Wasserwirtschaftliche Daten auf einen Blick

Oberfläche der Daten- und Serviceplattform „Intellinet“ (Ausschnitt): Die Zusammenführung von Informationen aus verschiedenen Infrastruktursparten erleichtert die visuelle Betriebsführung in der Wasserwirtschaft. - Abb.: HST

Für vernetzte Lösungen gibt es in der Wasserwirtschaft viele Einsatz­möglich­keiten. Stehen etwa in der Klärtechnik Investitionen an, sollten diese heute in smarte Maschinen getätigt werden. Diese Technologien sind ein idealer Start in die Digitalisierung und das kommunale Internet der Dinge.

Wasser- und Abwassersysteme bilden neben Verkehrswegen, Energie und Telekommunikation die wichtigsten Bestandteile kommunaler Infrastrukturen. Sie stecken zu einem wesentlichen Teil unsichtbar unter der Erde. Ihre mögliche Bedeutung für Smart-City-Aktivitäten wird deshalb kaum wahrgenommen, auch wenn sie in den meisten Fällen das größte Infrastrukturvermögen von Kommunen und Städten darstellen.

Im Bereich kommunaler Infrastrukturen werden die Verwendungsmöglichkeiten vernetzter Lösungen intensiv diskutiert. Zunehmend werden smarte Maschinen und Applikationen des Internet der Dinge (IoT) eingesetzt. Moderne Automationstechnik zum Beispiel in der Wasserwirtschaft besitzt im Kern Elemente, die einen Vergleich mit Industrie-4.0-Lösungen nicht scheuen muss. Echtzeitbasierte Steuerungs- oder Monitoringlösungen werden ebenso verwendet wie intelligente Sensortechnologien. Sie bilden ein Grundgerüst für zukünftige Smart-City-Strategien, sofern kommunale Infrastrukturen angemessen berücksichtigt werden.

Auf dem Weg zu einer Smart City stellen sich politisch und technisch Verantwortliche die Frage, wie sich die aktuell erhältlichen Anwendungen der Spezialanbieter (z. B. in den Bereichen Geoinformation und Betriebsführung) in eine zukünftige, übergeordnete Plattformlösung integrieren lassen. Wünschenswert ist eine hohe Vernetzungskompatibilität zwischen den Einzellösungen, etwa durch nahe technologische Verwandtschaft. Dies erleichtert den Einstieg und den schrittweisen Aufbau einer Digitalisierung. Das betrifft auch die ausreichende Vernetzungsfähigkeit mit anderen Lösungen im Smart-City-Umfeld, wie beispielsweise einem Parkraum- oder Leuchtenmanagement. Eine durchgängige IT- und Internet-of-Things-Kommunikation soll eine barrierefreie Datenkommunikation unter Einhaltung der Sicherheitsanforderungen gewährleisten.

Digitalisierung in zehn Schitten

Vermehrt wird im Zusammenhang mit Smart Cities als erster Schritt die Entwicklung einer übergeordneten Digitalisierungsstrategie empfohlen. Kleinen und mittleren Kommunen fehlen hierzu oft erforderliche eigene Ressourcen. Im Rahmen des Projektes Kommunal 4.0 wurde ein Modell der „10 Schritte“ erarbeitet, das im Sinne eines agilen Prozesses angewendet werden kann. Werden schon vor der Erstellung der digitalen Strategie erste Einzelmaßnahmen identifiziert, sollten diese auch begonnen werden. Der Anwender kann dort anfangen, wo dringender Handlungsbedarf besteht, ohne dabei die zukünftig erforderliche Vernetzungskompatibilität dieser Einzelelemente zu verlieren.

Stehen beispielsweise Investitionen für technische Ausrüstungen in wasser- oder abwassertechnischen Bauwerken an, sollte der geringe Mehraufwand für sogenannte smarte Maschinen in die Hand genommen werden. Der Anwender lernt im Umgang mit einer smarten Maschine die Funktionen und Vorteile von IoT-Komponenten kennen, und kann das Wissen für weitere Smart-City-Aktivitäten anwenden. Solche Lösungen arbeiten autark, aber bereits mit vielen Effizienz- und Sicherheitsvorteilen der Digitalisierung. Sie lassen sich zu einem späteren Zeitpunkt in eine übergeordnete Vernetzungssystematik einbinden.

Gleiches gilt bei Neuanschaffungen von Softwarelösungen der Betriebsführung und Prozessleittechnik (SCADA), bei der die Kompatibilität zur (smarten) Maschinenwelt zu prüfen ist. In übergeordneten Daten- und Serviceplattform fließen alle Datenströme zusammen und sind für weitergehende Analysen und Zwecke wie etwa zur visuellen Betriebsunterstützung mit einem benutzerindividuellen Dashboard verwendbar.

Günter Müller-Czygan

Der Autor
Günter Müller-Czygan ist Leiter des Bereichs M&A Objekte / Kommunal 4.0 bei HST-Systemtechnik in Meschede

Info: Fachliche Beratung

Praxisbezogene Weiterbildungen zur Digitalisierung in der Wasserwirtschaft können die ersten Schritte auf dem Weg zu einer Smart City sein. Der Bundesverband Kommunal 4.0 will zukünftig mit seiner Akademie Programme anbieten zu Themen wie IT-Sicherheit, IT-Systeme, Betriebsführung, Prozessleittechnik, Management und Organisation, Mess- und Automatisierungstechnik. Des Weiteren plant die im November 2017 gegründete Organisation Seminare für Bürgermeister und Amtsleiter sowie Planer.