Transporter: Spezialisten verlängern die Einsatzdauer

Mit Elektroantrieb nachgerüsteter Sprinter: Der Spezialfahrzeugbauer Orten lieferte diese Doppelkabine an die USB Bochum. - Foto: Orten

Eine Reihe von Herstellern und Spezialunternehmen bietet die Elektrifizierung gebrauchter Transporter an. Je weniger Elektronik dabei im Spiel ist, umso besser. Für die Kommunen kann sich der Einsatz solcher Fahrzeuge lohnen, denn ihre Einsatzbedingungen auf dem Bauhof sind klar definiert.

Mehrere Besonderheiten des täglichen Einsatzes von Kommunalfahrzeugen rufen geradezu nach dem Elektroantrieb. Die relativ geringe, vorher exakt feststehende Tagesstrecke etwa, aber auch die geringe Laufleistung der Bauhoffahrzeuge insgesamt sowie die allgemein gute Pflege des Fuhrparks im Besitz der öffentlichen Hand zählen dazu. Da tut manch ein gut erhaltener Transporter mit über 20 Jahren auf dem Buckel treu seinen Dienst. Für ihn, der ja auch noch in einer uralten Abgasnorm herumfährt, gibt es eine zweite Chance – die nachträgliche Elektrifizierung.

Im Zuge des Rufs nach mehr Elektromobilität hat sich der Markt der Umbauer und Nachrüster entwickelt. Das Vorhaben ist bei Transportern und Lkw gar nicht besonders kompliziert, da genügend Platz und Nutzlastreserve zur Verfügung stehen – im Gegensatz zum Personenwagen. Der Antriebsstrang des Verbrenners wird komplett entfernt und durch Elektromotor und Batterien ersetzt. Die elektrische Antriebseinheit ist eher kompakt und besteht aus Elektromotor, Getriebe, Anschluss für die Ladeeinrichtung und elektronischer Steuerung, meist integriert in die Antriebsachse.

Dazu kommen noch ein paar „Kleinigkeiten“ wie Heizelemente, elektrische Bremspumpen und Servolenkpumpen. Lithium-Ionen-Batterien sind die Norm, es werden aber, beispielsweise bei EFA-S in Stuttgart, auch schon Lithium-Eisenphosphat-Batterien verwendet, die ohne Nickel und Kobalt auskommen. Die versprochenen Reichweiten liegen bei 120 bis 150 Kilometern, lassen sich aber auf Wunsch über höhere Batteriekapazität auch erweitern – die Umbaubetriebe sind flexibel. Die TÜV-Abnahme übernehmen die Umbauer übrigens auch.

Beitrag zum Ressourcenschutz

Zur Umwelt- beziehungsweise Klimabilanz gehören nicht nur das Einsparen von Kohlenstoffdioxid durch Wegfall des Dieselbetriebs, sondern auch die anderen Fragen der Nachhaltigkeit. Dabei schneiden die umgerüsteten Fahrzeuge nicht schlecht ab. So wird das Verschrotten des Altfahrzeugs, das einst mit hohem Energieaufwand produziert wurde, hinausgezögert, und auf die Beschaffung eines Neufahrzeugs kann verzichtet werden. Ausgebaute Antriebe sind noch funktionsfähig und lassen sich als Ersatzteile nutzen. Ölwechsel am Motor entfallen und generell reduzieren sich die Wartungsarbeiten.

Und welche Fahrzeuge sind geeignet? Die befragten Anbieter, ob sie sich nun um Pkw oder Nutzfahrzeuge kümmern, sind sich einig: Ältere Modelle sind weniger kompliziert. Je mehr Elektronik drin steckt, umso komplizierter wird es. So bei GPS-gesteuertem Fahren, das seine Daten aus der Motorsteuerung bezieht, oder bei einer Koppelung von Assistenzsystemen an die Motorsteuerung. Das gilt besonders für schwere Lastwagen. Hier erledigen ein Großteil der Verzögerung die Motorbremse und der Retarder (Getriebebremse).

Assistenzsysteme, die es bei Warntönen oder dem Zugriff auf die Betriebsbremse belassen, sind dagegen für den Umbau kein Problem. Außerdem macht es keinen Sinn, Transporter umzurüsten, die es ab Werk schon elektrifiziert gibt. Hohes Alter der Basisfahrzeuge ist, wenn der Gesamtzustand nicht dagegen spricht, übrigens kein Hinderungsgrund. Auf Pkw spezialisierte Betriebe nehmen sich sogar Oldtimer vor.

In der Regel finden sich nicht mehr ganz taufrische Transportermodelle unter den Umbauobjekten: Volkswagen-T5 und -T6, VW-Crafter der ersten Generation oder VW-LT auf Sprinterbasis, ältere Mercedes-Sprinter und gar nicht so selten auch der gute alte Vario, jener strapazierfähige und sehr beliebte 7,5-Tonner von Mercedes-Benz, dessen Fertigung 2013 eingestellt wurde. Eigens für ihn hat die Bergische Achsenfabrik (BPW) eine elektrische Umrüstachse entwickelt. In Berlin, Köln und Wiehl laufen die ersten Exemplare auch bei Kommunen. Den Umbau besorgt Paul Nutzfahrzeuge in Passau. Die neu gegründete Firma Quantron bietet den Umbau auch kompletter Abfallsammelfahrzeuge im Lkw-Bereich an.

Und jetzt ein Blick auf die Umbaukosten. Für einen Mercedes-Sprinter kommen rund 80.000 Euro zusammen, für einen Mercedes-Vario 100.000 Euro. Bei kleineren Transportern wie zum Beispiel dem VW-Bus werden von verschiedenen Herstellern rund 35 000 Euro aufgerufen. Auf der Gegenseite stehen Steuerbefreiung und verschiedene Zuschussmöglichkeiten. Allerdings bleibt die staatliche Umweltprämie auf die Beschaffung von Neufahrzeugen beschränkt.

Die Frage, wie teuer beziehungsweise elektronisch kompliziert ein Umrüstkandidat sein darf, hat schon gleich die nächste Alternative geschaffen: EFA-S bietet den Umbau eines fabrikneuen Transporters an. Dazu bezieht sie aus Russland von Hersteller GAZ den Transporter Gazelle Next, der ohne Antriebsstrang geliefert und dann elektrifiziert wird – Kostenpunkt komplett 75.000 Euro. Auch Quantron geht alternativ so vor, aber das ist dann schon wieder eine andere Geschichte.

Matthias Röcke

Der Autor
Matthias Röcke, Sinzig, ist freier Journalist mit Schwerpunkt Technik

Info: Wer macht was?

Hersteller von elektrisch angetriebenen Transportern und Lkw im Überblick:

  • E-Cap: Transporter bis 3,5 t, Lkw bis 7,5 t

  • EFA-S: Transporter bis 3,5 t, Lkw bis 18 t

  • Fleck: Transporter bis 3,5 t

  • Lorey: Transporter bis 3,5 t

  • Orten Electric Trucks: Transporter bis 3,5 t, Lkw bis 18 t

  • Quantron: Transporter bis 3,5 t, Lkw bis 26 t

  • Ri-power: Transporter bis 3,5 t, Lkw bis 7,5 t