„Wasser wird zunehmend zum Standortfaktor“: Vor diesen Herausforderungen steht die kommunale Wasserwirtschaft

Die Wasserwirtschaft steht angesichts der klimatischen Veränderungen vor großen Herausforderungen: Das streicht Wolf Merkel für den Deutschen Verein des Gas- und Wasserfachs heraus – und schlüsselt auf, wie aus DVGW-Sicht die Herausforderungen gemeistert werden sollten. 

Wasser als Standortfaktor
Das Klima setzt die Wasserversorgung unter Druck. Dazu kommt ein hoher Bedarf aus Landwirtschaft, Industrie – und zunehmend aus Rechenzentren. Foto: Adobe Stock/Production Perig

Anfang des Jahres ließ ein Report der Universität der Vereinten Nationen aufhorchen: Klimatische Veränderungen würden die öffentliche Wasserversorgung zunehmend unter Druck setzen, heißt es dort. Sinkende Grundwasserstände, schmelzende Gletscher sowie der Verlust von Flussauen und Feuchtgebieten trügen dazu bei, dass Teile des globalen Wasserkreislaufs bereits unumkehrbar geschädigt seien. Als Hotspots nennen die Autoren den Nahen Osten sowie Teile Südasiens.

Extremwetterereignisse, langanhaltende Trockenphasen, steigende Temperaturen und veränderte Niederschlagsmuster wirken sich auch hierzulande immer stärker auf die Verfügbarkeit und die Qualität der Wasserressourcen aus. Die sich daraus ergebenden Herausforderungen sind umfangreich: zunehmende Hitze und Trockenperioden, steigende Spitzenbedarfe trotz geringer Niederschläge und ein wachsender Bedarf an urbaner Kühlung zur Sicherung der Lebensqualität.

Gleichzeitig steigt die Bedeutung von Wasser als Wirtschafts- und Standortfaktor. Industriebranchen wie Chemie oder Automobilproduktion und immer mehr die IT-Wirtschaft benötigen große Mengen – zunehmend auch zur Kühlung, etwa von Serverfarmen unter anderem infolge des KI-Trends. Ein weiterer wichtiger Abnehmer ist die Landwirtschaft, die verstärkt – auch aufgrund der zunehmenden Trockenperioden – auf Bewässerung setzt.

Wasserqualität sollte im Fokus sein

Neben der Wasserverfügbarkeit müssen wir auch die Wasserqualität im Blick behalten. Auf der Agenda stehen hier neben den bekannten Belastungen mit Pflanzenschutzmitteln aktuell vor allem die Themen Nitrat und PFAS. Übermäßiges Düngen bedroht die Ressourcen für unser Trinkwasser – hier braucht es eine klare Kehrtwende.

Aus dem jüngsten Nitratbericht der Bundesregierung lässt sich keine Trendwende bei den Nitratbelastungen des Grundwassers ableiten, die auf Effekte der Düngeverordnung zurückzuführen ist. Mit der Abschaffung der Stoffstrombilanzverordnung wie auch mit der zuvor erfolgten Streichung des Nährstoffvergleichs aus der Düngeverordnung sind einfache und robuste Bilanzierungsinstrumente verloren gegangen, die sich in den Kooperationen zwischen Land- und Wasserwirtschaft seit Jahrzehnten bewährt haben.

Die Wirksamkeit der Düngeverordnung will die Bundesregierung künftig über ein modellbasiertes und flächendeckendes Monitoring kontrollieren. Die neue Regelung muss auf jeden Fall gewährleisten, dass Nährstoffüberschüsse im Boden konsequent erfasst und reduziert werden. Ohne Nährstoffbilanzen wird das jedoch nicht gelingen, denn diese lassen sich einfach und robust auf Basis betrieblicher Daten erstellen.

Eindämmung von PFAS

Bei PFAS als zweitem wichtigen Thema im Umfeld Wasserqualität greift seit Mitte Januar erstmals ein in der Trinkwasserverordnung festgesetzter Grenzwert. Diese Stoffgruppe mit über 10.000 langlebigen per- und polyfluorierten Alkylsubstanzen wird vielseitig eingesetzt. Einige dieser Substanzen sind toxisch und reichern sich in Luft, Böden und im Wasserkreislauf an.

Eine große Herausforderung für die Wasserversorger ist die Entfernung dieser „Ewigkeitschemikalien“ aus dem Rohwasser. Bewältigbar ist das nur, wenn gezielte Maßnahmen zur Eindämmung getroffen werden. Deshalb müssen einerseits toxikologisch relevante PFAS verboten und andererseits Einsatzfelder kritisch hinterfragt werden. Zudem gilt es auch hier, das Verursacherprinzip zu stärken: damit nicht Verbraucher, sondern Hersteller für die Kosten der hochkomplexen, ressourcenintensiven Entfernung aus den Rohwasserressourcen aufkommen müssen.

Aufbau resilienter Strukturen

Angesichts dieser Herausforderungen ist klar, dass sich die Wasserwirtschaft resilienter aufstellen muss. Hierfür sind die Wasserversorger mit kontinuierlicher Modernisierung gefordert, die sich auch in steigenden Entgelten niederschlagen wird. Doch sicher ist auch, dass sie diese riesigen Herausforderungen nicht allein stemmen können.

In Zukunft muss der Staat Förderprogramme konsequent anpassen und Investitionen in klimaresiliente Wasserinfrastrukturen gezielt unterstützen. Gleichzeitig müssen Genehmigungsverfahren vereinfacht sowie überregionale Planungen gestärkt werden, damit die Versorgungssicherheit auch langfristig gewährleistet bleibt.

Der DVGW trägt mit gezielten Forschungsprogrammen dazu bei, dass Handlungsoptionen für Unternehmen zur Steigerung ihrer Resilienz entwickelt werden. Wissenschaftliche Erkenntnisse fließen in die Regelsetzung ein und stehen damit für die praktische Umsetzung zur Verfügung.

Wolf Merkel


Der Autor

Dr. Wolf Merkel ist Vorstand des Ressorts Wasser beim Deutschen Verein des Gas- und Wasserfaches (DVGW).


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