Steigende Rohstoffnachfrage, wachsende Müllberge und knappe Ressourcen stellen Kommunen vor neue Herausforderungen. Urban Mining bietet als innovative Strategie die Chance, Wertstoffe aus Gebäuden, Infrastrukturen und Elektrogeräten vor Ort zurückzugewinnen – für mehr Ressourcensicherheit, Klima- und Umweltschutz sowie eine nachhaltige Wirtschaft direkt in der Stadt.

Vom erhöhten Rohstoffbedarf, über den steigenden Konsum von Elektrogeräten bis hin zum wachsenden Abfallaufkommen – der Ressourcenverbrauch stellt die Menschheit vor schwierige Aufgaben. Angesichts knapper natürlicher Ressourcen könnte Urban Mining eine Antwort auf diese Herausforderungen sein.
Es bezeichnet die systematische Rückgewinnung von Rohstoffen aus dem anthropogenen Lager – also aus Gebäuden, Infrastrukturen und Produkten, die bereits in unseren Städten vorhanden sind. Statt neue Rohstoffe unter hohem Energieaufwand aus der Erde zu fördern, nutzt Urban Mining die Ressourcen, die in Bauwerken, Elektrogeräten oder Fahrzeugen schlummern.
Wie hoch die Rohstoffpotenziale durch Urban Mining sind, beschreibt das Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) im Rahmen der Studie „Urban Mining für eine zirkuläre Wirtschaft“.
Deutschlands wertvolle Ressourcen
Das anthropogene Lager in Deutschland umfasst große Mengen an Materialien und wächst weiter. Im Jahr 2017 lag es bei 342 Tonnen pro Kopf, zusammengesetzt vor allem aus mineralischen Materialien (317 Millionen Tonnen) und einem deutlich geringeren Anteil an Metallen (14 Tonnen).
Im Jahr 2010 entsprach das anthropogene Lager der in diesem Jahr weltweit abgebauten Rohstoffmenge. Über 80 Prozent des Wachstums stammen aus der Zeit nach 1960. Konsumgüter machen mengenmäßig nur einen kleinen Teil aus, sind aber wegen der enthaltenen Metalle besonders relevant.
Der Gesamtwert des Lagers wurde bei der letzten Kartierung auf 1.300 Milliarden Euro geschätzt, davon entfallen 50 Prozent auf Metalle. Eisen, Kupfer und Gold stellen im globalen Elektroschrott die wertvollsten Rohstoffe dar, während andere Materialien zwar größere Volumina, aber niedrigere Werte aufweisen. Aktuellere Daten liegen nicht vor.
Die Vorteile des Urban Minings
Gegenüber der Verwendung der begrenzten Primärrohstoffe bringt Urban Mining der Studie zufolge verschiedene Vorteile mit sich:
- Das anthropogene Lager lässt sich mithilfe von Datenauswertung räumlich flexibel aufspüren und nutzen, wohingegen das Auffinden von geologischen Vorräten als Ressourcen und Reserven zeit- und kostenaufwendig ist.
- Der Anteil an Wertstoffen in Metallen ist im anthropogenen Lager wesentlich größer, da diese dort häufig in reiner Form oder als hochwertige Legierungen vorliegen. Ein Beispiel hierfür sind Kupferleitungen.
- Die Transportkosten beim Urban Mining sind aufgrund der wesentlich kürzeren Distanzen deutlich niedriger, und die vorhandene Infrastruktur ist dafür gut geeignet.
- Bei der Gewinnung von Primärrohstoffen fallen die Umweltbelastungen oft deutlich stärker aus, da dabei in Ökosysteme eingegriffen wird, giftige Substanzen freigesetzt werden und der Energie- sowie Wasserbedarf hoch ist.
- Konflikte um Nutzungsrechte treten häufig in Regionen auf, in denen verstärkt Primärrohstoffe gefördert werden. Im Vergleich dazu ist die Akzeptanz für Urban Mining oftmals deutlich größer.
Urban Mining für Kommunen
Urban Mining bietet angesichts des steigenden Rohstoffverbrauchs und knapper natürlicher Ressourcen eine vielversprechende Alternative zur klassischen Rohstoffgewinnung. Die beträchtlichen Materialmengen im anthropogenen Lager Deutschlands verdeutlichen das Potenzial des Urban Minings, durch die Rückgewinnung von Rohstoffen aus bestehenden Gebäuden, Infrastrukturen und Produkten einen erheblichen Beitrag zur Ressourcensicherung zu leisten.
Im Vergleich zur Primärrohstoffextraktion erweist sich Urban Mining als ressourceneffizienter, umweltfreundlicher und gesellschaftlich besser akzeptiert. Verkürzte Transportwege, der hohe Wertstoffgehalt und geringere Umweltbelastungen sprechen für die konsequente Nutzung urbaner Rohstoffquellen als zentralen Bestandteil einer zukunftsfähigen, zirkulären Wirtschaft.
Für Kommunen ist Urban Mining ebenfalls aus verschiedenen Gründen von Bedeutung:
- Ressourcensicherheit: Kommunen können eigene Materialkreisläufe aufbauen und unabhängiger von globalen Lieferketten werden.
- Klimaschutz und Nachhaltigkeit: Urban Mining unterstützt kommunale Klimaziele und die Umsetzung der Kreislaufwirtschaft.
- Neue Geschäftsmodelle: Kooperationen mit regionalen Unternehmen für Rückbau, Sortierung und Wiederverwertung schaffen Wertschöpfung vor Ort.
Red.



