Die Seilbahn ist stets in Bewegung

Klimaneutrale Personenbeförderung: Die Seilbahn Koblenz verbindet seit 2010 auf 900 Meter Länge die Stadt mit dem Plateau der Festung Ehrenbreitstein. - Foto: Skyglide Event Deutschland

Die Seilbahn Koblenz ist seit der Bundesgartenschau 2011 zu einer Attraktion im Mittelrheintal geworden. Obwohl nur für einen begrenzten Zeitraum geplant, setzen Stadt und Land sich für den dauerhaften Betrieb der Seilbahn ein. Mit ihren 18 Kabinen erfüllt sie die Funktion eines öffentlichen Verkehrsmittels.

Die zur Bundesgartenschau (Buga) 2011 in Koblenz errichtete Seilbahn ist zu einem festen Bestandteil des Stadtbilds geworden. In der Zeit von 2012 bis 2018 tätigten die Gäste der Seilbahn Koblenz 8,5 Millionen Fahrten. Jedes Jahr werden zahlreiche Delegationen von Stadtvertretern, Behörden und Verkehrsplanern aus der ganzen Welt in Koblenz begrüßt. Die Fachleute informieren sich über die Vorteile und Einsatzmöglichkeiten von Seilbahnsystemen im Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV).

Am Beispiel der Seilbahn Koblenz lässt sich demonstrieren, wie Wasser-, Schienen- und Bundesstraßen, aber auch andere Verkehrshindernisse überquert werden können, ohne dass gewaltige Bauwerke errichtet werden müssen. Je nach Trassenführung und Anbindung können Seilbahnen an vielen Orten eine ideale Verkehrslösung oder Ergänzung zu bestehenden ÖPNV-Netzen bieten.

Die Seilbahn Koblenz wurde in den Jahren 2009/2010 erbaut. Vorausgegangen waren Diskussionen über das Verkehrskonzept der Buga sowie Untersuchungen zu Besucherströmen, Verkehrs-, Lärm- und Feinstaubbelastung. Dabei stellte sich das Verkehrsmittel einer leistungsstarken Seilbahn als die ideale Lösung für die Verbindung der Stadt mit den Ausstellungsflächen heraus. Sämtliche Vorteile einer Seilbahn als Stetigförderer im Verkehrsbetrieb waren in Koblenz ausschlaggebend. Dazu zählen: keine Schadstoffemissionen, Barrierefreiheit, hohe Förderkapazität, hohe Verfügbarkeit, langes Seilfeld ohne zusätzliche Bauwerke (Rheinquerung). Außerdem: kurze Bauzeit, vergleichsweise geringe Investitionskosten sowie geringe Flächenversiegelung.

Die Bahn verbindet die Talstation am linksrheinischen Konrad-Adenauer-Ufer mit der rechtsrheinischen Bergstation auf dem Plateau der Festung Ehrenbreitstein. Die Seilbahnlänge beträgt 900 Meter. Das sogenannte 3-S-Seilbahnsystem besteht aus zwei fix abgespannten Tragseilen pro Richtung sowie einem Zugseil (Endlosschleife). Die Bahn überwindet einen Höhenunterschied von 112 Metern. Insgesamt 18 Kabinen sind auf der Strecke im Einsatz. Pro Stunde können 7600 Personen in beide Richtungen transportiert werden. Die Fahrgeschwindigkeit beträgt maximal 16 km/h (4,5 m/sec.).

Nach Fertigstellung der Arbeiten im Jahr 2010 ging die Anlage zunächst in den Probebetrieb. Rund 3,6 Millionen Besucher zählte die Buga 2011 während der 185 Tage. Diese Besucher wurden allesamt mit der Seilbahn aus der Stadt zum Ausstellungsgelände befördert. Die meisten Gäste fuhren mit der Seilbahn auch wieder retour.

Ursprünglich war geplant, die Anlage nach der Buga noch für zwei weitere Jahre zu betreiben und dann wieder abzubauen. Doch die Stadt Koblenz und vor allem die Bevölkerung konnten sich ihre Stadt an Rhein und Mosel ohne „ihre Seilbahn“ nicht mehr vorstellen. So kam es zu Demonstrationen sowie Unterschriftenaktionen für den Erhalt der Koblenzer Seilbahn, die das als Weltkulturerbe anerkannte Mittelrheintal quert. Gemeinsam mit der Stadt Koblenz, dem Land Rheinland-Pfalz und dem Verein der Buga-Freunde konnte bei der Unesco eine Verlängerung der Betriebsgenehmigung bis 2026 erzielt werden.

Die Seilbahn ist zur Hauptattraktion der Stadt geworden. Somit leistet sie einen wesentlichen Beitrag zur positiven touristischen Entwicklung von Stadt und Region. Daher ist man nun in Koblenz und im Mittelrheintal bemüht, eine Verlängerung der Betriebsgenehmigung für die Seilbahn Koblenz über das Jahr 2026 hinaus zu erlangen.

Die Seilbahn Koblenz ist noch nicht in das Angebot des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) eingebunden. Gleichwohl nutzen viele Koblenzer die Anlage als öffentliches Verkehrsmittel und fahren mit ihr zum Arbeitsplatz, zum Einkaufen oder zu Veranstaltungen auf der Festung Ehrenbreitstein. Die Seilbahn-Jahreskarteninhaber absolvieren etwa 160.000 Fahrten pro Jahr.

Ein wesentlicher Vorteil der Seilbahn ist der hohe Grad an Barrierefreiheit. Rollstühle, Kinderwagen, Rollatoren oder Fahrräder können problemlos in den geräumigen Kabinen transportiert werden. Der bodenebene Zustieg in den Stationen ist ein Plus im Vergleich mit anderen Verkehrsmitteln. Auch für den Warentransport kann die Seilbahn in Anspruch genommen werden. Je nach Seilbahntyp und somit je nach Kabinengröße können ein bis zwei Euro-Paletten transportiert werden. Mit einer technischen Verfügbarkeit von 99,92 Prozent kann sich die Seilbahn Koblenz mit jedem anderen Verkehrsmittel der Welt vergleichen.

Eugen Nigsch

Der Autor
Eugen Nigsch ist Geschäftsführer von Skyglide Event Deutschland (Geschäftsstelle Seilbahn Koblenz), einem Unternehmen der Doppelmayr-Garaventa-Gruppe

Info: Daten und Fakten zur Seilbahn Koblenz

  • Talstation: Konrad-Adenauer-Ufer (linksrheinisch)
  • Bergstation: Plateau Festung Ehrenbreitstein (rechtsrheinisch)
  • Seilbahnsystem: 3-S-Seilbahn mit 2 Tragseilen pro Richtung und 1 Zugseil (Endlosschleife)
  • Seilbahnlänge: 900 m
  • Freies Seilfeld: 850 m
  • Höhenunterschied: 112 m
  • Fahrzeuge: 18 Kabinen
  • Kapazität: 7600 Personen pro Stunde in beide Richtungen
  • Fahrgeschwindigkeit: max. 16km/h (4,5 m/sec.)
  • Antrieb: Elektromotor (betrieben mit 100 % Ökostrom)
  • Hersteller: Doppelmayr-Garaventa-Gruppe, Wolfurt, Österreich
  • Bauzeit: 14 Monate
  • Betreiber Skyglide Event Deutschland
  • Windstabilität: bis 100 km/h Seitenwind bei 3-S-Systemen
  • Technische Verfügbarkeit: 99,92 %
  • Energieverbrauch: 0,23 kWh / pro befördertem Fahrgast