Markt Türkheim setzt auf Qualitätssicherung

Kanalsanierung in Türkheim: Die Marktgemeinde setzt bei Ausschreibung, Vergabe und Baustellenkontrolle auf die Qualitätssicherung der Gütesicherung Kanalbau. - Foto: Güteschutz Kanalbau

Eine dauerhafte Bewirtschaftung der Kanalnetze zu Lasten der Netzsubstanz würde nachfolgende Generationen zweifellos vor unlösbare Probleme stellen. Deshalb muss vorausschauend in die Netze investiert werden. Für Netzbetreiber ist in diesem Zusammenhang die Ausführungsqualität von großer Bedeutung.

Bei Bau und Sanierung der Abwassernetze hat das Thema Qualität herausragende Bedeutung, da entsprechende Investitionen üblicherweise auf eine sehr lange Nutzungsdauer ausgelegt sind. Auftraggebern und Netzbetreibern ist bewusst, dass von einer fachgerechten Ausführung nicht nur die Umwelt, sondern auch Stadtkasse und Bürger profitieren. Dies gilt insbesondere bei mittel- bis langfristiger Betrachtung der Wirtschaftlichkeits- und Nachhaltigkeitsaspekte.

Vor diesem Hintergrund haben die Technische Universität Dortmund und die Gütegemeinschaft Kanalbau im vergangenen Jahr Netzbetreiber, Auftraggeber und Planer zu „Qualitätsstandards im Kanalbau“ befragt. Bei einfachen Maßnahmen und Arbeitsschritten halten demnach 40 Prozent der Teilnehmer eine Präsenz der Bauüberwachung auf der Baustelle alle zwei Tage für geboten. Bei speziellen Maßnahmen und Arbeitsschritten halten dagegen sogar 60 Prozent der Teilnehmer eine tägliche Bauüberwachung für sinnvoll.

Auffällig ist, dass Netzbetreiber, die Bauüberwachungsleistungen selbst durchführen, eine deutlich häufigere Bauüberwachung zur Einhaltung der Ausführungsqualität wünschen als Netzbetreiber, die diese Leistungen an ein Ingenieurbüro vergeben. Mehr als ein Drittel dieser Netzbetreiber hält sogar bei für die Qualität eines Bauwerks wesentlichen Arbeiten eine Bauüberwachung, die mehrmals täglich stattfindet, für erforderlich.

Verantwortung für die nachfolgenden Generationen

Was dieses Qualitätsmanagement in der Praxis bedeutet, zeigt eine Kanalsanierungsmaßnahme im bayerischen Markt Türkheim. Bei der Ausschreibung von Kanalbaumaßnahmen werden dort ausschließlich Unternehmen berücksichtigt, die über die notwendigen Qualifikationsnachweise verfügen. Den Auftrag für die Ausführung des sechsten Bauabschnittes (BA) der Kanalsanierungsmaßnahme 2019 hat die Diringer & Scheidel Rohrsanierung (Niederlassung München) erhalten.

Der Zustand der unterirdischen Infrastruktur wird in Türkheim im Zuge der Eigenüberwachungsverordnung regelmäßig überprüft und wenn erforderlich saniert. „Hierfür wurde das gesamte Kanalnetz in acht Abschnitte aufgeteilt“, erläutert Bauamtsleiter und Marktbaumeister Christian Schinnagel. „Diese werden sukzessive einer optischen Inspektion unterzogen und mit der Kamera befahren. Darüber hinaus führen wir Dichtheitsprüfungen durch.“ Nach Zustandserfassung wird eine Sanierungsplanung mit dem Ziel einer möglichst hochwertigen dauerhaften und dabei wirtschaftlichen Lösung zur Sanierung der Kanäle erarbeitet. Damit erfüllen die für das Kanalnetz Verantwortlichen in Türkheim ihren Anspruch auf Nachhaltigkeit und kommen gleichzeitig ihrer Verantwortung für die nachfolgenden Generationen nach.

Deshalb kommt der Qualität der Ausführung eine entscheidende Bedeutung zu. „Vor diesem Hintergrund ist es eine gute Sache, dass es Instrumente wie die Gütesicherung Kanalbau gibt, die bei der anspruchsvollen Aufgabe helfen, qualifizierte und fachlich geeignete Partner für die jeweilige Maßnahme zu finden“, ist Schinnagel überzeugt. Bei der Gütesicherung Kanalbau RAL-GZ 961 handelt es sich um ein von Auftraggebern und Auftragnehmern eingeführtes System zur Prüfung der fachlichen Eignung von ausführenden Unternehmen und ausschreibenden und bauüberwachenden Stellen. Bieter weisen mit Erfüllung der Anforderungen der Güte- und Prüfbestimmungen RAL-GZ 961 ihre besondere fachtechnische Qualifikation (Fachkunde, technische Leistungsfähigkeit und Zuverlässigkeit auf technische Vertragserfüllung) nach, welche von Auftraggebern insbesondere bei der Vergabe von Bauleistungen gefordert wird.

Der Nachweis der Bietereignung wird sowohl im Unternehmen als auch auf der Baustelle bestätigt. Dabei werden die Baustellen durch einen vom Güteausschuss der Gütegemeinschaft Kanalbau beauftragten Prüfingenieur entsprechend den in den Güte- und Prüfbestimmungen definierten Intervallen unangemeldet besucht und geprüft. In Markt Türkheim ist Marcus Peterlik für diese Besuche verantwortlich. Er ist einer von rund 30 Prüfingenieuren, die bei den Gütezeicheninhabern in Bayern und den anderen Bundesländern derzeit jährlich mehr als 3300 unangekündigte Baustellenbesuche und etwa 2500 Firmenbesuche durchführen.

„Dabei werden die Ausführung der Maßnahme entsprechend den allgemein anerkannten Regeln der Technik, die personelle und maschinentechnische Ausstattung sowie die Eigenüberwachung bewertet“, erklärt Peterlik. „Ist alles in Ordnung, wird das positive Ergebnis ebenso im Prüfbericht festgehalten, wie eventuelle Abweichungen. Gravierendere Mängel werden im Prüfbericht dem Güteausschuss der Gütegemeinschaft zur Beratung vorgelegt, der dann entsprechende Ahndungsmaßnahmen empfiehlt.“ Zusätzlich nutzen die Prüfingenieure den Baustellenbesuch, um das Baustellenpersonal zu informieren und zu sensibilisieren.

Im Rahmen des sechsten Bauabschnitts der Kanalsanierung in Türkheim werden insgesamt 31 Haltungen (Kanalabschnitte) mit einer Länge von rund 1200 Metern und Nennweiten von DN 250, DN 300, DN 350 und DN 400 mit einem Schlauchliner ausgekleidet. Hierbei kommt das „CityLiner“-Verfahren des Unternehmens zum Einsatz, bei dem ein beschichteter flexibler Nadelfilzschlauch vor Ort in einer automatischen Dosier- und Mischanlage mit Epoxidharz getränkt, kontrolliert kalibriert und dann mit Wasserdruck im Inversionsverfahren in die vorbereitete Haltung eingebracht und mit Warmwasser ausgehärtet wird. Hinzu kommen die Sanierung von Schächten im Beschichtungsverfahren sowie partielle Reparaturen mittels Kanalroboter. Die Sanierungsarbeiten begannen im Sommer 2018 und sollen im Juni dieses Jahres abgeschlossen werden.

Red.