Langfristige Entwicklung im Blick

Wegweiser ins Rathaus: Ein Wahlkampf zum Beispiel um den Posten des Bürgermeisters erfordert Denkarbeit, Kreativität, Stimmungssensibilität und einen ständigen Blick auf gesellschaftliche Veränderungen. - Foto: Reimer/Adobe Stock

Kommunale Wahlkämpfe zeichnen sich meist durch einen starken Bürgerbezug und eine hohe Flexibilität der politischen Akteure aus. Die Berater Achim Moeller und Gwendolin Jungblut zeigen im zweiten Teil ihres Beitrag auf, worauf Kandidaten und ihre Unterstützer achten sollten.

Eine strategische Wahlkampfplanung blendet sich verändernde gesellschaftliche Entwicklungen nicht aus, sondern trägt ihnen Rechnung. Wir müssen uns die Begrenztheit der einzelnen Instrumente oder Tools im Wahlkampf (siehe Teil 1 dieses Beitrags) bewusst machen und auf die Elemente setzen, die wirkungsvoll sind und langfristig zur Wiederherstellung verloren gegangenen Vertrauens beitragen. Schließlich sind Wahlkämpfe Phasen verdichteter Überzeugungsarbeit und Selbstdarstellung.

Für kommunale Wahlkämpfe bedeutet das nicht nur Herausforderungen, sondern vor allem Chancen. Denn sie zeichnen sich in aller Regel durch einen starken Bürgerbezug und eine hohe Flexibilität der politischen Akteure aus. Um diese Ausgangsbedingungen für den eigenen Wahlerfolg zu nutzen, empfehlen wir Kandidaten folgende Konzeptionsschritte:

  • 1. Sie verstehen sich als Führungspersönlichkeit.

  • 2. Sie stellen Ihre Glaubwürdigkeit durch Kompetenz, Werte und bisherige Leistungen unter Beweis.

  • 3. Sie kennen die Stimmungen in der Stadt, wissen worüber die Menschen reden und welche Themen ihnen besonders wichtig sind.

  • 4. Sie können ein attraktives Zukunftsbild Ihrer Kommune aufzeigen.

  • 5. Sie kennen die Zahlen, Fakten und Zusammenhänge der Kommune, können diese nachvollziehbar auf den Punkt bringen und hieraus Themen ableiten.

  • 6. Durch Leidenschaft, eine unverwechselbare Ausstrahlung und begeisternde Sprache können sie Menschen mitreißen.

  • 7. Ihre Partei ist organisatorisch gut aufgestellt, hat ein klares Profil und ist in der Lage, Menschen zu mobilisieren.

  • 8. Die eigene Partei wird im Vergleich zu anderen als begehrenswerteste Alternative wahrgenommen.

Was sind die Geheimnisse von Wahlerfolgen? Ganz einfach: Die Verzahnung der genannten Punkte. Kernstück ist die gemeinsame Strategieentwicklung, die nicht nur als Grundlage des Wahlkampfes dient, sondern auch eine langfristige Entwicklungsorientierung für die Kommune und die Partei beinhaltet.

Der Einsatz von Medien, Mitteln und Aktionen sowie Werbematerial wird auf die zentrale Wahlkampflinie ausgerichtet. Die konkrete Nutzung der Medien orientiert sich an Botschaften, Nutzergewohnheiten und beabsichtigten Effekten.

Wahlsiegberatung geht über die üblichen Leistungen einer Werbeagentur hinaus, weil sie Strategieentwicklung, Mobilisierung der Partei, inhaltlichen Diskurs, politische Personalentwicklung sowie die Imageprägung des Spitzenkandidaten miteinander in Einklang bringt. Politische Wahlergebnisse prägen sich – abseits von unvorhergesehenen dramatischen Ereignissen – rund ein bis eineinhalb Jahre vor dem Wahltermin vor (vgl. Nate Silver in „Die Berechnung der Zukunft“). Und Glaubwürdigkeit lässt sich nicht in einem Rutsch, sondern nur schrittweise aufbauen.

Jede Wahl ist ein Unikat. Heutige Erfolgsprinzipien müssen mit den besonderen Ausprägungen vor Ort kombiniert werden. Dies erfordert Denkarbeit, Kreativität, Sprachgefühl, Stimmungssensibilität und einen ständigen Blick auf gesellschaftliche Veränderungen verbunden mit langjährigem Erfahrungswissen und politischem Gespür. Kommunale Wahlsiegberatung lässt sich also wie folgt charakterisieren: Wissen, was wirkt. Zeigen, wie’s geht.

Gwendolin Jungblut / Achim Moeller

Die Autoren
Achim Moeller und Gwendolin Jungblut sind Inhaber der Firma „The LeaderShip – Agentur für Wahlen Führung Strategie“. Sie beraten Fraktionen und politische sowie außerpolitische Organisationen. Bei der Beratung von Kandidaten analysieren sie in einem ko-evolutiven Prozess die Situation vor Ort. Aus Stimmungs-, Bedürfnis- und Strukturanalysen in Verbindung mit persönlichen Stärkenprofilen filtern sie zentrale Themen, Botschaften und Slogans heraus. Sie sensibilisieren die Kandidaten für Begrifflichkeiten und bringen sie dazu, vermeintliche Worthülsen mit einer eigenen Definition zu versehen („Angemessene Bezahlung bedeutet für mich…“). Auf Basis persönlicher Stärkenprofile entwickeln sie Ankerpunkte für die Imageprägung und für den roten Faden des Wahlkampfes.

Tipps: Wahlkampf kompakt

Der Ratgeber „Wahlen gewinnen“ aus dem pVS-Verlag unterstützt Sie dabei, einen professionellen Wahlkampf zu führen. Als erste Hilfe bieten die Autoren Achim Moeller und Gwendolin Jungblut, Ihnen mit dem kleinen Wahlkampf-1×1 einen kompakten Einstieg in eine komplexe Aufgabe.

  • 1. Das Gebiet: Was ist hier los? Was ist hier wichtig? Welche Standortfaktoren prägen unsere Kommune? (z. B. Lage, Unternehmen, Kultur, Natur)

  • 2. Die Partei: Wie stehen wir da? Wie werden wir gesehen? – Imagebildung (Was sagen die Menschen über uns? Was sollen sie sagen?)

  • 3. Die Kandidaten: Wen schicken wir ins Rennen? Mit welcher Absicht? – Erfolgsfaktor Persönlichkeit (Männer und Frauen mit Kompetenz und Ausstrahlung)

  • 4. Die politischen Gegner: Wo sind sie gut/besser/schlechter als wir? Warum ist das so? – Gegnerbeobachtung (Worauf müssen wir uns einstellen? Wie werden wir reagieren?)

  • 5. Das Programm: Was ist uns besonders wichtig? Wer hat welchen Nutzen davon? – Orientierung bieten (Wie stellen wir uns die Zukunft unserer Gemeinde vor?)

  • 6. Der Wahlkampf: Welche Aktionen, welche Medien setzen wir ein? Welche Maßnahmen müssen geplant werden? – Unsere Wege in die Öffentlichkeit (vielseitig, professionell, informativ, emotional, unterhaltsam)

  • 7. Zeit und Geld: Wann tun wir was? Und was lassen wir uns das alles kosten? – Strategischer Einsatz der immer begrenzten Ressourcen

Zum Weiterlesen: Teil 1 dieses Beitrags – Strategisch geplant zum Erfolg