Upgrade der IT-Infrastruktur

Verwaltungsmitarbeiterin: Die Bürger erwarten kundenorientierte Ämter mit zentralen Ansprechpartnern vor Ort. Das setzt leistungsfähige IT-Systeme in den Bürgerämtern und -büros voraus. Foto: Contrastwerkstatt/Fotolia

Kommunen, die ihre digitale Infrastruktur modernisieren möchten, stehen vor der Wahl der geeigneten Technologie. Alternativ zu der vergleichsweise teuren Glasfasertechnologie können sie auch auf die WAN-Bündelung zurückgreifen.

In nahezu allen Lebensbereichen spielt eine gut ausgebaute digitale Infrastruktur eine herausragende Rolle. Für Städte und Gemeinden ist die Versorgung mit breitbandigem Internet ein wesentlicher Standortfaktor. Ob moderner dezentraler Bürgerservice, die optimale Nutzung von Ressourcen zur Daseinsvorsorge, zum Beispiel beim Brandschutz, oder die Steigerung des Gewerbesteueraufkommens mithilfe attraktiver Gewerbegebiete – vieles hängt direkt von der digitalen Infrastruktur ab.

Spricht man mit Verantwortlichen in den Kommunen über den Stand des Breitbandausbaus, zeigt sich jedoch immer wieder, dass eine umfassende Abdeckung mit leistungsfähigen Breitband-Internetzugängen gerade in ländlichen Regionen noch nicht erreicht ist. Dabei wäre es gerade dort wichtig, entsprechende digitale Infrastrukturen aufzubauen, um die Standortattraktivität zu steigern. Dies gilt auch für die Anbindung von Kommunalverwaltungen, die sich gleich mit mehreren Herausforderungen konfrontiert sehen.

Zum einen wurden in den vergangenen Jahren kommunale Verwaltungen weiter verschlankt und dezentralisiert. Die damit einhergehende räumliche Trennung der Ämter führt im Ergebnis zu zersplitterten Infrastrukturen und verteilten Standorten.

Zum anderen erwarten die Bürger eine immer stärkere Kundenorientierung der Verwaltung, mit zentralen Ansprechpartnern vor Ort. Publikumsintensive Dienstleistungen wurden daher vielfach an einer zentralen Stelle in Bürgerämtern und -büros zusammengefasst.

Für die IT-Infrastruktur bedeutet das Folgendes: Verteilte Standorte müssen vernetzt werden und zugleich muss ausreichend Bandbreite der Internetanbindung verfügbar sein. Die zunehmende Integration moderner cloudbasierter IT-Lösungen in die Verwaltungsabläufe lässt die benötigte Bandbreite weiter ansteigen.

Gleiches gilt für e-Government-Angebote, bei denen Verwaltungsaufgaben über das Internet abgewickelt werden. Auch diese setzen sowohl bei der Behörde als auch auf Seiten der Bürger eine ausreichende Bandbreite für die Datenübertragung voraus – vor allem dann, wenn Applikationen wie Web- und Video-Konferenzen eingebunden sind, um Bürgern die Möglichkeit zu geben, sich direkt mit dem Sachbearbeiter zu besprechen.

Lösung für Verwaltungen auf dem Land

Aufgrund der steigenden Anforderungen an die Bandbreite stößt eine ausreichende Versorgung derartiger Bürgerbüros mit der notwendigen Bandbreite in ländlichen Regionen zunehmend an ihre Grenzen. Kommunale IT-Experten gehen davon aus, dass moderne Fachverfahren in der Verwaltung Bandbreiten von über 50 Mbit/s voraussetzen. In stärkerem Maße als bisher werden zudem neben hohen Download- auch entsprechend hohe Upload-Bandbreiten erforderlich.

Um derartige symmetrische Anbindungen – mit zudem geringen Latenzzeiten und Paketverlustraten – auch dort zu realisieren, wo die breitbandige Anbindung fehlt oder zu teuer wäre, kann auf die Technik der WAN (Wide Area Network)-Bündelung zurückgegriffen werden. Bei diesem Verfahren werden mithilfe eines Bündelungsrouters mehrere Internetverbindungen zu einer einzigen VPN-Verbindung „zusammengeschaltet“. Dabei lassen sich sowohl kabelgebundene Technologien, zum Beispiel DSL- oder TV-Breitband, als auch Mobilfunktechnologien (UMTS/LTE) flexibel bündeln, je nachdem was an Internetzugängen vorhanden ist.

Der Vorteil einer solchen Bündelungslösung liegt darin, dass den Nutzern damit die aggregierte Bandbreite aller gebündelten Kanäle zur Verfügung steht. Bürgerbüros können so ihre Bandbreite einfach steigern und die vorhandenen Netze bestmöglich ausnutzen, beispielsweise indem zu einem bestehenden DSL-Anschluss die lokal verfügbaren UMST/HSDPA- oder LTE-Netze gebündelt werden. Eine derartige Lösung hat der deutsche Routerhersteller Viprinet für den Landkreis Diepholz mit über 15 kommunalen Standorten umgesetzt.

Kommunen und Bürgerbüros profitieren bei der WAN-Bündelung aber nicht nur von einer deutlichen Bandbreitenerhöhung, sondern auch von einer massiven Steigerung der Ausfallsicherheit. Die Daten einer einzelnen Session, zum Beispiel der Upload der eingegebenen Identitätsdaten, werden bei der WAN-Bündelung in einzelne Pakete fragmentiert und diese über alle zur Verfügung stehenden, gebündelten Leitungen transportiert.

Dino Scigliano

Der Autor
Dr. Dino Scigliano ist Director Marketing beim IT-und Netzwerkunternehmen Viprinet Europe in Bingen am Rhein