Trotz knapper Kassen: Augustdorfs Weg zu zukunftsfähigen Sportstätten

Sport- und Begegnungsangebote sind für Augustdorf mit seiner jungen, stark von Migration geprägten Bevölkerung besonders wichtig – gerade in Zeiten knapper Kassen ist das aber kein Selbstläufer. Bürgermeister Andreas Wulf berichtet, wie die Gemeinde dennoch ihre Sportstätten sanieren und neu gestalten konnte.

Sanierung kommunaler Sportstätten
Das Runde muss ins Eckige – in Augustdorf ist es durch den Einsatz vieler Beteiligter gelungen, die dringend benötigten Sportstätten zu schaffen. Foto: Gemeinde Augustdorf

Zwei Besonderheiten begründen für Augustdorf einen hohen Bedarf nach Angeboten für Begegnungen, Bewegung und gemeinsamer Freizeitgestaltung: Seit mehreren Jahrzehnten ist die Gemeinde mit ihren 10.000 Einwohnern diejenige, die vom Durchschnittsalter her die jüngste Kommune in Nordrhein-Westfalen ist – der Anteil von Familien und jungen Menschen ist besonders hoch.

Zudem ist die Einwohnerschaft stark von Zuwanderung geprägt: Soldatenfamilien aus vielen Teilen Deutschlands, Arbeitsmigranten, vor allem aus der Türkei, russlanddeutsche Spätaussiedler, Kriegsflüchtlinge aus dem ehemaligen Jugoslawien und aus der Ukraine, EU-Bürger aus Südosteuropa und viele mehr machen die Integration seit Jahrzehnten zu einer Daueraufgabe. Gute Sport- und Begegnungsangebote unterstützen die Integration erheblich.

Zahlreiche Sportangebote

Die Gemeinde verfügt in unmittelbarer Nachbarschaft zur Realschule und zur Grundschule „Auf der Insel“ über ein Sportzentrum mit drei Sporthallen und dem „Heidesportplatz“, der vor dem Umbau aus einem Kunstrasenspielfeld und Leichtathletikanlagen bestand.

Eine weitere Schulsporthalle befindet sich an der Grundschule „In der Senne“. Zudem gibt es das Sport-und Freizeitgelände „Schlingsbruch“ mit einem DIN-Rasenplatz, Tennisplätzen, einem Sporthaus und einem Grillplatz. Vor der Erneuerung befand sich dort auch ein Rasen-Trainingsspielfeld.

Herausforderung für die Fußballer

Alle Sportstätten werden kontinuierlich saniert. Nachdem sich die Maßnahmen über mehrere Jahre auf die Sporthallen konzentriert hatten, rückten vor etwa zehn Jahren die Sportplätze in den Fokus. Das Kunstrasenspielfeld auf dem Heidesportplatz war nach 17 Jahren Spielbetrieb erneuerungsbedürftig. Zudem entsprach der Platz aus Sicht des Fußballkreises Detmold nicht den vom DFB definierten Maßen für Meisterschafts-und Pokalspiele der Fußball-Seniorenmannschaften. Es wurde angedroht, den Platz nicht mehr als Hauptplatz zuzulassen.

Die Gemeinde befand sich seinerzeit in der Haushaltssicherung. Verbesserungen der Sport- und Begegnungsinfrastruktur waren nur mit Hilfe von Fördermitteln möglich. So wurde zunächst ein Integriertes Städtebauliches Entwicklungskonzept erarbeitet, das eine Ergänzung der Bewegungsangebote auf dem Schlingsbruch um einen Beachvolleyballplatz, einen neuen Bolzplatz sowie Aktivitätsangebote für ältere Menschen vorsah.

