Nachhaltigkeit in der öffentlichen Beschaffung: Unterstützungsangebote für Kommunen im Wandel

Die öffentliche Hand soll nachhaltig einkaufen, viele Vergabestellen scheuen aber nach wie vor Aufwand und Hürden. Rowin Seeger von der LUBW Baden-Württemberg plädiert dafür, dass Kommunen Unterstützungsangebote in Anspruch nehmen – natürlich auch über die Landesgrenzen hinaus.

Nachhaltigkeit in der öffentlichen Beschaffung
Schul- und Büromöbel sind Teil der nachhaltigen Beschaffung: Selbstläufer sind die verschiedenen Produktbereiche dabei nicht – Experten empfehlen, Unterstützungsangebote anzunehmen, um weiterkommen zu können. Foto: Adobe Stock/Dmitry Vereshchagin

Mit einem jährlichen Volumen von etwa 500 Milliarden Euro stellt die öffentliche Beschaffung einen nicht unerheblichen Teil des Bruttoinlandsprodukts dar – so zeigt es die OECD-Studie „Öffentliche Vergabe in Deutschland“ (2019). Daraus leitet sich besonders mit Blick auf die Agenda 2030 eine große Verantwortung ab, Beschaffungen ethisch korrekt und nachhaltig zu gestalten.

Kommunen und andere öffentliche Einrichtungen haben aber nach wie vor häufig Probleme, diese Aufgaben zu bewältigen. Die Gründe dafür sind vielfältig – befragte Vergabestellen geben aber immer wieder dieselben Faktoren dafür an, dass die nachhaltige Gestaltung der Beschaffung oft nur sehr zurückhaltend angegangen wird:

  • Fehlendes Wissen um nachhaltige Alternativprodukte,
  • Sorge vor ökonomischer Mehrbelastung beziehungsweise Sorge um die Finanzierung,
  • Gewohnheit und etablierte Strukturen.

Nachhaltige Beschaffung in Baden-Württemberg

Aufklärung und professionelle Hilfe sind essenziell, um den Vergabestellen die Machbarkeit und die zahlreichen Vorteile nachhaltiger Beschaffung nahezubringen. Aus diesem Grund hat das Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg zusammen mit der Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW) ein für Kommunen kostenfreies Angebot rund um das Thema der nachhaltigen Beschaffung geschaffen.

Als Informationsquelle und Orientierungshilfe steht Kommunen der Leitfaden „Nachhaltige Beschaffung konkret“ zur Verfügung. Ergänzend hierzu existieren Produktwegweiser, die wichtige Zusatzinformationen zu spezifischen Produktgruppen liefern. Zudem bietet die LUBW für Kommunen eine niederschwellige, jeweils zweistündige Online-Seminarreihe mit nützlichen Informationen und Praxisbeispielen zu vielfältigen Themen an.

Die Onlinereihe bietet Angebote für grundlegende Informationen und zudem Angebote für bestimmte Beschaffungsbereiche:

  • Einführung in die nachhaltige Beschaffung;
  • Nachhaltige Beschaffung verankern;
  • Gemeinsam nachhaltig beschaffen;
  • Siegelkunde;
  • Lebensmittel, Kantinenverpflegung und Catering;
  • IT-Geräte:
  • Papier und Büromaterial;
  • Reinigungsdienstleistungen;
  • Schul- und Büromöbel;
  • Arbeitskleidung und Textilien;
  • Spielzeug und Bälle;
  • Lebenszykluskosten;
  • Fahrzeuge.

Weitreichende Info-Angebote

Über die Vortragsreihe hinaus stellt die LUBW ein Angebot zur Förderung einer professionellen Beratung zum gesamten Themengebiet vor Ort in der Kommune zur Verfügung.

Auch bundesweite Informationsstellen wie etwa die Kompetenzstelle für nachhaltige Beschaffung können hilfreiche Beratung und Orientierung bieten. Dort findet man Kontaktdaten und Infomaterial für jedes Bundesland sowie die Bundesverwaltung und kann aktuelle Neuigkeiten und Veranstaltungen entdecken.

Positive Trends

Auch wenn eine Umstellung der Beschaffung oft als große Aufgabe gesehen wird, lohnt es sich, diesen Schritt zu wagen. Zahlreiche, auch kleinere Kommunen etablieren zunehmend nachhaltige Produkte in ihren Beschaffungsalltag. Das positive Feedback hierzu ermutigt immer mehr Vergabestellen und sorgt so für einen positiven Trend in der Beschaffung. Jede nachhaltige Beschaffung ist ein Schritt hin zu einer nachhaltigen Verwaltung und dem Erreichen der Ziele der Agenda 2030.

Die Stadt Künzelsau ist hier ein gutes Beispiel: Sie ist Fairtrade-Kommune und hat die Einführung nachhaltiger Beschaffungskriterien als Teil ihrer Stadtstrategie beschlossen. Die Herausforderung war zunächst: Wie kann dies umgesetzt werden? Dafür wurde eine Beraterin eingebunden, die den Prozess vom Auftaktworkshop bis zur Mitarbeiterschulung begleitete.

Das Beispiel Künzelsau

Im Auftaktworkshop wurde gemeinsam mit Verantwortlichen aller städtischen Ämter herausgearbeitet, welcher der richtige Weg für Künzelsau ist. Das Ergebnis: eine Dienstanweisung, die klar regelt, was bei der Beschaffung zu berücksichtigen ist. Im Arbeitsalltag erleichtern Produktgruppenblätter – beispielsweise für Büromaterial – oder eine Negativliste die Auswahl durch gezielte Informationen und Empfehlungen. Nun liegt der Fokus darauf, die nachhaltige Beschaffung mit Maßnahmen wie Schulungen oder Aktionen weiter auszubauen.

Rowin Seeger


Der Autor

Rowin Seeger ist Referent für Nachhaltigkeit bei der Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW).


Zum Weiterlesen

Von Kantinenverpflegung über IT-Geräte bis zur Arbeitskleidung: Die produkttypenspezifischen Publikationen der Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW) sind online über den Publikationsdienst der LUBW zu finden:

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