kohlenstoffspeicherung. Dies berichtet die Deutsche Energie-Agentur (dena) in einer Mitteilung.
Serielles Sanieren als Baustein der Energiewende
„Unsere Studie stellt heraus, dass für die Klimawirkung eines Gebäudes neben der Energieeffizienz auch Materialien und Konstruktion, die technische Gebäudeausrüstung (TGA) sowie die Energieversorgung entscheidend sind“, erklärt Corinna Enders, Vorsitzende der dena-Geschäftsführung. „Mit der seriellen Sanierung treiben wir eine Lösung voran, die diese Aspekte zusammenführt. Sie macht Sanierung skalierbar und leistet damit einen wichtigen Beitrag zur Energiewende.”
Die von der dena beauftragte Studie wurde von weberbrunner pischetsrieder architektur und FrieNa – Friedel Nachhaltigkeitsberatung in Kooperation mit der TAG Immobilien AG erstellt. Sie analysiert die Klimawirkung von Sanierungen über einen Zeitraum von 50 Jahren. Grundlage sind zwei unsanierte Mehrfamilienhäuser der TAG Immobilien AG in Salzgitter aus dem Baujahr 1962 mit der Energieeffizienzklasse F.
Im Jahr 2026 werden die Gebäude mit vorgefertigten Holzständerelementen seriell saniert und auf den Effizienzhausstandard EH 55 gebracht. Für den Vergleich der Klimawirkung über den gesamten Lebenszyklus untersucht die Analyse in drei Szenarien die eingesetzten Baustoffe und Bauteile, die technische Gebäudeausrüstung (TGA) sowie den Energiebedarf in der Nutzungsphase. Die Szenarien „unsaniert“ und „konventionell saniert“ wurden auf Basis der vorliegenden Daten für die LCA simuliert.
Treibhausgasemissionen sinken um bis zu 81 Prozent
Die Ergebnisse zeigen über den gesamten Lebenszyklus leichte Vorteile der seriellen Sanierung. Während die konventionelle Sanierung die Treibhausgasemissionen gegenüber dem unsanierten Referenzzustand um rund 74 Prozent reduziert, liegt die Minderung bei der seriellen Sanierung bei rund 79 Prozent. Die materialoptimierte serielle Variante mit Re-Use erzielt eine Reduktion von rund 81 Prozent.
Gründe dafür sind unter anderem geringere Emissionen in der Konstruktion sowie reduzierte Wärmeverluste. Der gezielte Einsatz nachwachsender Rohstoffe (NaWaRo) und von Re-Use-Materialien verbessert die Klimabilanz zusätzlich. Im untersuchten Modellprojekt werden durch die serielle Sanierung gegenüber dem unsanierten Zustand rund 3.000 Tonnen CO₂-Äquivalente eingespart.
Gebäude können zu Kohlenstoffspeichern werden
Der Aufwand für die Sanierung und den technischen Ausbau amortisiert sich energetisch aufgrund der deutlich reduzierten Betriebsenergie bereits nach zwei bis drei Jahren. Einen wesentlichen Einfluss auf die Emissionsbilanz hat zudem der eingesetzte Energiemix. Für eine wirksame Dekarbonisierung müssen daher Gebäudehülle, technische Gebäudeausrüstung (TGA) und Energieversorgung gemeinsam betrachtet werden.
Weitere Potenziale bieten die gezielte Kombination nachwachsender Rohstoffe (NaWaRo) und von Re-Use-Materialien. Sie können dazu beitragen, Gebäude zu Kohlenstoffspeichern zu machen. Der in nachwachsenden Rohstoffen gebundene Kohlenstoff bleibt langfristig in den Bauteilen gespeichert, sofern eine Freisetzung am Ende der Lebensdauer vermieden wird. Vorgefertigte Bauteile und lösbare mechanische Verbindungen im seriellen Sanieren schaffen dafür günstige Voraussetzungen und erleichtern die spätere Wiederverwendung von Bauteilen und Materialien.
Biobasierte Materialien und Kreislaufwirtschaft stärken
Aus den Studienergebnissen leitet sich die Empfehlung ab, dass Wohnungsunternehmen und Investoren serielle Sanierungen mit biobasierten Materialien bevorzugen und zirkuläre Prinzipien in Ausschreibungen berücksichtigen sollten. Politik und Kommunen können die Rahmenbedingungen für klimafreundliche Sanierungen durch geeignete Förderbedingungen verbessern, etwa durch die Berücksichtigung von Kohlenstoffspeichern in Förderprogrammen und erleichterte Zulassungsverfahren für ökologische Materialien.
Die Lebenszyklusanalyse zeigt zudem, dass sich mit der seriellen Sanierung die Anforderungen des Qualitätssiegels Nachhaltiges Gebäude (QNG) erfüllen lassen. Damit eröffnet sich perspektivisch die Möglichkeit, die NH-Klasse als zusätzlichen Förderanreiz für die serielle Sanierung zu nutzen.
Red.
Zur Studie
Die „Studie zur Lebenszyklusanalyse im seriellen Sanieren“ der Deutschen Energie-Agentur (dena) analysiert und vergleicht Sanierungsmaßnahmen von Wohngebäuden bezüglich ihrer Treibhausgasemissionen während der Sanierung und im Betrieb.




