Zukunftsfähige Kanalisation: Welchen Unterschied grabenlose Sanierungsmethoden machen

Rohrleitungen sollen Wasser sicher transportieren. Die Realität sieht aber oft anders aus, und der Sanierungs- und Investitionsbedarf für Leitungssysteme unter der Erde ist hoch. Grabenlose Sanierungsmethoden sind laut BGT oft ökologischer, ökonomischer und sozialer als klassischer Tiefbau.

Grabenlose Sanierungsmethoden
Rechtzeitige Sanierungen öffentlicher Kanäle verhindern Brüche, Folgeschäden an angrenzender Infrastruktur und Ein­schränkungen für die Anwohner. Sie ermöglichen auch für den Klimawandel erforderliche Anpassungen. Foto: Adobe Stock/N Rose

Wasserversorgung und Abwasserentsorgung sind lebensnotwendig – und die öffentlichen Leitungsnetze für Frisch- und Abwasser zählen zur kritischen Infrastruktur. Ihr Erhalt gehört zur Daseinsvorsorge und ist eine kommunale Aufgabe für die Grundversorgung der Bürger. Die Kanalinfrastruktur wurde in der Vergangenheit vielerorts aber stiefmütterlich behandelt, und der Sanierungsrückstau ist groß. Auch private Eigentümer sind gefordert, die Anschlüsse der Grundstücke und Immobilien an die öffentlichen Kanäle zu sanieren. Für ganzheitlich intakte, nachhaltige Leitungsnetze in kommunaler und privater Verantwortung ist es daher oft ratsam, dass Kommunen die privaten Eigentümer bei der Erfüllung ihrer Pflichten beraten.

Der Verband kommunaler Unternehmen (VKU) prognostiziert in einem Positionspapier vom März 2025 einen erheblich steigenden Investitionsbedarf von aktuell etwa zehn auf 40 Milliarden Euro (etwa ein Drittel für die Trinkwasserversorgung und zwei Drittel für die Abwasserentsorgung) über die nächsten 20 Jahre. Ursache dafür seien der Erhalt der in die Jahre gekommenen Infrastruktur aus dem vergangenen Jahrhundert und die wegen des Klimawandels erforderlichen Anpassungen.

Der Klimawandel fordert Anpassung

Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) und der Deutsche Verein des Gas- und Wasserfachs (DVGW) haben Anfang November eine Studie herausgegeben: Sie beziffert für vier exemplarisch ausgewählte Wasserversorger den Anteil der durch den Klimawandel bedingten Investitionen auf sieben bis 30 Prozent ihrer Gesamtinvestitionen. Als Auslöser werden vor allem Maßnahmen zur Stärkung der Resilienz, zur Versorgungssicherheit in längeren Spitzenlastphasen infolge des Klimawandels und zum Hochwasser- und Trinkwasserschutz genannt.

Wie es vorangehen kann

Knappe Finanzen sind in vielen Fällen längst nicht das einzige Problem bei der Sanierung von Leitungsnetzen für die Wasserver- und Abwasserentsorgung. Aktuell können viele Kommunen nicht alle freigegebenen Gelder zur Sanierung abrufen – der Fachkräftemangel ist ein Grund dafür. Erforderlich sind aber auch schnellere Planungs-, Genehmigungs- und Vergabeprozesse mit weniger Bürokratie, mehr Effizienz und mehr Mut der Fachleute zum gemeinsamen Gestalten, Entscheiden und Machen.

Zur Freude am Bauen, zum Mut und zur vertrauensvollen Zusammenarbeit im Team ermuntert beispielsweise Markus Becker sehr anschaulich in seinem Artikel „Von der Erkenntnis zur Umsetzung – der Weg geht über die Baufreude!“ in der Zeitschrift „GeoResources“. Die Umsetzung müsse im Vordergrund stehen, nicht endloses Verwalten, betont er. Das ziehe auch Nachwuchskräfte an.

Vor Ort in den Kommunen handelnde Personen können aktiv gestalten, wie bei einem Projekt in Springe bei Hannover. Der Netzbetreiber, ein Planungsbüro, ausführende Firmen und ein Maschinenhersteller entwickelten durch gebündelte Erfahrungen und mutige Entscheidungen das grabenlose Berstverfahren weiter.

Austausch kann weiterhelfen

Zur effizienten, ressourcenschonenden Sanierung und Neuverlegung von Leitungen bieten grabenlose Verfahren interessante Lösungen. Für deren Anwendung und Weiterentwicklung setzt sich der Bundesverband grabenlose Technologien (BGT) ein, eine Verschmelzung aus dem Rohrleitungssanierungsverband (RSV) und der Deutschen Gesellschaft für grabenloses Bauen und Instandhalten von Leitungen (GSTT). Der Austausch mit Fachkräften aus Kommunen und ihre Mitwirkung in den Arbeitskreisen des BGT sind sehr willkommen.

Katrin Brummermann


Die Autorin

Dr. Katrin Brummermann ist Referentin Technik im Bundesverband grabenlose Technologien (BGT).


Zum Weiterlesen

Auf diese Quellen bezieht sich Katrin Brummermann in ihrem Beitrag:

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