Im Jahr 2016 beschloss der Gemeinderat dann, ein Konzept für die Sportgelände zu erarbeiten. Im Sommer 2017 wurde das „Institut für Kooperative Planung und Sportentwicklung“ (IKPS) aus Stuttgart mit der Erarbeitung des Konzepts beauftragt. Das IKPS ermittelte im Rahmen der Bestandsaufnahme die Bedarfe der Schulen und Sportvereine. Anschließend fand die Phase der kooperativen Planung statt. Sie umfasste zwei öffentliche Planungswerkstätten, zu denen ausdrücklich auch nicht-organisierte Sportler eingeladen waren.

Der im Jahr 2018 fertiggestellte Entwurf enthielt das „Idealkonzept“, nach dem der Heidesportplatz als Schulsportanlage erhalten und zu einer familienfreundlichen Anlage für den Freizeitsport entwickelt werden soll. Das abgenutzte Kunstrasenspielfeld sollte einem Kunstrasen-Jugendspielfeld und einem multifunktionellem Kunststoff-Spielfeld weichen. Die Kunststoff-Laufbahn und die Leichtathletik-Anlagen sollten erneuert werden. Zudem sollten eine Calisthenics-Anlage, ein Boule-Feld, Mehrgenerationen-Sportgeräte, ein Drehspiel sowie Bänke, Sitzplätze und Bäume neu gebaut werden.

Starke Ideen für den Vereinssport

Das Freizeitgelände „Schlingsbruch“ sollte zum Zentrum für den vereinsorganisierten Sport ausgebaut werden. Dazu sollte der vorhandene Rasen-Trainingsplatz zum Großspielfeld in ein normgerechtes Kunstrasenspielfeld mit Beleuchtung umgewandelt werden, das den Kunstrasenplatz des Heidesportplatzes ersetzen sollte. Außerdem wurde vorgeschlagen, den unbefestigten Bolzplatz der Grundschule „In der Senne“ mit einem Asphalt- oder Kunststoffbelag zu versehen.

Das Idealkonzept fand großen Zuspruch. Allerdings konnte die Gemeinde das rund drei Millionen Euro teure Maßnahmenpaket nicht ohne Fördergelder stemmen. So passte es gut, dass das Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung (MHKBG) NRW im April 2018 die Antragstellung im Rahmen des Investitionspakts „Soziale Integration im Quartier 2018“ eröffnete. Mit dem Programm wurden Kommunen dabei unterstützt, Orte zu schaffen, an denen Angebote für Begegnung, Integration und Teilhabe ermöglicht werden und der soziale Zusammenhalt unterstützt wird.

Unterstützung durch Fördermittel

Der Förderzweck passte nahezu perfekt zu den Herausforderungen Augustdorfs. Daher begann die Verwaltung noch vor einer politischen Beschlussfassung über das Sportstättenkonzept, einen Förderantrag zum Umbau des Heidesportplatzes nach dem Idealkonzept zu erarbeiten. Die geschätzten Kosten beliefen sich auf 700.000 Euro. Davon sollten 90 Prozent von Bund und Land kommen. Und tatsächlich: Augustdorf wurde die beantragte Fördersumme von 630.000 Euro zugesprochen.

Die Freude war groß, erzeugte aber insbesondere im Fußballsport auch Sorgen: Der alte Kunstrasenplatz auf dem Heidesportplatz drohte zu verschwinden, bevor der Bau des geplanten Ersatzes auf dem Schlingsbruch absehbar war. Damit wäre die einzige Trainings- und Spielstätte für die Wintermonate verloren gegangen. So bat ein Fußballverein darum, den Heidesportplatz erst umzubauen, wenn der neue Kunstrasenplatz fertiggestellt sein würde.

Debatten am Spielfeldrand

Die weitere Vorgehensweise wurde intensiv diskutiert – letztendlich wurde aber entschieden, den Umbau weiterzuverfolgen. Augustdorf wollte gegenüber dem Fördermittelgeber weiterhin als ernstzunehmender und verlässlicher Partner gelten.

