Schulbau in Hybridbauweise: Wie Darmstadt nachhaltige Bildungsbauten realisiert

Die Heinrich-Hoffmann-Schule in Darmstadt wurde neu gebaut: mit vorgefertigten Holzfassaden vor einer Stahlbetonskelett-Konstruktion. Das ist mehr als „nur“ eine Schule, betonen die Akteure vor Ort: Sie sehen die Hybridbauweise als Modell für den kommunalen Bildungsbau.

Schulbau in Hybridbauweise
Das Konzept in Darmstadt: „Holz wurde dort eingesetzt, wo seine Vorteile bei Vorfertigung, Bauzeit und Ökobilanz besonders wirksam sind. Beton kam zum Einsatz, wo hohe Anforderungen an Brand-, Schall- und Feuchteschutz bestehen.“ Foto: Adobe Stock/Ingo Bartussek

Kommunale Schulbauprojekte stehen heute vor einer doppelten Aufgabe: Sie müssen funktional, wirtschaftlich und terminsicher umgesetzt werden und zugleich den Anforderungen an Klimaschutz und Ressourcenschonung gerecht werden. Als der Campus der Heinrich-Hoffmann-Schule in Darmstadt neu gebaut wurde, war dieser Anspruch von Beginn an handlungsleitend. Bereits im 2019 ausgelobten nichtoffenen Realisierungswettbewerb formulierte die Wissenschaftsstadt Darmstadt das Ziel, nachhaltig, möglichst CO2-arm und zugleich verlässlich zu bauen.

Die planerische Antwort darauf war eine Hybridbauweise, die Holz und mineralische Baustoffe gezielt verbindet. Die Gebäude wurden als Stahlbetonskelettbau mit vorgesetzter Holzrahmenkonstruktion entwickelt. Flurbereiche und erdberührte Bauteile wurden massiv in Beton ausgeführt. Das verbessert die Voraussetzungen für Brandschutz, Haustechnikführung und Robustheit. Andere Tragachsen wurden über Stützen organisiert, um flexible Grundrisse zu ermöglichen und den Materialeinsatz auf das konstruktiv Notwendige zu begrenzen.

Gezielt nach Funktion eingesetzt

Die Stärke dieser Bauweise liegt in der materialgerechten Zuordnung der jeweiligen Funktionen. Holz wurde dort eingesetzt, wo seine Vorteile bei Vorfertigung, Bauzeit und Ökobilanz besonders wirksam sind. Beton kam dort zum Einsatz, wo hohe Anforderungen an Brand-, Schall- und Feuchteschutz sowie an die Speichermasse bestehen.

Besonders deutlich zeigt sich dies an der Sporthalle. Um denkmalpflegerische Belange zu berücksichtigen, wurde das Erdgeschoss teilweise in das Gelände eingebunden. Dadurch ließ sich die Gebäudehöhe reduzieren. Gleichzeitig profitiert das Obergeschoss von den konstruktiven und ökologischen Vorteilen des Holzbaus.

Vorfertigung spart Bauzeit

Ein weiterer Vorteil liegt im hohen Vorfertigungsgrad. Wand-, Decken- und Fassadenelemente können im Werk präzise hergestellt und auf der Baustelle in kurzer Zeit montiert werden. Bei der Heinrich-Hoffmann-Schule wurden die Holzfassadenelemente bereits inklusive der Fenster vorgefertigt. Das sparte Bauzeit und verringerte aufwendige Schnittstellen zwischen den Gewerken.

Hohe Flexibilität für die Raumnutzung

Auch wenn es sich nicht um einen klassischen Modulbau handelt, nutzt das Projekt zentrale Vorteile hybrider Systeme. Sichtbare Holzoberflächen schaffen eine warme, hochwertige und lernförderliche Atmosphäre. Zugleich erlaubt die klare Trennung zwischen Tragstruktur und nichttragenden Innenwänden eine spätere Anpassung an veränderte pädagogische Anforderungen.

Nachhaltiges Materialkonzept

Aus Sicht der Nachhaltigkeit bietet die Bauweise weitere klare Vorteile. Holz ist ein nachwachsender Rohstoff und speichert Kohlenstoff während der Nutzungsphase. Durch die gezielte Kombination mit mineralischen Baustoffen konnte der Einsatz von Beton auf konstruktiv notwendige Bereiche begrenzt werden. Das reduziert graue Energie und Ressourcenverbrauch gegenüber rein konventionellen Bauweisen.

Was für den Erfolg entscheidend ist

Der Neubau der Heinrich-Hoffmann-Schule zeigt, dass Hybridbauweise im kommunalen Bildungsbau ein belastbares Modell sein kann. Sie verbindet funktionale und gestalterische Qualität mit ökologischen Vorteilen und wirtschaftlichen Potenzialen. Voraussetzung dafür sind eine belastbare Planung, klare Prozesse und Erfahrung aller Beteiligten im Holzbau.

Gerade darin liegt eine zentrale Lehre aus dem Darmstädter Projekt: Der Erfolg hybrider Schulbauten entscheidet sich in der Qualität der Planung und Koordination. Wo diese Voraussetzungen erfüllt sind, entstehen Schulgebäude, die heutigen Anforderungen entsprechen und zugleich langfristig anpassungsfähig bleiben.

Bernd Neis, Frank Horneff


Die Autoren

Bernd Neis ist als Geschäftsführer der Darmstädter Stadtentwicklungsgesellschaft (DSE) tätig. Frank Horneff ist Pressesprecher und Leiter des Amts für Kommunikation der Wissenschaftsstadt Darmstadt.


Mehr zum Thema

Nachhaltiger Schulbau

Nachhaltiger Schulbau: Warum Qualität auch schnell und günstig geht

Veränderte Pädagogik- und Raumkonzepte, marode Schulen, das Recht auf Ganztagsbetreuung: Schulbau soll neu gedacht werden – wie aber können Kommunen …
Zukunftsfähiger Schulbau

Zukunftsfähiger Schulbau: Mit diesen Konzepten denkt Münster Klassenzimmer neu

Wie sieht die Schule von morgen aus? Zum Beispiel Münster: Dort geht es nicht nur um neue Gebäude, sondern um …
Schulbau in Wuppertal

Wachsende Stadt, knappe Lernräume: Wie Wuppertal den Schulbau vorantreibt

Wuppertal wächst, damit steigt die Zahl der Schülerinnen und Schüler – der Bedarf an mehr Schulraum ist hoch. So hoch, …