Starker Akzent in bewegten Zeiten: Auch in diesem Jahr fand das Lichtfest Leipzig am 9. Oktober als Erinnerung an die Friedliche Revolution von 1989 statt – mit Kerzen, Lichtinstallationen und Straßenlaternen in orangener „Mütze“. Worauf es Leipzig dabei
ankommt, beleuchtet Jutta Amann von der Leipzig Tourismus und Marketing GmbH.

Das „Lichtfest Leipzig“ ist Teil des städtischen Gedenkens an die Friedliche Revolution von 1989. Nach dem traditionellen Friedensgebet und der Rede zur Demokratie in der Nikolaikirche macht das Kunst- und Bürgerprojekt Geschichte im öffentlichen Raum am authentischen Ort erlebbar.
Als Kommunikationsformat im Stadtraum eröffnet es Bürgerinnen und Bürgern die Möglichkeit, sich zur „Baustelle Demokratie“ zu äußern und einzubringen. So versteht sich das Lichtfest Leipzig als demokratisches Forum mit direkter Bürgerbeteiligung.
Wenn Erinnerung zum Leuchten wird
Nach kleineren Veranstaltungen in den Jahren 2007 und 2008 wurde das Lichtfest Leipzig 2009 erstmals als großes künstlerisches Format umgesetzt. Seither verankert es den 9. Oktober – den Gedenktag an den Beginn der Friedlichen Revolution 1989 – als Anlass für gemeinsames Erleben, würdiges Erinnern und aktive Teilnahme.
Das Format ist in dieser Form einzigartig: Der alltägliche Verkehrsraum wird zum historisch bedeutsamen Ort, der individuell erfahrbar wird.
Warum aber ausgerechnet Licht? Die Antwort liegt in der Geschichte selbst: Bei der Montagsdemo am 9. Oktober 1989 zogen über 70.000 Menschen um Leipzigs Innenstadtring. Manche mit Kerzen – eine stille, aber kraftvolle Geste gegen Gewalt. Die Kerze wurde zum Symbol der Friedlichen Revolution.
Licht als Medium leistet etwas, das Worte oft nicht vermögen. Es verbindet Menschen unmittelbar und emotional, ohne dass es einer gemeinsamen Sprache bedarf. Es macht Ereignisse sinnlich erfahrbar.
Warum Leipzigs Lichtfest einzigartig ist
Über die Jahre hat sich in Leipzig eine eigene Formensprache entwickelt. Neben dem traditionellen Kerzenpodest prägen große Lichtinstallationen, Videomappings, Projektionen, aber auch Ausstellungen und Tanz das Lichtfest. Das Besondere daran ist, dass die Lichtkünstlerinnen und Lichtkünstler eigens für Leipzig thematisch passende Arbeiten entwickeln.
Beleuchtung ist hier nicht bloß Dekoration, sondern gestaltetes Erzählmittel – ein Instrument. Das Licht wird zum verbindenden Element zwischen historischem Ernst und festlicher Leichtigkeit.
Erinnern, innehalten, mitgestalten
Besonderen Wert legt Leipzig darauf, dass die Beleuchtung nicht überwältigt, sondern auch einlädt zum Innehalten. Warme, zurückhaltende Lichtfarben dominieren an der Kerzen-89, während an anderen Standorten durchaus experimentellere, dynamischere Installationen Raum finden, teilweise unterlegt mit Sound. Marit Schulz, Prokuristin der LTM GmbH und Leiterin „Lichtfest Leipzig“ betont diesen wichtigen Aspekt:
„Der Herbst ’89 ist für das Lichtfest kein fernes Datum, das wir einmal im Jahr beleuchten und dann wieder ablegen. Erinnerung bleibt nur lebendig, wenn sie Fragen an unser Heute stellt: wo hören wir einander zu, wo braucht es Mut? Deshalb freue ich mich sehr, dass neben Lichtinstallationen internationaler Künstlerinnen und Künstler auch lokale Projekte und Zeitzeugengespräche feste Bestandteile sind.“
Zusammenarbeit mit der Kommune
Die organisatorische Tiefe des Lichtfests wird deutlich, wenn man betrachtet, wie eng die Zusammenarbeit der LTM GmbH als Veranstalterin im Auftrag der Stadt Leipzig mit der Kommune ist: Ordnungsamt, Marktamt und Amt für Stadtgrün definieren und genehmigen Flächen für Lichtinstallationen und stimmen Verkehrsfragen sowie Anliegerinformationen ab.
Die Stadtreinigung sorgt für Mülltrennung und erfasst die Abfallmenge zur Nachhaltigkeitskontrolle. Mit Polizei und Stadtordnungsdienst erfolgen weit im Vorfeld Abstimmungen zur Streckenführung. Die Branddirektion klärt Fluchtwege, Zufahrtsschutz und medizinische Absicherung. Mit dem Referat Protokoll erfolgen Abstimmungen zu Ehrengästen, mit dem Referat Kommunikation zur Medienarbeit.
Darüber hinaus sind kommunale Unternehmen wie die Leipziger Verkehrsbetriebe von Anfang an die Planungen einbezogen, um die nötigen Mobilitätsdienstleistungen für solch ein Großevent sicherzustellen. Besonders eng ist die Kooperation mit der Stadtbeleuchtung.
Wenn die Lampen Mützen tragen
Inspiriert vom Lichtfest in Leipzigs Partnerstadt Lyon, entstand die Idee der „Laternenmützen“ zur Besucherlenkung entlang des Lichtwegs. 2023 wurden gemeinsam mit dem Team der Stadtbeleuchtung zwei Prototypen für Schinkelleuchten und Röhrenlampen entwickelt und zunächst auf 20 Laternen getestet. Herausforderung: Die Abdeckung muss sich unkompliziert anbringen lassen, darf nicht entflammbar sein und die Farbgebung soll gut sichtbar und atmosphärisch sein.
Gefertigt werden die Mützen von der Leipzigerin Susanne Weller, die auch an der Entwicklung beteiligt war. Seit 2025 montiert ein zweiköpfiges Team am Veranstaltungsabend innerhalb von wenigen Stunden alle 52 Mützen und baut sie danach direkt wieder ab. Zusätzlich prüft die Stadtbeleuchtung, welche Laternen entlang der Strecke während des Lichtfests ausgeschaltet werden müssen – damit die Kunstinstallationen bestmöglich zur Geltung kommen.
Jutta Amann
Die Autorin
Jutta Amann ist Teamleiterin Imagekommunikation bei der Leipzig Tourismus und Marketing GmbH.



