Heilbronn zählt objektiv zu den sichersten Städten in Baden-Württemberg, und doch haben sich viele unsicher gefühlt. Die Stadt hat das ernst genommen und reagiert – mit sehr guten Ergebnissen. Was können sich andere davon abschauen? Antworten von der stellvertretenden Pressesprecherin Claudia Küpper.

Wenn sich urbane Räume wandeln und gesellschaftliche Dynamiken komplexer werden, steigt auch die Bedeutung einer aktiven Sicherheitsstrategie. Die Stadt Heilbronn hat sich dieser Aufgabe früh gestellt: Mit der Kooperationsvereinbarung „Sicheres Heilbronn“, die im Oktober 2024 vom Ministerium des Inneren, der Stadt und dem Polizeipräsidium Heilbronn unterzeichnet wurde, setzte man ein deutliches Zeichen – für mehr objektive Sicherheit und insbesondere für ein gesteigertes Sicherheitsgefühl der Bürgerinnen und Bürger.
Der Ursprung des Projektes liegt in der groß angelegten Bürgerbefragung zum subjektiven Sicherheitsgefühl im Jahr 2022, deren Ergebnisse Stadt und Polizei gemeinsam ausgewertet haben. Darauf basierend wurde bereits 2023 eine erste Sicherheitskonzeption erarbeitet und umgesetzt. Ziel war es, die Ursachen von Unsicherheitsgefühlen konkret zu identifizieren – etwa Pöbeleien, Respektlosigkeit einzelner Gruppen, Raser oder Aggressionsdelikte im öffentlichen Raum – und gezielt Maßnahmen einzuleiten.
Maßnahmen für mehr Sicherheit
Die Kooperationsvereinbarung von 2024 verstetigt diese Zusammenarbeit und gibt ihr einen „Booster“: Mehr gemeinsame Präsenz, mehr Kontrollen, schnellere Platzverweise, ein konsequenter Umgang mit Störern sowie der Einsatz ziviler Kräfte bilden den Kern der Maßnahmen.
Ergänzt wird dies durch Waffen- und Messerverbotszonen, ein punktuelles Alkoholverbot im öffentlichen Raum, Videoüberwachung, die Einrichtung einer City-Streife sowie die personelle Verstärkung des Kommunalen Ordnungsdienstes (KOD). Dazu gehören drei Waste Watcher, die besonders Müllsünder und Verschmutzungen im Stadtraum in den Blick nehmen.
Wie wird Heilbronn wahrgenommen?
Insbesondere die Kombination aus objektiver Sicherheit und subjektiver Wahrnehmung war eine Herausforderung. Während Heilbronn seit Jahren zu den sichersten Großstädten Baden-Württembergs zählt und 2024 sogar wieder sicherster Stadtkreis im Land mit nur 7100 Straftaten pro 100.000 Einwohner wurde – zeigte die Befragung dennoch spürbare Verunsicherungen. Die Kunst lag darin, Menschen mit Maßnahmen zu erreichen, die sichtbar, wirksam und nachvollziehbar sind.
Auch organisatorisch war der Aufbau eines eng vernetzten Sicherheitsbündnisses anspruchsvoll: Zuständigkeiten mussten geklärt, Abläufe aufeinander abgestimmt und neue Strukturen wie die City-Streife oder zusätzliche KOD-Stellen geschaffen werden. Diese Prozesse laufen weiter, werden laufend evaluiert und bedarfsorientiert angepasst.
Deutlich spürbare Wirkungen
„Sicheres Heilbronn“ stärkt die Lebensqualität im Alltag: mehr sichtbare Präsenz, schnellere Ansprechbarkeit, konsequentes Eingreifen bei Störungen und spürbare Ordnung im öffentlichen Raum schaffen Vertrauen. Die positiven Effekte zeigen sich bereits: 2024 kam es zu einem deutlichen Rückgang der Aggressionsdelikte im öffentlichen Raum. Für die Bürgerinnen und Bürger bedeutet dies: mehr Sicherheit auf Wegen, ein entspannterer Aufenthalt in der Innenstadt und ein sozial stabileres Miteinander.
„Sicheres Heilbronn“ lohnt sich
Eine sichere Stadt ist attraktiv – für Familien, für Unternehmen, für Kultur und Tourismus. Heilbronn stärkt mit dieser Strategie sein Profil als lebenswerte und moderne Großstadt. Sicherheit zahlt unmittelbar auf die Aufenthaltsqualität ein und beeinflusst, wie sich Innenstadt, Veranstaltungen oder Gastronomie entwickeln. Die Maßnahmen zur Sauberkeit und Beleuchtung unterstützen diese Wirkung zusätzlich.
Die Rückmeldungen aus der Bevölkerung zeigen Wertschätzung – besonders für die erhöhte Präsenz im öffentlichen Raum. Viele Bürgerinnen und Bürger berichten, dass sie ein besseres Gefühl in Innenstadtbereichen haben, seit KOD, City-Streife und Polizei sichtbarer sind. Die Stadt nimmt diese Stimmen sehr ernst und greift sie in der fortlaufenden Maßnahmenplanung auf.
Die Finanzierung erfolgt gemeinschaftlich: Stadt und Land tragen jeweils ihren Anteil, wobei das Land mit der verstärkten Polizeipräsenz und eigenen Einsatzkonzeptionen einen erheblichen Beitrag leistet. Die Stadt investiert in den Ausbau des KOD, in Sicherheitsdienste, Infrastruktur wie Beleuchtung oder Stadtmobiliar sowie in kommunale Präventionsangebote.
Bürgerbefragung war entscheidend
Was können andere von Heilbronn lernen? Drei zentrale Punkte lassen sich ableiten:
- Sicherheit beginnt mit Zuhören. Die Bürgerbefragung war Auslöser und Schlüsselinstrument. Sie schafft ein realistisches Bild jenseits der Statistik.
- Kooperation ist entscheidend. Die enge Verzahnung von Land, Stadt und Polizei ist ein Erfolgsmodell.
- Maßnahmen müssen sichtbar und flexibel sein. Präsenz, konsequentes Eingreifen, aber auch soziale Angebote und städtebauliche Verbesserungen wirken besonders in Kombination.
Heilbronn zeigt: Eine sichere Stadt entsteht dort, wo objektive Sicherheit und subjektives Sicherheitsgefühl Hand in Hand gehen – und wo Verwaltung und Polizei gemeinsam Verantwortung übernehmen.
Claudia Küpper



