Flexibler Ausbau: Ludwigshafen setzt auf modulare Kitas

Aktuell werden Kita-Plätze in Ludwigshafen dringend gebraucht – zugleich zeichnet sich ab, dass schon bald der Bedarf zurückgehen wird. Wie soll diese Herausforderung gemeistert werden? Antworten aus der Stadt am Rhein.

Modulare Kitas in Ludwigshafen
Kindertagesstätte in der Brandenburgerstraße in Offenbach (Foto): Sie ist das Vorbild für die geplanten Klettergerüste und Spielgeräte der neuen Kitagebäude in Ludwigshafen – dort steht der Baubeginn für die erste FlexiKitaLU unmittelbar bevor. Foto: Thomas Ott

Die Stadt Ludwigshafen am Rhein ist mit rund 180.000 Einwohnern die zweitgrößte Stadt in Rheinland-Pfalz. Der Bedarf an Kita-Plätzen in Ludwigshafen ist seit Jahren anhaltend hoch. Aktuell fehlen rund 900 Betreuungsplätze für Kinder über zwei Jahren – mit spürbaren Folgen für Familien, Wirtschaft und Gesellschaft.

Kurz- und mittelfristig ergibt sich, unter anderem wegen der Entwicklung von Neubaugebieten, sogar ein Saldo von rund 1250 Plätzen für Kinder dieser Altersgruppe. Kinder über zwei Jahre haben in Rheinland-Pfalz einen Anspruch auf einen kostenlosen Platz in einer Kindertagesstätte.

Um passgenau Kita-Plätze zu schaffen, setzt die Stadtverwaltung gemeinsam mit den freien Trägern Ausbauprogramme um. Kitas werden neu gebaut, bestehende werden umgebaut oder erweitert. Gleichzeitig sind langfristig demografische Veränderungen zu erwarten, die auch mit sinkenden Kinderzahlen einhergehen werden.

Warum die Wahl auf Modulbauten fiel

Weil der kurzfristige Bedarf an Kita-Plätzen hoch ist, er mittel- bis langfristig aber sinkt, ist Flexibilität gefragt. Vor diesem Hintergrund hat die Stadtverwaltung gemeinsam mit ihrer Bauprojektgesellschaft im Jahr 2025 eine Lösung entwickelt: Das Konzept der FlexiKitaLU schafft heute die dringend benötigten Kita-Plätze und erlaubt es zudem, künftig auf gesellschaftliche Veränderungen zu reagieren.

Die FlexiKitaLU werden in Modulbauweise errichtet und bieten entscheidende Vorteile. Sie können schnell gebaut werden, sind kosteneffizient und ermöglichen eine flexible Nutzung. Die Gebäude lassen sich erweitern, versetzen oder später für andere Zwecke – etwa Schulen, soziale Einrichtungen oder Seniorentreffs – umnutzen.

Das Morgen im Heute mitdenken

Die modulare Bauweise erlaubt es, auf veränderte Anforderungen zu reagieren, ohne langfristig unnötige Infrastruktur vorzuhalten. Ganz bewusst hat der Ludwigshafener Stadtrat im Sommer 2025 entschieden, auf Fördergelder des Landes für den Bau der FlexiKitaLU zu verzichten. Zwar könnten pro Einrichtung bis zu 850.000 Euro an Zuschüssen gewährt werden. Das Verfahren würde aber nicht nur den Baubeginn deutlich verzögern.

Ein weiteres Hemmnis ist die Zweckbindung der Fördermittel für die Dauer von 20 Jahren, die dem Grundgedanken der FlexiKitaLU widerspricht.  Ohne die Inanspruchnahme von Fördermitteln können neue Einrichtungen bereits ab Mitte 2027 in Betrieb gehen und umgenutzt werden, wenn die Gebäude als Kita nicht mehr benötigt werden. Folgekosten durch längere Bauzeiten bei klassischer Bauweise übersteigen zudem recht schnell die Höhe der Fördersummen.

Die FlexiKitaLU verbinden somit zwei zentrale Ziele: Sie schaffen schnell dringend benötigte Betreuungsplätze und ermöglichen gleichzeitig eine wirtschaftlich nachhaltige Entwicklung der städtischen Infrastruktur. Die Investition in frühkindliche Bildung ist dabei nicht nur eine soziale Aufgabe, sondern auch eine strategische Entscheidung für die Zukunftsfähigkeit der Stadt. Mit diesem Ansatz reagiert Ludwigshafen entschlossen auf aktuelle Herausforderungen – und bleibt zugleich flexibel für die Anforderungen von morgen.

Geplant ist aktuell die Errichtung von insgesamt drei viergruppigen Kindertagesstätten in Holzmodulbauweise für jeweils 100 Kinder im Alter von zwei bis sechs Jahren an unterschiedlichen Standorten im Stadtgebiet Ludwigshafen. Mit einer nachhaltigen Holzbauweise, einer Photovoltaikanlage und einer Wärmepumpe erfüllt der Gebäudetyp einer FlexiKitaLU hohe ökologische Standards. Die Grundrisse wurden in enger Abstimmung mit dem zuständigen städtischen Fachdezernat entwickelt und mit den relevanten Behörden koordiniert.

Was die Gebäude bieten sollen

Vorgesehen ist ein zweigeschossiges Kita-Gebäude. Es umfasst neben den Gruppenräumen auch zugehörige Schlaf- und Waschräume, einen Spielflur sowie Büroflächen für Leitung und Personal, Pausenräume, Personal-WCs, einen Kreativ- und einen Turnraum. Ergänzt wird das Raumprogramm durch eine Ausgabeküche sowie Technik- und Lagerbereiche. Das Gebäude ist als nicht unterkellerter Baukörper mit Flachdach geplant. Auf der Seite der Gruppenräume ist ein überdachter Fluchtbalkon mit außenliegender Treppe vorgesehen.

Die Grundfläche des Baukörpers beträgt rund 715 Quadratmeter zuzüglich etwa 150 Quadratmeter Abstandsflächen. Die Außenanlagen umfassen rund 1000 Quadratmeter, hinzu kommen rund 300 Quadratmeter für Stellplätze und Erschließungsflächen. Das Konzept wird baugleich an allen drei Standorten umgesetzt. Dadurch reduzieren sich Planungszeit und -kosten.

Drei neue Kitas für 300 Kinder

Die drei FlexiKitaLU schaffen insgesamt 300 neue Plätze – das deckt aktuell nicht den Gesamtbedarf, sorgt aber punktuell für Entspannung. Die Strategie ist bewusst pragmatisch: Schnell handeln und substanzielle Kapazitäten schaffen, statt auf eine umfassende Gesamtlösung zu warten, die Jahre länger dauern würde. Konzeption, Planung und Umsetzung übernimmt die Bauprojektgesellschaft Ludwigshafen mbH, eine 100-prozentige Tochtergesellschaft der Stadt Ludwigshafen am Rhein.

Diese privatwirtschaftlich organisierte Projektgesellschaft kann Vergabeverfahren deutlich beschleunigen, da sie unterhalb bestimmter Schwellenwerte freihändig vergeben darf. Gleichwohl werden für die FlexiKitaLU transparente öffentliche Auftragsvergaben durchgeführt. Der Baubeginn für die erste FlexiKitaLU steht in Kürze bevor.

Shruthi Podduturi, Simone Müller


Die Autorinnen

Simone Müller arbeitet im Bereich Kommunikation und Beteiligung der Stadt Ludwigshafen am Rhein. Shruthi Podduturi ist Projektingenieurin in der Abteilung Hochbau der Bauprojektgesellschaft Ludwigshafen mbH.


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