Klimaanpassung in Kommunen: Herausforderungen, Wissenslücken und Wege der Kooperation

Wie gut sind die Kommunen auf die Folgen des Klimawandels vorbereitet? Neue Studienergebnisse zeigen große Unterschiede im Stand der Klimaanpassung und machen deutlich: Für effektive Maßnahmen braucht es unter anderem gezielten Wissenstransfer und starke Kooperationen.

Klimaanpassung in Kommunen
Maßnahmen zur Klimaanpassung – von Stadtgrün bis zur Starkregenprävention – fordern Hessens Kommunen und machen Kooperationen unverzichtbar. Foto: Adobe Stock/Darren

Der Umgang mit den Folgen des Klimawandels stellt Kommunen vor große Herausforderungen. Städte und Gemeinden müssen beispielsweise Vorkehrungen zum Hitzeschutz treffen, sich gegen Starkregenereignisse wappnen und für mehr Stadtgrün sorgen.

Wie Kommunen sich bei der Klimaanpassung besser rüsten können, zeigt eine Studie des Instituts für sozial-ökologische Forschung (ISOE) im Auftrag des Fachzentrums Klimawandel und Anpassung (FZK) des Hessischen Landesamtes für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG). Dies berichtet das ISOE in einer Mitteilung.

Große Unterschiede bei kommunaler Klimaanpassung

Wenn es darum geht, sich gegen den Klimawandel zu wappnen, unterscheiden sich die Ausgangslagen der Kommunen stark. Mit dem Ziel, Verantwortliche zum Austausch anzuregen, gemeinsame Herausforderungen sichtbar zu machen und Kooperationen zu stärken, initiierte das ISOE 2022 das Forschungsprojekt „WissTransKlima“.

Im Auftrag des Fachzentrums Klimawandel und Anpassung (FZK) wurde zunächst die aktuelle Situation der Klimaanpassung in Hessen empirisch untersucht. Im Fokus stand, den Wissensbedarf der Kommunen systematisch zu erfassen. Darauf aufbauend galt es geeignete Transferangebote zur Stärkung der Kompetenzen zu entwickeln.

„Die Ergebnisse der Befragung zeigen große Unterschiede beim Stand der Klimaanpassung in hessischen Kommunen“, berichtet Thomas Friedrich, Experte für Klimaanpassung am ISOE. „Während größere Städte bereits Maßnahmen umsetzen, berichten kleinere Gemeinden häufig von Wissens- und Ressourcenlücken.“

Rund die Hälfte der Befragten stuft den Klimaanpassungsbedarf in ihrer Kommune als hoch bis sehr hoch ein. Zugleich bewerten viele ihr eigenes Erfahrungsniveau in diesem Bereich als niedrig. Nahezu 80 Prozent berichteten, dass es in ihrer Kommune keine speziell für Klimaanpassung zuständige Stelle gibt. Zudem äußerten zahlreiche Verantwortliche fehlendes Fachwissen und den Wunsch nach mehr Austausch.

Orientierung durch Wissenstransfer

Besonderer Fokus wurde im Projekt „WissTransKlima“ daher auf Wissenstransfer gelegt. Zusammen mit dem FZK führte das ISOE Workshops für die hessischen Landkreise durch. „Dabei wurde deutlich, wie groß die Verantwortung der Mitarbeitenden in den Kommunen ist und wie schwierig es ist, eine Querschnittsaufgabe wie die Klimaanpassung ohne etablierte Routinen zu stemmen“, so Verena Rossow, Projektleiterin und Expertin für Wissenstransfer. „Es ist notwendig, die unterschiedlichen Bedarfe ernst zu nehmen und herauszufinden, wie neues Wissen zur Klimaanpassung bestmöglich in den Arbeitsalltag integriert werden kann.“

Neben gesichertem Wissen benötigen Verantwortliche für Klimaanpassung auch einen größeren Rückhalt in Verwaltung, Politik und Öffentlichkeit. „Entscheidend ist, diese Akteure wissen, wie sie Akzeptanz und Mitwirkungsbereitschaft steigern können – nur so lassen sich Anpassungsmaßnahmen in Handlungsfeldern wie Verkehr, Wasserwirtschaft oder Stadtentwicklung beschleunigen“, betont Rossow.

Mit Kooperationen zum Erfolg in der Klimaanpassung

Die Workshops zeigten klar, dass ein fortlaufender, dialogbasierter Austausch zwischen den Kommunen essenziell ist. Das Projektteam sieht insbesondere Chancen in einer stärkeren Kooperation mit Landesinstitutionen wie dem Hessischen Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Forsten, Jagd und Heimat (HMLU) sowie der Landesenergieagentur Hessen (LEA).

„Um die Klimaanpassung in Hessen voranzutreiben, empfehlen wir den gezielten Aufbau eines Transfernetzwerks für Wissens- und Erfahrungsaustausch zur Klimaanpassung – insbesondere auf Kreisebene“, sagt Verena Rossow.

Auch hinsichtlich knapper Ressourcen sei Kooperation entscheidend, ergänzt Thomas Friedrich. „Interkommunale Zusammenarbeit und eine enge Abstimmung mit Landesbehörden verhindern Doppelstrukturen und erleichtern die Vorbereitung auf die hessische Klimaanpassungsstrategie, die bis 2027 entwickelt wird.“ So könnten Anpassungsmaßnahmen ressortübergreifend geplant, Verwaltungsabläufe und Beteiligungsprozesse besser verzahnt und bestehende Beratungs- und Unterstützungsangebote des Landes besser genutzt werden.

Red.


Zum Abschlussbericht

Den Abschlussbericht „WissTransKlima“ finden Sie hier.


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