Barrierefrei, nachhaltig, zukunftsfähig: Weshalb Oberstdorfs neuer inklusiver Spielplatz bestens ankommt

Mit dem neuen Spielplatz im Fuggerpark hat die Marktgemeinde Oberstdorf einen Ort geschaffen, an dem Kinder mit unterschiedlichen Fähigkeiten gemeinsam spielen können. Die inklusive Anlage verbindet Nachhaltigkeit und Teilhabe und dient anderen Kommunen als Vorbild.

Inklusiver Spielplatz Oberstdorf
Gemeinsam entdecken, klettern und erleben: Der neue Spielplatz in Oberstdorf ermöglicht Teilhabe für alle Kinder. Foto: Theresa Madeleine Schepp

Auf einer Fläche von insgesamt 1500 Quadratmetern entstand im oberen Bereich des Fuggerparks in Oberstdorf (Bayern) ein neuer Spielplatz. Über eine Bauzeit von knapp neun Monaten wurde damit ein zentraler Treffpunkt für Kinder und Eltern geschaffen.

An dieser Stelle gab es bereits einen Spielplatz, der allerdings nicht mehr den aktuellen Standards entsprach, da die Spielgeräte aus pädagogischer Sicht veraltet und für geistig oder körperlich eingeschränkte Kinder nur teilweise oder gar nicht nutzbar waren. Das hat sich mit der Eröffnung des neuen Spielplatzes grundlegend geändert.

Als Planungsgrundlage dienten die „Nürnberger Leitlinien“. Sie sind ein Beispiel für die kommunale Umsetzung inklusiver Planung gemäß DIN 18034, bieten eine abgestimmte Grundlage für die Planung und Bewertung inklusiver Spielflächen und helfen den Planern bei der Festlegung des Inklusionsgrades.

Neu entwickeltes Großspielgerät

Ziel war ein Großspielgerät, das Kinder aller Altersgruppen anspricht, keine Kinder ausgrenzt und auch mit dem Rollstuhl befahrbar ist. Da es auf dem Markt keine passenden Großspielgeräte gab, wurde das zentrale Großspielgerät neu entwickelt.

Im Planungsprozess zeigte sich, wie wichtig es angesichts der Komplexität war, auch externes Fachpersonal zur Konzeptentwicklung und Inklusionsbewertung hinzuzuziehen, um das gewünschte Ergebnis zu erzielen. Diese Arbeit hat sich gelohnt.

Das Herzstück des Spielplatzes ist das Großspielgerät, die „Burg“. Hier können Kinder unabhängig von ihren individuellen Fähigkeiten auf einer Grundfläche von rund elf mal 13 Metern die verschiedenen Spielstationen entdecken und mit allen Sinnen wahrnehmen.

Es handelt sich um ein umfassendes Spielerlebnis auf mehreren Ebenen mit Stützen, Podesten und Rampen, das Kindern vielfältige Erfahrungen ermöglicht und deren Entwicklung fördert: mit bunten Fenstern, Farbkontrasten, Signalglöckchen an den Spielstationen, einem Konferenzrohr zum Sprechen und Hören über die Ebenen hinweg, Halteschlaufen, Netzböden, Öffnungen zum Durchklettern, Kletterelementen und natürlich Rutschen.

Das Besondere: Alle Spielstationen und auch der Bereich unter den Spielgeräten sind mit dem Rollstuhl zugänglich und daher für alle Kinder erreichbar und bespielbar. Außerdem gibt es in der Anlage einen Wasserspielbereich mit Sand- und Matschfläche, einen Trockensandspielplatz, Hügel mit Kriechröhre, eine Schaukelanlage mit verschiedenen Schaukeln für Kinder aller Altersgruppen und ein Karussell, das auch von Kindern im Rollstuhl genutzt werden kann.

Geringer Verbrauch von Ressourcen

Der hohe Spielwert für alle Kinder stand neben der Nachhaltigkeit im Fokus der Planung. Es wurde heimisches Lärchenholz ohne Anstrich verbaut, die Fundamentierung der Burg hat einen geringen Ressourcenverbrauch durch Kiesköcherfundamente, der Fallschutz besteht aus dauerhaften ungefärbten Holzhackschnitzeln und ist als Untergrund problemlos mit dem Rollstuhl befahrbar.

Ein weiterer Nachhaltigkeitsaspekt war die Wiederverwendung vorhandener Materialien, wie zum Beispiel die noch gut erhaltene Rutsche, Findlinge, Sitzbänke und Pflastermaterial des alten Spielplatzes. Der große Vorteil des neuen Großspielgeräts: Alle Bauteile können einzeln ausgetauscht werden, und Erweiterungen sind jederzeit möglich. So kann das Spielangebot in den kommenden Jahren ergänzt werden, damit es über viele Jahre spannend bleibt.

Die Kosten beliefen sich insgesamt auf 700.000 Euro. Den ganzheitlichen barrierefreien Planungsansatz nach den „Nürnberger Leitlinien“ würdigte die Regionalentwicklung Oberallgäu e. V. als Lokale Aktionsgruppe (LAG) des EU-Förderprogramms „Leader“ in Bayern zur Entwicklung des ländlichen Raumes als Leuchtturmprojekt mit einer Fördersumme von 200.000 Euro.

Wöchentliche Kontrollen

Der alte Baumbestand, zusätzliche Baumpflanzungen und viele neue Sitzbänke laden Begleitpersonen, Eltern und Großeltern zum Verweilen ein. Im Sommer bieten die Bäume, ein Sonnensegel über dem Sandkasten und auch die Ebenen der Burg selbst Schatten für die spielenden Kinder. Durch die Ansaat von heimischen Pflanzen und Blühwiesen in Beeten und auf den Hügeln wird die Anlage nicht nur optisch attraktiv, sondern auch insektenfreundlich. Die Kommunalen Dienste Oberstdorf übernehmen Pflege und Unterhalt sowie die wöchentlichen Kontrollen zur Sicherheit der Kinder.

Das anspruchsvolle Projekt dient als Leuchtturmprojekt der Teilhabe und Anschauungsbeispiel für andere Kommunen. Der Spielplatz ist bereits zu einem Magneten und Treffpunkt für Kinder und Familien in Oberstdorf geworden. Die Vielseitigkeit und Nutzbarkeit für alle Kinder – damit natürlich auch der Spaßfaktor – sprechen für sich, ebenso die zentrale Lage im Dorf und das attraktive Umfeld mitten im Park.

In direkter Nachbarschaft befinden sich die Grundschule Oberstdorf und ein Bewegungsparcours für größere Kinder und Erwachsene sowie eine Kneipp-Anlage mit Sitzgelegenheiten, Barfußpfad und Trinkwasserbrunnen. Unser Fazit: Nachmachen ausdrücklich erlaubt!

Kathrin Bäuerle, Armin Stöckle


Die Autoren

Kathrin Bäuerle ist im Markt Oberstdorf (Bayern) für Öffentlichkeitsarbeit und PR verantwortlich. Armin Stöckle ist Tiefbauleiter im Markt Oberstdorf und der Projektverantwortliche für den Spielplatz.


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