Zwischen Klimazielen und Kostendruck: Baubranche fordert weniger Bürokratie und mehr Tempo bei der Digitalisierung

Hohe Baupreise, verschärfte Klimaziele, knappe Ressourcen und massive Fachkräfteengpässe setzen die deutsche Bauindustrie unter Druck. Eine aktuelle PwC-Studie belegt die Herausforderungen der Branche.

Herausforderungen der Baubranche
Zwischen Baustelle und Büro: Digitale Technologien und ESG-Vorgaben verändern Arbeitsweisen und Geschäftsmodelle der Bauwirtschaft. Foto: Adobe Stock/romul014

Die deutsche Bauindustrie steht unter hohem Kosten- und Innovationsdruck. Zugleich schreitet die Digitalisierung in der Branche kaum voran: Zwar erkennen Unternehmen das hohe Potenzial digitaler Technologien, schätzen die eigenen digitalen Fähigkeiten jedoch als gering ein.

Als zentrale Ursache gilt der Fachkräftemangel. Darüber hinaus sehen die Branchenvertreter auch die Politik in der Verantwortung: Eine große Mehrheit fordert den Abbau bürokratischer Hürden und den Ausbau der digitalen Infrastruktur.

Zu diesem Schluss kommt eine im Auftrag von PwC Deutschland durchgeführte Befragung unter 100 Bauunternehmen und Planungsbüros aus dem Jahr 2025. Dies berichtet PwC Deutschland in einer Mitteilung.

Die Baubranche unter Kostendruck

Das anhaltend hohe Baupreisniveau, verzögerte Baugenehmigungen, weltpolitische Unsicherheiten, Ressourcenengpässe und die Klimakrise wirken sich spürbar auf die Geschäftstätigkeit der Bauunternehmen aus: Fast die Hälfte der Befragten (46 Prozent) gibt an, dass sie die aktuellen Rahmenbedingungen stark oder sehr stark treffen. Den zunehmenden Kostendruck bekommen 85 Prozent der Unternehmen zu spüren, 81 Prozent sehen sich zudem mit dem Fachkräftemangel und einer erschwerten, instabilen Planung infolge wegfallender Projekte konfrontiert.

Insgesamt 69 Prozent der Unternehmen haben mit Umsatzeinbußen und Projektverschiebungen zu kämpfen (2024: 63 Prozent). Entspannt hat sich hingegen für viele die Lieferkettenproblematik: In der Umfrage berichten 48 Prozent der Befragten von Verzögerungen bei Materiallieferungen, 2021/2022 waren es noch 90 Prozent.

Der Stand der Digitalisierung in der Baubranche

Angesichts dieser Rahmenbedingungen wächst der Druck, neue Geschäftsfelder zu erschließen und die Unternehmensorganisation weiterzuentwickeln. 70 Prozent der Befragten gehen davon aus, dass sich infolge der Krisen und Umbrüche neue Geschäftsfelder herausbilden werden; 60 Prozent rechnen sogar mit einer grundlegenden Neuausrichtung ihres Geschäfts. Der Veränderungsdruck ist so hoch, dass etwa die Hälfte der Unternehmen Umstrukturierungen in ihrer Organisation in Angriff nimmt.

Bauunternehmen und Planer sind sich der Bedeutung digitaler Technologien für ihre künftige Wettbewerbsfähigkeit bewusst. Dennoch vergrößert sich die Kluft zwischen den theoretischen Möglichkeiten der Digitalisierung und den eigenen Fähigkeiten seit Jahren. Auffällig ist dabei: Je neuer eine Technologie im Markt ist, desto weiter auseinander gehen wahrgenommenes Potenzial und vorhandene Kompetenzen.

Besonders deutlich wird die wachsende Diskrepanz zwischen Potenzial und Fähigkeiten bei IoT-Lösungen auf der Baustelle: 62 Prozent bescheinigen dieser Technologie große Chancen, aber nur zehn Prozent sehen sich in diesem Bereich mit starken Fähigkeiten ausgestattet. Auch bei Visualisierungs- und Simulationslösungen sowie bei KI-basierten Technologien besteht eine erhebliche Lücke zwischen eingeschätztem Potenzial und vorhandenen Kompetenzen.

Fortschritte beim Thema ESG

Beim Thema ESG (Environment, Social, Governance) geht es der Studie zufolge jedoch voran. Inzwischen haben drei von vier Unternehmen standardisierte ESG-Prozesse etabliert. Gaben im Jahr 2024 noch rund 44 Prozent an, von externen Akteuren (etwa Regulatoren oder Kunden) vorgegebene Ziele zu verfolgen, sind es in diesem Jahr bereits 64 Prozent.

Gleichzeitig besteht bei der Formulierung von ESG-Zielen weiterhin Verbesserungsbedarf: Nur ein Viertel bezieht die Erfüllung von ESG-Vorgaben in die Vergütung ihrer Mitarbeitenden ein.

Baubranche fordert verlässliche Gesetzgebung

Das größte Hindernis für die vollständige Umsetzung von Nachhaltigkeitsregularien sehen die Unternehmen in unklaren politischen Vorgaben und Wissensdefiziten im eigenen Haus. Entsprechend fordern die Befragten klare politische Zielsetzungen und mehr Verlässlichkeit in der Gesetzgebung.

Ob und in welchem Tempo ESG-Vorgaben in der Branche umgesetzt werden, hängt dabei in hohem Maß von externen Einflussfaktoren ab. Als wichtigste Treiber nennen 70 Prozent der Befragten gesetzliche Vorgaben und 50 Prozent die Anforderungen von Auftraggebern und Kunden.

Nur vier von zehn Befragten sind der Ansicht, dass der Druck zur Emissionsreduktion die nachhaltige Entwicklung in der Branche maßgeblich vorantreibt – obwohl die Bauindustrie zu den größten CO₂-Emittenten zählt. Die Chance auf Kosteneinsparungen sehen nur rund ein Drittel der Unternehmen als wesentlichen Treiber. Weniger als jeder fünfte Befragte ist der Überzeugung, dass nachhaltiges Handeln zur Bindung von Mitarbeitenden beiträgt und Investoren überzeugt.

Red.


Zur Studie

Die komplette PwC-Studie steht hier zum Download bereit.


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