Nach dem Hitzesommer ist vor dem Starkregen – diese Phase können Kommunen nutzen, um ihre Vorsorge gegen Extremwetter zu verbessern. Ein wichtiger Ansatz: Informations- und Datenmanagement. Was digitale Tools bewirken können, hat das BBSR in einer Studie untersucht.

Kommunen kommen aus dem Krisenmodus kaum heraus: Die Haushaltslage ist angespannt, die Pflichtaufgaben nehmen zu, und der Strukturwandel erfordert alle Kräfte, um Arbeitsplätze in Stadt und Region zu halten. Auch extreme Wetterereignisse verschärfen die Situation, wie die Hitzewellen dieses Sommers eindringlich gezeigt haben. So befeuert das neue „Normal“ extremer Wetterereignisse dauerhaft den ohnehin hohen Druck auf die Kommunen.
Zwischen dem ausklingenden Extremsommer und den nächsten extremen Wetterlagen liegt nun ein wichtiges Zeitfenster. Kommunen können diese Phase nutzen, um ihre Vorsorge gegenüber Starkregen, Hochwasser- und Hitzeereignissen weiterzuentwickeln. Zwar engagieren sich viele Kommunen bereits im Bereich der Klimafolgenanpassung:
Sie entwickeln Klimaanpassungs- und Hochwasserschutzkonzepte, setzen Maßnahmen zum Hitzeschutz oder zur Hochwasservorsorge um oder betreiben aktiv Katastrophenvorsorge. Ein Schlüssel einer effizienten und wirksamen Umsetzung von Konzepten und Maßnahmen liegt jedoch im übergreifenden Management von Informations- und Datengrundlagen.
Daten sind wesentlich für die Prävention
Angesichts bestehender dringlicher Handlungsbedarfe mag es befremdlich erscheinen, nun auch noch das leidige „Datenthema“ (wieder) auf die Tagesordnung zu setzen. Viele Beispiele aus engagierten Kommunen zeigen aber: Wer fachliche Konzepte zum Hitze- oder Hochwasserschutz bewusst mit einem umsichtig angelegten Datenmanagement verzahnt, verbessert die Informationsgrundlagen maßgeblich.
Digitale Werkzeuge können Kommunen entlang des gesamten Vorsorgezyklus der Klimafolgenanpassung unterstützen – von der Risikoanalyse über die Planung von Schutzmaßnahmen bis zur Warnung der Bevölkerung. Zwar ersetzen diese keinesfalls die Anlage physischer Rückhalteräume, technischer Schutzanlagen oder den Ausbau blau-grüner Infrastruktur. Sie ergänzen diese Maßnahmen jedoch sinnvoll, indem sie Risiken sichtbar machen, Entscheidungsgrundlagen verbessern und die Risikokommunikation beschleunigen.
Wo genau ist die Gefahr besonders groß?
Sensoren liefern Temperatur-, Pegel- und Niederschlagsdaten in Echtzeit, verwaltungsübergreifende Datenplattformen führen Informationen aus unterschiedlichen Quellen zusammen, und digitale Zwillinge – 3D-Modelle der Stadt – zeigen, welche Straßen, Gebäude und Infrastrukturen bei Hitze oder Starkregen besonders gefährdet sind.
Was sich bereits bewährt
Viele Beispiele aus dem Bundesförderprogramm „Modellprojekte Smart Cities“ (MPSC) zeigen, wie Kommunen digitale Lösungen zur Hochwasser- und Risikovorsorge einsetzen:
- Der Eifelkreis Bitburg-Prüm verbessert mit Sensoren die Datengrundlage an kleineren Fließgewässern.
- Solingen setzt auf Umweltsensoren und digitale Kommunikationswege, um die Bevölkerung bei Extremwetterereignissen gezielter informieren zu können.
- Der Landkreis Hof nutzt einen digitalen Zwilling, um Hochwasserrisiken sichtbar zu machen.
- Eichenzell in Hessen hat ein Starkregenfrühalarmsystem für das Gemeindegebiet eingerichtet.
Allen diesen Beispielen ist gemeinsam, dass sie nicht isolierte Lösungen umsetzen. Sie sind vielmehr mit einer urbanen Datenplattform verknüpft, die auch Voraussetzungen für viele weitere Anwendungen bietet: zum Beispiel zum Hitzeschutz.
Wie Daten eine Kommune voranbringen
Die Liste an Beispielen ließe sich weiter fortsetzen. Viele dieser Lösungen finden sich auch in der Maßnahmendatenbank des Programms. Die reichen Erfahrungen in den MPSC-Kommunen weisen darauf hin, wie bedeutsam ein umsichtiges Verständnis von Datenerhebung, Datenhaltung und Datenverarbeitung in Kommunalverwaltungen ist.
Wie beginnt man am besten? Am Anfang steht zumeist ein Anwendungsfall: In einem ersten Test erproben Kommunen die Anforderungen an eine digitale Dateninfrastruktur für die Klimafolgenanpassung.
Was können erste Schritte sein?
Ein Beispiel ist die Installation von Hochwasser- oder Hitzesensoren im Stadt- oder Gemeinderaum. Die technische Installation erfordert passende Übertragungstechniken für die Verwaltung sowie eine strukturierte Datenhaltung und -verarbeitung, etwa in Dashboards oder Berichtssystemen.
Dafür muss die Verwaltung klare Zuständigkeiten festlegen und eng mit relevanten Akteuren zusammenarbeiten, zum Beispiel mit der Wasserwirtschaft oder dem Katastrophenschutz. Entscheidend ist zudem, digitale Anwendungen langfristig in kommunale Prozesse zu integrieren und das notwendige Wissen vor Ort aufzubauen.
Warum die Zwischenzeit jetzt wichtig ist
Die Zeit zwischen einer brennenden Sonne und einem entfesselten Regen können Kommunen nun nutzen, um ihr Datenmanagement übergreifend weiterzuentwickeln. Kommunen, die Daten systematisch erheben, speichern und verarbeiten, können Risiken früher erkennen und die Folgen von Extremereignissen dauerhaft besser begrenzen. Dies rechtfertigt hierfür aufzubietende Kräfte allemal.
Ralf Schüle
Der Autor
Dr. Ralf Schüle ist Forschungsreferent und stellvertretender Leiter des Referats „Digitale Stadt, Risikovorsorge und Verkehr“ des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung in Bonn (BBSR).
Was im Vorfeld helfen kann
Die Studie „Digitale Lösungen zur Hochwasservorsorge bei Starkregen“ entstand im Rahmen der Begleitforschung zum Programm Modellprojekte Smart Cities. Herausgeber ist das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR). Das KWB Kompetenzzentrum Wasser Berlin gGmbH und RSUP Rabe Strategic Urban Planning haben die Studie erarbeitet.




