Im Amt angekommen

Quereinsteigerin Eva Söllner überzeugt als Bürgermeisterin von Liederbach. Foto: Privat

Eva Söllner ist voller Engagement in ihre zweite Amtszeit als Bürger­meisterin der Gemeinde Liederbach gestartet. Für ihre Arbeit erhält die Quereinsteigerin hohe Zustimmung.

Was ist los in Liederbach? Der Publizist Winfried Kösters referiert unter dem Titel „Vom Wickeltisch bis zum Rollator“ über die generationenfreundliche Kommune, das Energieberatungszentrum Main-Taunus bietet für Mieter und Wohnungseigentümer in der Gemeinde wieder eine Energieberatung an („Interessenten kommen bitte in den kleinen Sitzungssaal im 1. Obergeschoss“) und – „die Biotonne kommt!“. So zu lesen im Amtsblatt der Gemeinde vom 11. Oktober, worin „Wissenswertes“ über die gesetzlich verordnete Einführung der Biotonne zum 1. Januar 2015 berichtet wird.

Die Politik vor Ort ist so lebensnah wie auf keiner anderen staatlichen Ebene. Und mittendrin der Bürgermeister. Gesucht und gefragt als Macher und Entscheider, als Zuhörer und Vermittler, Ideengeber und Projektentwickler. Oder eben die Bürgermeisterin. So wie in Liederbach, einer Gemeinde mit rund 9000 Einwohnern, nordwestlich des Ballungsgebiets Frankfurt. Dort steht Eva Söllner seit sechs Jahren an der Spitze der Verwaltung. „Das Amt der Bürgermeisterin ist ein sehr schönes Amt und es füllt mich aus“, sagt die 54-Jährige.

Wenn der Präventionsrat Liederbach auf dem Wochenmarkt Tipps zur Sicherung der Wohnung gegen Einbrüche gibt, ist die Bürgermeisterin am Infostand dabei. Wenn der Haupt- und Finanzausschuss in diesen Wochen über den Haushaltsplan 2015 berät, geht es nicht ohne sie. Gespräche mit den Mitarbeitern, Korrespondenz, Termine bei Abwasserverband und Verkehrsgesellschaft, dazu noch Sitzungen im Umfeld ihres Kreistagsmandats, das bedeutet Programm von früh bis spät.

„Mein Arbeitstag endet meistens zwischen 22 und 22.30 Uhr“, bilanziert Eva Söllner ihr Pensum. „An Samstagen und Sonntagen stehen oft Jubiläen, Geburtstage, Sport- oder Kulturveranstaltungen an, die zu meinem Programm dazugehören. Eine 70-Stunden-Woche ist da schon normal!“, sagt sie. Zeit für ihren Mann und die Familie bleibt da wenig. „Freitagnachmittag ist mein ,freier Tagʻ, den ich mir meistens für unsere – allerdings inzwischen erwachsene – Tochter reserviere.“

Sehr gute Resultate bei den Wahlen

Die Liederbacher wissen den Einsatz ihrer Bürgermeisterin zu schätzen und bestätigten sie im Mai 2014 für weitere sechs Jahre im Amt. Die hohe Wahlbeteiligung und das sehr gute Abschneiden habe sie schon überrascht, sagt Eva Söllner. „Man hat ja über fünf Jahre gearbeitet und sicher nicht nur Entscheidungen getroffen, die allen gefallen haben. Bei der Wahl 2008, ebenfalls ohne Gegenkandidat, waren unter 40 Prozent zur Wahl gegangen, und ich bekam 87 Prozent der Ja-Stimmen. Diesmal waren es absolut dann mehr Stimmen.“

Auch in ihrem zweiten „Wahlkampf“ legte Eva Söllner sich mächtig ins Zeug. „Ich habe einige Veranstaltungen organisiert, war jeden Samstagvormittag auf dem Markt und nachmittags in den Ortsteilen unterwegs.“ Bei Hausbesuchen habe sie die Bürger gebeten, zur Wahl zu gehen. „Die Wählerinnen und Wähler haben einen Anspruch darauf, dass jemand, der ein öffentliches Amt haben oder – wie in meinem Fall – behalten möchte, auch etwas dafür tut und zeigt, dass er auch bereit ist, dafür Einsatz zu bringen.“

Mehr Gestaltungsmöglichkeiten im Hauptamt

Gleichwohl, so sagt die erfolgreiche Quereinsteigerin im Rückblick, sei der Anfang schon auch schwer gewesen, „weil die öffentliche Verwaltung doch speziell ist, verglichen mit der Wirtschaft“. Dass sie noch immer nicht wie ein „Verwaltungsmensch“ denke, rechnet sie zu ihren Stärken, obwohl: „Das ist manchmal auch eine Schwäche!“ Die Motivation, sich beruflich dem kommunalen Sektor zuzuwenden, beschreibt Eva Söllner als Prozess: „Das war keine Entscheidung von einer Minute auf die andere, sondern es war eine Entwicklung vom politischen Ehrenamt zum Hauptamt, das dann doch mehr Gestaltungsmöglichkeiten bietet.“

An Handlungsfeldern hierfür mangelt es auch künftig nicht. „Ich möchte Liederbach im Sinne unseres Masterplans weiterentwickeln“, sagt Eva Söllner, „ich werde alles dafür tun, dass wir in unserem neuen Baugebiet endlich eine Einrichtung für betreutes Wohnen realisieren und dass die Neugestaltung der alten Ortskerne Oberliederbach und Niederhofheim vorangeht.“ Liederbach habe eine gute Wachstumsprognose für die nächsten Jahre und sei eine sehr beliebte Wohngemeinde im Vordertaunus.

Bei so vielen Aufgaben ist der Gedanke an eine neuerliche berufliche Veränderung eher hypothetisch für Eva Söllner. „Natürlich könnte ich mir vorstellen, in den Kulturbetrieb, ins Verlagswesen zurückzukehren, aber ehrlich gesagt, mache ich mir darüber nicht wirklich Gedanken.“

Jörg Benzing

Zur Person
Eva Söllner (Jg. 1960) ist verheiratet und hat eine Tochter. 2008 wurde die Lektorin in Liederbach/Taunus (Hessen) zur Bürgermeisterin gewählt. 2014 bestätigten die Wähler sie für sechs Jahre im Amt. Söllner ist stellvertretende Vorsitzende der CDU-Fraktion im Kreistag des Main-Taunus-Kreises. Ihr Lebensmotto: Wo immer Du hingehst, geh mit Deinem ganzen Herzen (Konfuzius).

Gemeinde Liederbach (Taunus)
Einwohner: rd. 9000
Haushaltsvolumen: 16 Mio. Euro
Gewerbesteuereinnahmen: 2,1 Mio. Euro
Pro-Kopf-Verschuldung: 280 Euro
(Angaben jeweils für 2014)