Um so schnell wie möglich einen Ersatz für den wegfallenden Kunstrasenplatz zu schaffen, beauftragte der Gemeinderat die Verwaltung schon im Sommer 2018, auch für den Umbau des Schlingsbruchs einen Förderantrag vorzubereiten, und zwar im Rahmen des Bundesprogramms „Sanierung kommunaler Einrichtungen in den Bereichen Jugend, Sport und Kultur“. Das Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat (BMI) hatte am 31. Juli 2018 den Startschuss für die dritte Förderrunde dieses Programms gegeben. Projektvorschläge waren innerhalb eines Monats einzureichen.

Das war für Augustdorf nicht zu schaffen. Ende November 2018 gab das BMI dann aber bekannt, dass das Bundesprogramm um 100 Millionen Euro aufgestockt wurde und Förderanträge noch bis zum 19. Dezember 2018 eingereicht werden konnten. In einem großen Kraftakt erarbeitete die Verwaltung einen Förderantrag und gab ihn fristgemäß ab. In der ersten Entscheidungsrunde im April 2019 erhielt der Antrag keinen Zuschlag. Im März 2020 bekam Augustdorf dann aber die erhoffte Förderzusage des Bundes in Höhe von 1,8 Millionen Euro.

Wie steht es um den Immissionsschutz?

Auch damit war die Sportstättengeschichte der letzten Jahre aber längst nicht zu Ende. Denn für den Heidesportplatz wurde auf Empfehlung des Kreises Lippe Anfang 2019 die immissionsschutzrechtliche Unbedenklichkeit der Maßnahme gutachterlich geprüft und bestätigt.

Ein Bodengutachten ergab, dass das Drainagesystem des Heidesportplatzes erneuert werden musste. Bei der Ausschreibung stellte sich heraus, dass Kosten von rund 840.000 Euro zu erwarten sein würden. Bei der Bezirksregierung wurde ein Antrag auf Mehrkostenförderung gestellt, der über ein Jahr später positiv beschieden worden ist.

Mit dem Bau wurde im Juni 2020 begonnen. Zur Benutzung freigegeben wurde er vier Monate später. Insgesamt beliefen sich die Kosten auf 827.000 Euro, davon wurden 744.000 Euro von Bund und Land finanziert.

Hohe Akzeptanz der neuen Angebote

Im Anschluss versah die beauftragte Firma zwei weitere Bolzplätze mit einer neuen Oberfläche: einen an der Grundschule „In der Senne“, finanziert über das Schuldendiensthilfeprogramm „Gute Schule 2020“; einen weiteren auf einem mit Städtebaufördermitteln aufgewerteten Spielplatz.

Angrenzend an den neuen Heidesportplatz wurde bereits 2019 der Spielplatz der Grundschule „In der Senne“ neugestaltet, so dass dort ein Komplex aus Bewegungs- und Begegnungsangeboten für alle Altersklassen entstanden ist. Der neue Kunstrasenplatz sowie die Beachvolleyballfelder im Sport- und Begegnungspark Schlingsbruch werden seit 2023 genutzt.

Damit war das Sportstättenkonzept vollständig umgesetzt. Die neuen Angebote werden außerordentlich gut angenommen. Einwohner und Vereine wissen den herausragenden Sportstättenbestand sehr zu schätzen.

Augustdorfer Erfolgsfaktoren

Zu dem großen Erfolg haben mehrere Faktoren beigetragen. Wesentlich waren die Herleitung der Maßnahmen aus einer städtebaulichen Gesamtkonzeption und einem Sportstättenkonzept, das unter Einbindung aller Akteure erarbeitet wurde.

Dazu kamen eine sehr engagierte Verwaltung sowie ein geschlossen auftretender, mutiger Gemeinderat. Die Projekte haben gezeigt, dass mit Kreativität, Entschlossenheit, Risikobereitschaft und großem Engagement auch in der Haushaltssicherung eine Weiterentwicklung kommunaler Infrastruktur möglich ist.

Andreas J. Wulf


Der Autor

Dr. Andreas J. Wulf (parteilos) ist Bürgermeister der Gemeinde Augustdorf (Nordrhein-Westfalen).


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