Zwischenwohnen gegen Leerstand: Wie Landau ungenutzte Gebäude aktiviert

Mit dem Konzept des Zwischenwohnens setzen engagierte Bürgerinnen und Bürger in der rheinland-pfälzischen Stadt Landau ein Zeichen gegen Leerstand. Das Ziel: Die leerstehenden Gebäude wieder einer Nutzung zuzuführen und vor dem Verfall zu bewahren.

Zwischenwohnen gegen Leerstand
In Landau engagieren sich Bürgerinnen und Bürger dafür, ungenutzte Immobilien durch temporäre Wohnformen wieder mit Leben zu füllen. Foto: Adobe Stock/normankrauss

Landau ist eine kreisfreie Kleinstadt im Süden von Rheinland-Pfalz mit rund 49.000 Einwohnerinnen und Einwohnern. Die Stadt gilt als attraktiver und innovativer Wirtschaftsstandort und befindet sich zwischen Rhein und Pfälzer Wald in einer vom Weinbau geprägten Kulturlandschaft. Die Großstädte Karlsruhe und Mannheim liegen etwa 40 bis 50 Kilometer entfernt. Als Universitätsstadt verzeichnet Landau einen hohen Zuzug, insbesondere von Studierenden.

Die Innenstadt bietet zahlreiche Einkaufsmöglichkeiten, die auch von Bewohnerinnen und Bewohnern des strukturschwachen Umlands genutzt werden. Auf der Suche nach geeignetem Wohnraum wurden Lisa Bensel von der Landauer Leerstandsinitiative e.V. die vielen Leerstände in der Stadt schnell bewusst. Im Jahr 2025 standen über 1000 Wohneinheiten leer, von denen nach ihrer Einschätzung rund die Hälfte bezugsfertig gewesen wäre. Dies berichtet das Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen auf seiner Website.

Mit Veranstaltungen und Vernetzung gegen Leerstand

Gemeinsam mit der Mitinitiatorin des Projekts, Jenni Follmann, setzte sich Lisa Bensel bereits seit längerer Zeit gegen Leerstand und Flächenverbrauch ein. Im Herbst 2022 organisierten beide ein Kick-off-Treffen, um Interessierte für die Entwicklung eines temporären Wohnprojekts in einem leerstehenden Gebäude in Landau zu gewinnen. Die Resonanz war groß und die Gruppe der Teilnehmenden überraschend vielfältig. Rentnerinnen und Rentner, Studierende, Familien sowie Menschen mit unterschiedlichen politischen und ökologischen Interessen nahmen ebenso teil wie Vertreterinnen und Vertreter der Stadt.

„Zu dieser Zeit existierte in der Stadt noch gar kein Bewusstsein für das Thema Leerstand“, berichtet Bensel, „auch aufgrund unserer Aktivitäten konnte sich die Stadt dem Problem in seinem Ausmaß nicht länger entziehen.“

Im Mai 2023 wurde aus der Leerstandsinitiative heraus ein Verein gegründet. Das ehemalige Gasthaus Trifels in Landau wurde zum Arbeits- und Begegnungsort. Mit vielen unterschiedlichen Aktionen wie Stadtspaziergängen und Kulturveranstaltungen sowie gezielter Presse- und Öffentlichkeitsarbeit macht der Verein auf seine Arbeit aufmerksam

Darüber hinaus spielt die Vernetzung eine wichtige Rolle. Die Räume werden auch anderen Initiativen zur Verfügung gestellt, die als Multiplikatoren wirken. Im Sommer 2024 veranstalteten die Mitglieder unter dem Titel „STA(D)TT LEER“ eine auch überregional stark beachtete Leerstandskonferenz.

Das Konzept des Zwischenwohnens

Das Ziel der Initiative besteht darin, möglichst alle Leerstände der Stadt wieder sinnvoll zu nutzen. „Zunächst haben wir uns mit den Ursachen der Leerstände in Landau beschäftigt“, erklärt Catherine Schons, Schriftführerin des Vereins.

Die Gründe sind vielfältig und reichen vom geplanten Verkauf einer Immobilie über ungeklärte Konflikte und den vorgesehenen Einzug von Angehörigen. Aber auch ausstehende Genehmigungen, das Warten auf den Baubeginn und spekulative Motive gehören zu den Ursachen.

Vor diesem Hintergrund gehört die individuelle Ansprache und Beratung von Eigentümerinnen und Eigentümern zu den zentralen Instrumenten der Initiative. Leerstehende Immobilien werden dabei als Ressource verstanden, die unter anderem Lebens-, Arbeits- oder Kreativräume bieten kann und von anderen Menschen dringend gesucht wird.

Mit dem Konzept des Zwischenwohnens verfolgt die Initiative eine nachhaltige und ressourcenschonende Belebung leerstehender Gebäude in Landau. Im Mittelpunkt steht die zeitlich befristete Nutzung von Räumen, die während dieser Phase bewohnt, beheizt und gesichert werden. Das Zwischenwohnen kann dazu beitragen, den Druck auf den Markt für bezahlbaren Wohnraum zu verringern und zugleich den Erhalt von Gebäuden zu unterstützen.

Red.

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